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“Wollnys EM”: Erlöse uns von dem Schland

Schland

Oh Mann. Jetzt war's also soweit.

Am sechsten Tag dieser EM. Nach dem zweiten Spiel der deutschen Elf, dem wertvollen 2:1-Sieg gegen die Jungs mit dem rollenden Zweitwohnsitz.

Ich bin mit "Schland" in Berührung gekommen. War ja auch irgendwie nicht zu vermeiden.

Ekliges Zeug. Gestern Abend also, nach Spielschluss. Auf dem Heimweg in der S-Bahn. "Schland!".

Nicht falsch verstehen. Ich bin kein reaktionärer Dogmatiker. Ich habe nichts dagegen, wenn sich Menschen in Deutschland-Trikots zwängen und sich Farbe ins Gesicht schmieren. Man muss nicht zwingend einen Verein lieben, um mit dem DFB-Team mitzufiebern. Frauen können das besonders gut.

Viele sind dabei tatsächlich authentisch und sehen in den Lady-Shirts auch noch echt gut aus. Diese Damen entwickeln bei so einer EM einfach eine temporäre Fußball-Leidenschaft und nehmen die Sache dann auch wirklich ernst.  Diese Damen - und das ist wohl das Entscheidende - sind nicht "Schland".

Lieber Fußballgott, erlöse uns von dem Schland!

"Schland". Das sind jene Mädels, die ihren Männern 340 Tage im Jahr das Fußballgucken verbieten, jetzt aber bei jedem Tor - egal für wen - "Paaaaaty", "Poldi" und "Schweini" auf den Fanmeilen kreischen und fest davon überzeugt sind, dass DJ Özi 1796 die deutsche Nationalhymne komponiert hat, bevor er sich auf dem Gletscher schockfrosten ließ.

"Schland". Das sind männliche Fan-Clowns, die herumlaufen wie dreifarbig ganzkörperdekorierte Wigald Bonings auf LSD. Druckbetanktes Party-Volk, das die ganze Zeit "Schland!" brüllt, unterbrochen von abgrundtiefen Bier-Rülpsern und unkontrollierten Klatschattacken. Die Frauen sitzen meistens still daneben und schämen sich für das Hier und Jetzt.

So wie gestern also auf meinem Heimweg von der Arbeit. "Schlaaaand, Schlaaaand!". Ich grüble, komme da partout nicht drüber, frage mich seit 2006 was dieser Schmarrn soll?! Möglicherweise sind die wenig aktiven Hirnzellen einfach mit der Vorsilbe überfordert. Vertreter dieser männlichen Schland-Spezies sitzen mir in der S-Bahn schräg gegenüber, vier Jungs mit zwei Mädels, unüberhörbar zwischen Confedcup 2005 und Sommermärchen 2006 hängengeblieben: "Der Poldi und der Schweini, ey, so geil ey!"

Wo spielt eigentlich Senor Mesut?

Während ich mich noch frage, was an Podolski gegen Holland denn "so geil ey" war, kommt der nächste Hammer.

"Der Özil spielt doch inner Türkei, oder?"

"Nee du Pfosten, der is' Spanier, hat aber 'ne türkische Omma." Dann: "Schlaaaand, Schlaaaand!"

Empathie für Fußball?, denke ich mir, kein Deut! - Deshalb auch nur Schland.

"Podolski fand ich jetzt aber nicht so besonders ", meint da eines der Mädels plötzlich vorsichtig. "Da kann doch auch dieser ganz Junge da aus Gladbach spielen…?.

Eisiges Schweigen...

Dann rülpst einer Sumpfgase, gefolgt von hysterischem Lachen besoffener Hyänen.

"Der Schmelzer, der Anti-Kicker??? Ey, Weiber und Fußball ey... Schlaaaaand, Schlaaaaand!"

Gerade noch rechtzeitig hält die S-Bahn an meiner Haltestelle. Denn tief in mir drin, in den dunkelsten Ecken meiner sonst so friedliebenden Seele,  da hatte Cantona schon zum Sprung angesetzt...

Fazit zu Tag 6: Tschüss Oranje!

Bis morgen!

Michael

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Tag 5: Hass als Leidenschaft

Tag 4: Danke, weitermachen!

Tag 3: Gomez? Mein lieber Scholli!

Tag 2: Dreimal besser als Oranje!

Tag 1: From Hell(as)!

"Wollnys EM": Leute, geht duschen!

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