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Der Tod spielt mit

Ersthelfer kämpfen um das Leben von Morosini. Vergebens.Ersthelfer kämpfen um das Leben von Morosini. Vergebens.

Da stimmt etwas nicht. Irgendwo liegt irgendwas ganz bös im Argen. Und es muss sich etwas ändern.

Wenn Sportler zwischen physikalischen Gesetzen von Schwerkraft und Geschwindigkeit die Herausforderung suchen und dabei den Tod finden, dann ist das tragisch und traurig genug.

Ob Ayrton Senna, Marco Simoncelli, Gernot Reinstadler, Ulrike Maier, Nodar Kumaritaschwili, Wouter Weylandt oder Fabio Casartelli - Ausnahmesportler, deren tödliches Schicksal schockierte und existenzielle Debatten über die Sicherheit im Motor-, Ski-, Rad- und Bob-Sport anheizte. In der Folge wurden konkrete Maßnahmen getroffen, um das extreme Gefahrenpotenzial zu reduzieren.

Aber welcher Lebensgefahr setzen sich Fußballer aus, welchem Extrem? Wieso musste Fabrice Muamba in dramatischen Stunden um sein Leben kämpfen und wieso verlor Piermario Morosini diesen Kampf nun in wenigen Minuten?

Der Tod von Marc-Vivien Foé 2003 hatte in seiner ganzen erschreckenden Dramatik die Öffentlichkeit und den Fußball erstmals für dieses Thema sensibilisiert. Als Miklós Fehér und Paulo Sérgio de Oliveira Silva ein Jahr später in kurzem Abstand ebenfalls auf dem Platz kollabierten und starben, wurde diese Sensibilisierung nachhaltig.

Die simple Frage lautete damals wie heute: Warum?

Was stimmt da nicht, wenn Profi-Fußballer zwischen 20 und 30 an Herz-Kreislauf-Versagen sterben? Antonio Puerta, Chaswe Nsofwa, Phil O'Donnell, Antonio de Nigris, Salem Saad, Endurance Idahor, Naoki Matsuda, sie alle starben zwischen 2007 und 2011. Und nun also Piermario Morosini. Im Alter von 25 Jahren.

Was also, läuft da nur so verdammt falsch?

Es gibt Erklärungsversuche vom entzündeten Herzmuskel aufgrund einer verschleppten Erkältung über den angeborenen Herzfehler bis zum unvermeidlichen Doping-Verdacht. In vielen Fällen mögen die Erklärungen zutreffen, hilflos sind sie dennoch. Schließlich sehen sie sich alle in letzter Konsequenz dem Vorwurf der Vermeidbarkeit ausgesetzt.

Extremsport Fußball?

Der moderne Sport ist dem medialen und öffentlichen Erwartungsdruck ausgeliefert: Höher, schneller, weiter - spektakulärer! Das gilt auch für den atemlosen Hochgeschwindigkeitsfußball, der die Profis regelmäßig an die Grenze des körperlich Erträglichen jagt - und oft genug auch darüber hinaus. Zudem lässt der Leistungsanspruch wenig Spielraum für Vernunft, wenn es darum geht, nur in gesundheitlichem Optimalzustand aufzulaufen.

Es liegt jetzt deshalb an den internationalen Verbänden, endlich schnelle und fundamentale Konsequenzen aus dem jüngsten Drama um Piermario Morosini zu ziehen. Defibrillatoren am Spielfeldrand können nicht allein die simple Lösung eines komplexen Problems sein.

Es geht nicht darum, den Kollaps schnellstmöglich zu behandeln. Es geht darum, ihn zu vermeiden. Es geht um medizinische Prävention auf höchstem Niveau, damit Sportler nicht mit ihrem Leben spielen. Der Tod hat einfach keinen Platz im Kader.

Nachdenkliche Grüße,

Michael Wollny

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