Auf Die 10!

Denkwürdige Endspiele im Davis Cup

Der Davis Cup hat seine eigenen Gesetze. Immer wieder passieren Überraschungen, mit denen nicht zu rechnen ist - wir präsentieren fünf denkwürdige Dramen.

"Ein Grand-Slam-Sieg macht einen Spieler zum Champion, ein Erfolg im Davis Cup zum Helden", sagte Niki Pilic, der als Teamchef und Berater mit drei unterschiedlichen Ländern fünfmal beim ältesten jährlich ausgetragenen Sportwettbewerb triumphierte.

1981: USA gegen Argentinien 3:1

Das Jahr 1981 läutete eine neue Ära im Davis Cup ein. Zum ersten Mal wurde im bis heute bestehenden Weltgruppen-System mit 16 Mannschaften der Davis-Cup-Sieger ermittelt. Mit den USA und Argentinien gab es eine heißblütige Finalpremiere, bei der John McEnroe der Garant für den Titelgewinn der USA war. "Big Mac" brachte sein Team mit einem glatten Erfolg gegen Guillermo Vilas in Führung. Jose Luis Clerc glich für die Argentinier aus.

Im Doppel gelang McEnroe und Peter Fleming ein hart umkämpfter Sieg mit 11:9 im fünften Satz. Schließlich machte McEnroe in einem über vierstündigen Fünfsatzmatch gegen Clerc den Erfolg der US-Amerikaner perfekt. McEnroe sprang in die Arme seines Teamkapitäns Arthur Ashe und ließ sich von den 13.000 Zuschauern im Riverfront Coliseum in Cincinnati feiern.

2010: Serbien gegen Frankreich 3:2

Vom 3. bis 5. Dezember 2010 glich die Belgrad-Arena einem einzigartigen Hexenkessel. Serbien traf im Endspiel auf Frankreich und griff nach dem ersten Triumph im Davis Cup. Vor dem Finale merkte Serbiens Leitwolf Novak Djokovic an, dass auch darum gehe, der Welt ein "neues serbisches Gesicht" und eine Nation zu zeigen, "die nicht mehr mit Krieg, Zerstörung und Leid" identifiziert werde.

Die Titelmission nahm jedoch einen negativen Anfang. Janko Tipsarevic war im Eröffnungseinzel gegen Gael Monfils chancenlos. Doch Djokovic glich in souveräner Manier mit einem Sieg gegen Gilles Simon zum 1:1 aus. Nachdem Frankreich das Doppel und "Nole" sein zweites Einzel gewonnen hatte, stand es 2:2. Tipsarevic und Simon waren für den finalen Showdown vorgesehen.

Doch stattdessen wurden Troicki und Llodra aufgestellt. Und Troicki machte im Belgrader Hexenkessel das Spiel seines Lebens, fertigte Llodra mit 6:2, 6:2, 6:3 ab und bescherte Serbien den Premierentitel im Davis Cup.

1989: Deutschland gegen Schweden 3:2

Für die Schweden war es bereits das siebte Davis-Cup-Endspiel in Folge. Im Auftakteinzel behielt Wilander nach fünf Sätzen die Oberhand und brachte die Skandinavier in Führung. Auf Becker war anschließend Verlass. Mit einem überzeugenden 6:2, 6:2, 6:4-Sieg gegen Stefan Edberg glich er für Deutschland aus. Im Doppel brachte Becker zusammen mit Eric Jelen sein Team auf Siegkurs. Das deutsche Duo bezwang Jan Gunnarsson und Anders Järryd in fünf spannenden Sätzen.

Am Schlusstag lief Becker schließlich zur absoluten Hochform auf und fertigte Wilander mit 6:2, 6:0, 6:2 ab. Deutschland hatte seinen Titel verteidigt und zum zweiten Mal den Davis Cup gewonnen.

"Das ist das Beste, was jemand je gegen mich gespielt hat. Niemand kann Becker an einem Tag wie diesem schlagen, nicht auf diesem Belag", gestand Wilander ein. "Ich hätte nie geträumt, dass ich im Finale so gut spielen würde. Heute habe ich das beste Match meines Lebens gespielt. Es ist fast unmöglich für mich, besser zu spielen", jubelte Becker.

1995: Russland gegen USA

Der Kalte Krieg zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion wirkte sich auch auf den Sport aus. Auch einige Jahre nach Fall des Eisernen Vorhangs waren die Ressentiments zwischen den beiden Staaten noch längst nicht verflogen. Das bekamen auch 1995 die US-Amerikaner im Davis-Cup-Finale in Russland zu spüren. Die Russen machten das Moskauer Olympiastadion zu einem Hexenkessel. Die Russen wollten nach der Finalniederlage im Vorjahr endlich ihren Premierentitel im Davis Cup feiern. Doch vor allem ein Mann hatte etwas dagegen: Pete Sampras.

Der US-Amerikaner spielte sein intensivstes Davis-Cup-Wochenende und war am Ende der gefeierte Held. Im Eröffnungseinzel rang Sampras Andrei Chesnokov mit 6:4 im fünften Satz nieder. Nachdem Sampras seinen zweiten Matchball nach einem wahnsinnigen Ballwechsel genutzt hatte, brach er von Krämpfen geschüttelt völlig zusammen. Nicht mal für das gegenseitige "Shakehands" reichte die Kraft. Sampras wurde sofort von Betreuern in die Kabine geschleppt.

Yevgeny Kafelnikov glich mit einem glatten Sieg gegen Jim Courier für die Russen aus. Für das US-amerikanische Doppel wurde zum großen Erstaunen Sampras nominiert. Und Sampras war wieder taufrisch. An der Seite von Todd Martin besorgte er mit einem klaren Sieg gegen Kafelnikov/Andrei Olhovskiy die 2:1-Führung. Einen Tag später gewann Sampras auf dem so ungeliebten Sand das Spitzeneinzel gegen Kafelnikov deutlich und führte die USA zum 31. Davis-Cup-Titel.

1988:  Schweden gegen Deutschland 2:3

Die noch titellosen Deutschen waren die krassen Außenseiter gegen den Titelverteidiger aus Schweden. Mit Mats Wilander und Stefan Edberg stellten die Schweden die beiden herausragenden Spieler des Jahres.

Als Bodenbelag wählten die Schweden einen langsamen Sandplatz, um Boris Becker zu schwächen. Doch damit machten sie den zweiten deutschen Einzelspieler Carl-Uwe Steeb stark. Und Steeb gelang im Eröffnungseinzel tatsächlich die Sensation. Trotz 0:2 in den Sätzen, einem 2:5-Rückstand im fünften Satz und einem Matchball gegen sich, rang Steeb den Weltranglisten-Ersten Wilander mit 8:6 im fünften Satz nieder und brachte Deutschland völlig überraschend in Führung. Becker legte mit einem klaren Erfolg gegen Edberg nach.

Nach 0:2-Satzrückstand legten Boris Becker und Eric Jelen los und bogen das Doppel gegen Edberg/Järryd noch um. Das deutsche Weihnachtsmärchen war perfekt.

Christian Albrecht Barschel / tennisnet.com

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