Um Reifenbreite

Forever young?

Geschichte wiederholt sich nicht?Geschichte wiederholt sich nicht?Manchmal zweifelt man ja, altersbedingt, an seinem Erinnerungsvermögen. Acht Jahre ist das erst her, dass Fabian Cancellara seine Tour-Premiere gegeben hat?

Mir kommt es vor, als ob der Schweizer schon kurz nach Gino Bartali in der Tour-Geschichte auftaucht. Kann aber auch daran liegen, dass 2004 schließlich bei einer Fußball-EM angeblich Leute wie Wörns, Baumann und Brdaric für die DFB-Elf gespielt haben.

Schon der letzte eigene Tour-Besuch in Lüttich scheint mir Ewigkeiten entfernt, dabei ist 2010 nur ein verlorenes Halbfinale länger her. Damals haben wir am Maas-Ufer eben nach jener Etappe logiert, in der sich ein Fabian C. als Pierluigi Collina des Radsports versuchte und eine Etappe ganz allein neutralisierte...

Alte Recken & Jungbrunnen

Danke auch an dieser Stelle an die Herren Voigt & Horner, die weiter dafür sorgen, dass bei der Tour nicht nur Fahrer unterwegs sind, die nach dem Mauerfall geboren wurden. Lobende Erwähnung auch an George Hincapie, der à la "Täglich grüßt das Murmeltier" seit 1996  jeden Juli unverdrossen über Frankreichs Straßen zieht.

Da fühlt man sich gleich nicht mehr ganz so alt, wenn so ein ewig junger Sunnyboy weiter unverzichtbar ist. Wobei mit da einfällt, dass „Forever Young" meine erste selbstgekaufte Single war (Single = Tonträgerformat nach Schellack und vor Walkman). Und schon sind alle Illusionen dahin.

Andererseits hat es durchaus verjüngende Wirkung, nach fünf Jahren Tour vor Ort wieder aus der Redaktion einen Auftakt zu begleiten. Ich fühle mich da sofort in meine Anfangsjahre im Job zurückversetzt, in denen die Tour an den Tasten für mich mit den Prolog-Siegern Moreau, Armstrong, McGee und eben Cancellara begann.

Auch schön: Die Erinnerung an den letzten Tour-Start in Büro: Rückblickend auf 2006 kann ich nur mal ganz deutlich sagen, dass sich bei allen Abgründen der Radsport doch in die richtige Richtung entwickelt. Dass das irgendwie mit meiner Anwesenheit vor Ort zu tun hat, soll damit aber nicht gesagt sein...

69, Watte & Edding

Sonst noch was? Ach ja, für alle die glauben, Cancellara habe bei der Tour schon alles erreicht: Von wegen! Noch nie hat er einen Tour-Prolog auf französischem Boden gewonnen — und für 2013 stehen die Zeichen eher auf Prolog-Verzicht bei der 100. Austragung: 2014 könnte es wiedereinen geben, aber wohl  im Ausland... — aber "Spartakus" hat ja noch ein paar gute Jahre vor sich.

Abschließend noch drei heimliche Highlights vom Prolog:

Feines Kunststück von David Zabriskie, der mit Starnummer 69 auf Platz 69 fuhr (nein, keine weiteren Kommentare, auch nicht in Verbindung mit seiner hochgelobten Sitzcreme. Nein.).

Respekt für Chris Froome, der auf einen starken elften Rang kam, obwohl er vergessen hatte, nach dem Warmfahren die Watte aus der Nase zu nehmen (und zudem mit der Startnummer von Teamkollege Eisel fuhr).

Und Glückwunsch an Geburtstagskind Marcus Burghardt: Seine Aktion am Start war den Tag schon fast wert: Mit weit offenem Rennanzug zeigte er sich der Kamera, denn auf seinem Unterhemd stand: „Thankx for coming to my Birthday". Geschrieben übrigens von Cadel Evans himself. Feine Sache.

So, am Ende noch mein Tweet des Tages:

Bis morgen, Andreas Schulz

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