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Bieder, Mann – und ein “Brandstifter”

Tradition und Moderne bei der Eröffnung in Ruhpolding. Der Funke sprang …

Tradition und Moderne bei der Eröffnung in Ruhpolding. Der Funke sprang erst spät übe …

Beim Wort Eröffnungsfeier drängen sich sofort Bilder von psychedelisch angestrahlten Olympiastadien, aufwendig inszenierten Choreographien und epischen Inszenierungen in meinen Kopf. Da wird aus dem olympischen Motto "Höher, schneller, weiter" dann ganz flink "Größer, teurer, pompöser". Selbst die Eröffnung der alpinen Ski-WM vor gut einem Jahr in Garmisch-Partenkirchen war eine durchgestylte und fürs Fernsehen angerichtete Show.

Umso gespannter war ich auf die Feier, mit der Ruhpolding seine vierte Biathlon-WM in die elf Wettkampftage schicken wollte. Um es vorwegzunhemen: Den Hallo-Wach-Effekt des Feuerwerks konnten einige Anwesende sicher gebrauchen - denn: Es zog sich.

Zwischen Laptop und Lederhose

Es war der Versuch, Tradition und Moderne zu verbinden - oder wie es die mannsgewordene Version der WM 1979 (ja, alle vergangenen Weltmeisterschaften tauchten in Menschengestalt auf) so hübsch formulierte: Der Brückenschlag zwischen Laptop und Lederhose. Und während ich nun über ersterem brüte, muss ich in der Rückschau feststellen, dass die Show auf gut deutsch in zweitere gegangen ist.
Hielten sich Bürgermeister Pichler und Innenminister Friedrich unter dem bescheidenen Jubel der rund 6.000 Zuschauer im Kurpark erfreulich kurz, konnte das vom restlichen Programm nicht behauptet werden.

Klar, die regionalen Traditionen, Tänze und Klänge sollten ebenso ihren Platz erhalten, wie ungewöhnliche Akrobatik, moderne Choreographien und aktuelle Musik. Leider fehlte der angestrebtem Symbiose aus alt und neu das Tempo. Trachtenverein, Tanzgruppe, Trachtenverein, Tanzgruppe, Trachtenverein und Peitschenknaller, dazwischen Einzug der Nationen, eine schier nicht enden wollende Fahnenarie und immer wieder kleine Wackler bei den eingespielten Videos - so lang sich diese Aufzählung liest, so lang war auch der gesamte Auftritt. Dazu eine wirklich beeindruckende Sandmalerin, deren Kunst zum Ende aber schon in der Ungeduld auf die tatsächliche Eröffnung unterging.

Als IBU-Präsident Besseberg nach fast zwei Stunden die erlösenden Worte aussprach, löste sich die Spannung endlich. Aber erst der erste laute Knall des Feuerwerks ließ den Funken überspringen. Naja, man sollte vielleicht auch nicht vergessen, dass bei einer WM immer noch der Sport im Mittelpunkt stehen sollte - die Eröffnung stiehlt den Athleten in jedem Fall nicht die Show.

Sportliche Grüße aus Ruhpolding,
Fabian Kunze

PS: Hier die Höhepunkte der Show in 80 Sekunden - ganz so kurz muss es in der Realität aber auch nicht sein...

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