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Der Fußball schwebt in Lebensgefahr!

DFB-Präsident Wolfgang NiersbachDFB-Präsident Wolfgang Niersbach

"Wir befinden uns an einem kritischen Punkt", meint Wolfgang Niersbach im Interview mit Eurosport. "Wir sollten ihn nun zum Wohle des Fußballs als Wendepunkt verstehen."

Klare Worte des neuen DFB-Präsidenten. Worte mit großer Tragweite, der Prolog für eine Revolution im modernen Fußball. "Wir sollten den Krug nicht so lange zum Brunnen tragen bis er bricht", mahnt Niersbach. "Die Grenzen der Kommerzialisierung des Fußballs sind erreicht, jeder Schritt darüber hinaus gefährdet seine immanente Authentizität."

Das Oberhaupt der deutschen Fußballfamilie hat die Schattenseiten einer grell-glitzernden Hochgeschwindigkeitseventisierung des Fußballs erkannt. "Es geht dabei um atmosphärische Störungen in den Stadien", meint Niersbach gegenüber Eurosport. Es geht um einen Fußball in Lebensgefahr.

Amerikanisierte Stimmung

"Die traditionellen Gesänge der Fans in den Kurven werden von akustischer Konserve überdröhnt. Mit der jüngsten Einführung von Klatschpappen wird der Fußball zudem mit einem fragwürdigen Stimmungsverständnis aus dem US-Sport infiziert. Hier müssen wir einschreiten!"

Es ist dem DFB-Präsidenten hoch anzurechnen, dass er im Zuge dieser Erkenntnis über seinen Schatten springt. "Es war ein Versäumnis, die Ideale, Ideen und Vorschläge der Ultrà-Kultur nicht ausreichend ernst zu nehmen. Es sind junge Menschen, die nicht nur für den Fußball leben, sondern deren Leben der Fußball ist. Wir haben sie auch innerhalb der öffentlichen Diskussion zu sehr stigmatisiert, indem wir ihr Wirken auf die Pyro-Debatte reduziert haben."

Niersbach spricht von "einem herausragendes Ziel meiner Präsidentschaft", hier Brücke zu schlagen. "Der Fußball lebt von Emotionen, auf und neben dem Platz. Vereine sind Wirtschaftsunternehmen, die sich zusehend  nach den Bedürfnissen ihrer 'Kunden' ausrichten und in diesem Zug die Bindung zu ihren Fans auf den Stehplätzen zu verlieren scheinen", so Niersbach.

Der DFB-Präsident signalisiert nun Bereitschaft zur Umsetzung eines Modell-Projekts zum kontrollierten Einsatz von Pyro in den Kurven sowie eine Optimierung der Stehplätze in Bezug auf das Anbringen von Blockfahnen und Bannern. Als Antwort darauf kündigen deutsche Ultras mit dem Verzicht auf das Diktat der systematisierten Gewalt eine ideologische Weiterentwicklung ihrer Kultur an. Auf einer eigens einberufenen Themen-Konferenz der Innenminister soll deshalb mit einem Verzicht auf martialische USK und BF-Einheiten die Rückkehr zu deeskalierenden Polizei-Strategien beschlossen werden.

Hart am Wind auf neuem Kurs

"Man mag uns vorwerfen, dass diese Einsicht spät kommt", meint Niersbach. "Aber sie kommt zweifellos noch nicht zu spät. Im Fußball gibt es nun ein Publikum, das ein Spiel konsumieren will, ohne daran selbst atmosphärisch partizipieren zu müssen. Das ist legitim, zumal Logen- und Business-Seat-Besitzer auch höhere Eintrittspreise zahlen. Doch diese Legitimität darf niemals die Legitimität der Kurven-Fans egalisieren. Schließlich ist es die Kultur des Stehplatzes, welche jene Atmosphäre erst erschafft, mit der man für die Logen wirbt."

Niersbach reißt nun also das Steuer herum und lenkt den Fußball zurück auf einen altbewährten Kurs. Aber ist es auch der richtige, ist es der Königsweg?

"Wer die täglichen Nachrichten von der Bundesliga-Börse notiert, die Beinahe-Inflation der internationalen Wettbewerbe registriert und die Diskussionen über TV-, Marketing- und Merchandising-Rechte rekapituliert wird diese Frage verneinen, denn die Kommerzialisierung scheint keine Grenzen zu kennen. Auch der DFB sperrt sich nicht gegen den Kommerz, braucht ihn sogar, um seine immer schwieriger werdenden Aufgaben zu bewältigen. Doch mit aller Kraft sollten wir uns gegen eine totale Kommerzialisierung wehren, weil diese unseren Sport nur als Vehikel der Unterhaltungsindustrie behandeln würde. Nur wenige Klubs und Akteure wären die Profiteure, nicht aber die Basis, die gleichzeitig unsere Zukunft darstellt."

Leider muss ich am Ende dieses Blogs den Kurswechsel des DFB unter Präsident Wolfgang Niersbach als reine Fiktion enttarnen — die Idee dazu ist dem heutigen Datum geschuldet.

Allerdings hatten sich diese Gedanken tatsächlich schon einmal über den Status eines Aprilscherzen erhoben: Das letzte Zitat, es ist nicht Teil der Fiktion. Es stammt von Egidius Braun.

Sportlichst,

Michael Wollny

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