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Messi oder knutschende Söldner?

Messi: Das Maß aller DingeEs gibt in der Tat Nörgler, die behaupten, Messi sei nicht vollkommen. Sie mäkeln, es sei ein Makel, dass Messi bisher nur beim FC Barcelona Messias gespielt hätte.

Na und? - Ich finde das gut und ich hoffe, dass es so bleibt.

Messi prägt die Ära eines Klubs mit seiner spektakulären Genialität. Er ist Teil einer großen Tradition. Und während er die Geschichte dieses katalanischen Kults weiterschreibt, wird er selbst zum Kult.

Messi hat alles: Erfolg, Ruhm, ein legendäres Wappen auf der Brust und ein adipöses Sparschwein auf der Schlachtbank.

Wieso also sollte er wechseln? Schließlich gibt es doch auch einen Grund, es nicht zu tun.

Treue!

Eine Eigenschaft, mit der ein Fußballer in den Erinnerungen der Fans unauslöschlich zur Legende reifen kann. Auf diesem Niveau zählen bei der Karriereplanung nicht Euro, Dollar oder Rubel. Die Währung ist immateriell, die Symbolkraft unbezahlbar.

Gerade weil solche Karriere-Wege heute die Seltenheit sind, erlaube ich mir gerne den Luxus, so herrlich naiv idealistisch zu sein. Schließlich geht es ja nicht um blanke Utopie.

Paolo Maldini ist in Mailand diesen Weg gegangen, Francesco Totti geht ihn in Rom und Steven Gerrard in Liverpool. Messi hat nun als erneut erklärt, dass sein Weg ebenfalls am Ursprung enden soll. Ich hoffe und glaube, dass sich auch Bastian Schweinsteiger in München dazu entschieden hat. Die Fans rufen ihn "Fußballgott", finanziell und sportlich bietet der FC Bayern eine nachhaltige Perspektive. Letztlich auch einen Platz in der illustren Hall-of-Fame, dem Olymp der Erinnerung.

Der Kuss des Trikot-Wappens hat durch inflationären Missbrauch dieser Symbolik längst an Originalität und Authentizität verloren.

Doch im Gegensatz zu den knutschenden Fußball-Söldnern nimmt man einem Totti, Messi, Gerrard oder Schweinsteiger noch ab, dass sie mit dieser Geste ein Versprechen abgeben, dass sie auch zu halten gedenken.

Nächster Karriere-Schritt oder Vereinshopping?

Grundsätzlich finde ich Vereinswechsel nicht verwerflich, zumal sie in vielen Fällen auch schlichtweg notwendig sind. Ein Miroslav Klose hätte es in Kaiserslautern kaum zum Weltklassestürmer gebracht. Auch Raúl wird immer eine Real-Legende bleiben, obwohl sein Weg bei Atlético begann, über Schalke führte und nun im Herbst seiner Karriere in der Wüste versandet. Er hatte eine Ära geprägt, Raúls Lebenswerk ist längst vollendet und steht auf einem soliden Fundament.

Nach dem dritten Transfer sollte ein Spieler aber auch einfach mal seine sportliche Heimat gefunden haben, um dort dann Spuren und prägende Eindrücke zu hinterlassen. Fußballerische Lebensläufe wie der eines Danijel Ljuboja scheinen bisweilen aber mehr Stationen aufzulisten als die Transsibirische Eisenbahn.

Das moderne Vereinshopping zersetzt die Bindungskraft der Identifikation, verhindert eine emotionale Nähe zwischen Fans und Spieler, die eigentlich auch zur Tradition des Fußballs gehört. Da sich traditionelle Werte aber nicht ohne Weiteres kapitalisieren lassen, tritt sie das Heer aus Söldnern auf seinem Marschweg zum nächsten Fleischtopf in den Staub der Geschichte.

Geld spielt keine Rolle? Ja nee, is' klar...

Als Uli Hoeneß im Frühjahr 2006 entnervt aus dem Poker um Michael Ballack ausstieg, stellte er in nüchterner Süffisanz fest, "dass es Michael nicht darum ging, eine neue Sprache oder eine neue Kultur kennenzulernen, sondern eine neue Währung."

Dass Michael Ballack nie zum Publikumsliebling taugte, lag auch daran, dass er sich in seiner ganzen Selbst- und Außendarstellung als individuelles Wirtschaftsunternehmen präsentierte. Nüchtern, zielstrebig und unterkühlt. Ein an dem Flipchart skizzierter und notariell begradigter Karriere-Weg einer Ich-AG. Identifikation fand hier in erster Linie mit sich selbst statt.

Doch auch da spielte Ballack längst nicht in der Königsklasse. Als Weltklassestürmer Samuel Eto'o 2011 für 20 Millionen Netto-Jahresgehalt in die kaukasische Teilrepublik Dagestan zum Weltklub Anschi Machatschkala wechselte, hätte er mal besser geschwiegen, statt zu behaupten: "Geld ist nicht das Wichtigste für mich, es geht um Fußball."

Kein Erbe für die Ewigkeit

Zlatan Ibrahimovic spielt in der gleichen Liga. Dessen 15-Millionen-netto-Gehalt bei PSG brachte sogar Frankreichs Haushaltsminister auf die Barrikaden: "Diese Zahlen sind nicht beeindruckend, sie sind unanständig!" Ibrahimovic wird nach seiner Karriere als einer der genialsten Söldner in Erinnerung bleiben. Wenn auch nur im Kurzzeitgedächtnis. Die nette kleine Collage von footballfunnys.com legt Gerrards linken Zeigefinger in diese Wunde. Dass sich die Geschichte seinen Namen langfristig merkt, wird sich der Schwede eben nicht erkaufen können.

Das gilt wohl auch für Diego. Bei Werder hatte er die Chance sich zu verewigen. Doch statt Idol nun streunender Wolf. Stumpfes Fell und stumpfe Zähne. Zweifellos nicht mittellos, dafür aber rastlos und heimatlos, erfolglos und bedeutungslos.

Was für ein schales Erbe...

Bis bald,

Michael

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