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Robben: Der verfluchte Depp

Sündenbock, Buhmann, Prügelknabe und Depp: Arjen RobbenNa, das passt ja wie die Faust aufs Auge.

Und in diesem Fall ist mal keine rustikale Streicheleinheit durch Monsieur Ribéry im Kabinentrakt der Allianz-Arena gemeint.

Es geht um Robbens nähere Zukunftspläne, um unverhohlene Maskerade und wilden Mummenschanz: Robben wird zum Depp.

Der Niederländer wird im Münchner Fasching die Rolle von Johnny Depp als Captain Jack Sparrow in "Fluch der Karibik" neu interpretieren. Der Besuch in einem Schwabinger Kostümverleih hat ihn kurzerhand verraten.

Und man muss sagen: Gute Wahl, Arjen!

München liegt zwar nicht gerade in karibischen Gefilden, Flüche gibt es allerdings auch hier. Kaum einer weiß das besser als Arjen Robben. Verletzungsfluch, Torfluch – Robben muss mit ihnen leben. Nun hat sich zu allem Überfluss jüngst auch noch ein neues Übel in sein Fußballer-Leben geschlichen: der Rotations-Fluch, der Fluch der zweiten Wahl.

Doch mit diesem will sich der 29-Jährige nicht abgeben: "Ich werde mich nicht hinten anstellen, natürlich nicht!".

Tja, muss er aber, hilft ja nix. Denn "Don Jupp" hat klare Vorstellungen und Arjen Robben deshalb nichts zu lachen. Verständlich, dass er gerade gerne aus seiner Haut schlüpfen will, um sich mit einem "Alter Ego" in der Fünften Jahreszeit ein wenig abzulenken. Jack Sparrow also.

Der Captain gilt bei aller Verfluchtheit ebenfalls als eigenbrötlerischer Solist. Einer, der sich Hals über Kopf in schier aussichtslose Situationen manövriert, um diese dann doch immer irgendwie mit einer Mischung aus Chaos, etwas Dusel und einer Menge Genialität zu meistern. Der Pirat gefällt sich als selbstbestimmter Einzelgänger, auch darin wird sich Robben wiedererkennen.

Stinkstiefel und ewig motzender Egoist

Sparrow verstrickt sich wie Robben nur allzu gerne in knifflige Duelle, wirkt dabei ebenfalls immer etwas hektisch und zappelig, bleibt aber auch stets auf seine durchgeknallte Weise sympathisch. Und hier spaltet sich die fiktive Rolle von der Realität ab. Denn Robbens Sympathiewerte liegen bei den Bayern am Boden. Das war nicht immer so. Mit seinen Sololäufen und geschlenzten Toren hatte sich der Niederländer durchaus in die Herzen der Fans gedribbelt.

Doch dann kam die Sache mit dem Spitznamen. "Sergei Aleinikow" würden ihn die Teamkameraden hinter seinem Rücken nennen. Die Medien griffen das natürlich auf, walzten es breit, schmückten es aus und plötzlich wurde aus dem teaminternen "Aleinikow" ein öffentlicher Stinkstiefel und ewig motzender Egoist.

Ein Bild, das sich im persönlichen Kontakt nicht bestätigt. Robben stellt sich immer sachlich und freundlich selbst den nervendsten Fragen der Presse. Und wenn er in der Mixed Zone doch mal einen Journalisten stehen lässt, dann hat der dreifache Familienvater gute Gründe: "Sorry, beim nächsten Mal wieder, ok? Aber ich möchte jetzt gern zu meinen Kindern."

Buhmann und Sündenbock

Robben wirkt nicht nur durch seine Rob-Halford-Frisur älter als er ist, reifer als so mancher junger Bayern-Profi ist er zweifellos. Ein Einzelgänger? Vielleicht. Vielleicht aber auch nur ein Familienvater, der das bisschen Freizeit abseits der Arbeit eben lieber mit seiner Familie verbringt als in einer postpubertären Schafkopfrunde der Kinderlosen oder beim Szene-Hopping durchs Münchner Nachtleben.

Aufgrund der Meinung einiger Weniger wurde Robben aber längst abgestempelt. Und zwar von allen. Verschossene Elfmeter schadeten ihm mehr als jenen, die in entscheidenden Situationen selbst nicht den Mut aufbrachten, den Ball auf den Punkt zu legen. Robben war der perfekte Buhmann, der einsame Sündenbock für Pleiten, Pech und Niederlagen, die im Kollektiv verbockt und verantwortet wurden.

Jack Sparrow liefert die Antwort

Deshalb verwundert es auch nicht, dass aus einem gemurmelten Wort mit der Zeit ein lautstarker Chor erwachsen ist: "Verkaufen!".

Robben wird von vielen Fans verflucht, ist gerade voll der Depp. So einfach könnte man es sich machen.

Robben selbst macht jetzt erst mal das Beste draus, macht den Jack Sparrow. Man würde ihm wünschen, dass sich der Wind wieder dreht und ihm ins Segel bläst, dass er seinen Kritikern eine Breitseite verpasst und wie der Depp im Film antwortet:

"Ihr werdet diesen Tag nie vergessen, an dem Ihr Arjen Robben beinahe vergrault hättet...!"

Michael Wollny

@Twitter: Michael_Wollny

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