Abgeblogged

Blase zu, Affe tot

Manchmal muss man einfach. Und je unwahrscheinlicher der Fall, dass man sofort kann, wenn man muss, desto dringender und drängender wird das Bedürfnis, endlich können zu dürfen. Wenn man allerdings muss, ohne zu können, darf man davon ausgehen nicht zu können, wenn man soll.

Zugegeben: Ein kryptischer Einstieg für das, was ich Ihnen in dieser Ausgabe von "abgeblogged" aus dem Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft berichten möchte. Ich will auch sofort alle Befürchtungen zerstreuen, dass ich weiter ins Detail gehen könnte. Eigentlich geht es nur darum, wie es ist, wenn man nicht kann, wenn man muss. Immer noch unklar?

Zu voll ist für Kahn zu viel

Cacau kann ein Lied davon singen. Aber auch Oliver Kahn. Was gab es damals für einen Aufschrei durch die Republik, als der "Titan", der dreifache Welttorhüter, bei einer Dopingkontrolle nach dem Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid, am 7. März 2007 war es, den Urinbecher wutentbrannt durch die Gegend geworfen haben soll - den vollen, wohlgemerkt.

Denn der "King" hatte, nachdem er für eine Kontrolle ausgelost worden war, das Gefäß vorbildlich bis zum Rand gefüllt - zu voll allerdings für den Geschmack der Ärzte, die Kahn daraufhin baten, es noch einmal zu versuchen. Vorschriften, Regularien, und so. Und dieses Mal, bitte schön, in einer geringeren Menge. Das war dann wiederum zu viel für den "Titan". Denn woher sollte er denn diese nun plötzlich herzaubern? Blase zu, Affe tot, sozusagen.

Von vollen Bechern in diesem Zusammenhang kann Cacau nur träumen. Deswegen war der gebürtige Brasilianer am Mittwoch extrem erleichtert, dass der - pardon - "Kelch" an ihm vorüberging. Als die Kontrolleure der Nationalen Antidoping-Agentur, kurz "NADA", plötzlich im Mannschaftshotel aufschlugen und von den Spielern das eine oder andere Pröbchen verlangten - 14 an der Zahl - erkannte der Stürmer des VfB Stuttgart nämlich sofort einen der üblichen Verdächtigen.

Wer wegschaut, den trifft's

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Cacau wurde es nicht deswegen mulmig, weil er irgendetwas zu befürchten, respektive zu verbergen hätte, nein: Cacau hat nur ein Problem damit zu können, wenn er muss. "Ich habe einen der Kontrolleure sofort erkannt. Wen der kommt, schaue ich immer sofort weg", plauderte der 29-Jährige aus dem Nähkästchen. Der Grund: "Nicht, weil ich etwa Angst vor der Dopingkontrolle hätte, sondern weil es bei mir immer länger dauert."

Aber bei Dopingkontrollen scheint es sich ein wenig zu verhalten wie in der Schule - wer bewusst wegschaut, den trifft's am ehesten. Cacau war dieses Mal die berühmte Ausnahme von der Regel. Ob der VfB-Angreifer deswegen so gelöst auf der Presskonferenz Rede und Antwort stand?

Zahlreiche beherzte Schlücke

Immerhin seien sonst immer zahlreiche beherzte Schlucke Wasser vonnöten, ehe die Blase endlich erleichtert werden könnte, so Cacau. "Ich muss da immer erst noch so viel trinken, bevor es geht." Dabei sollte man meinen, dass ein Kicker die Flüssigkeitsaufnahme nach einem Training eher als Erleichterung denn als Zwang ansieht. Nicht so im Fall von "Helmut".

Vielleicht rührte Cacau auch deswegen die Getränke, die beim Pressegespräch vor ihm auf dem Podium aufgereiht dastanden, nicht an. Die Angst des Stürmers vor den elf Millilitern wirkt offensichtlich lange nach.

Stefan Zürn

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