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“Anstand? Leck mich!”

Und die Provokation für die Fans gleich hinterher: Ich drei, ihr nix!Und die Provokation für die Fans gleich hinterher: Ich drei, ihr nix!

Was für eine Schweinerei!

Ehrlich gesagt sitzen Ungläubigkeit, Wut und auch Enttäuschung am Tag danach bei mir noch recht tief.

Ungläubigkeit über das miese Foul am Fairplay durch Luiz Adriano von Schachtjor Donezk. Wut darüber, dass es kein Versehen war und Enttäuschung, dass die Schweinerei nicht sportlich auf dem Platz bestraft werden konnte.

Was war passiert? Beim Stand von 1:0 für den FC Nordsjaelland war Morten Nordstrand vom Gegenspieler hart gecheckt worden und zu Boden gegangen. Schiedsrichter Antony Gautier unterbrach die Partie sofort, damit der FCN-Angreifer behandelt werden konnte. Gautier entschied danach korrekt auf Schiedsrichterball. Aus der Hälfte der Ukrainer wurde der Ball dann auch fair zurück in die Hälfte der Dänen geschlagen.

Doch dann kam Adrianos "großer" Auftritt...

Der Brasilianer rannte dem Ball hinterher, umlief Keeper Jesper Hansen und traf zum Ausgleich. Die Zuschauer pfiffen nicht sofort, die gerade erlebte Unfassbarkeit musste erst einmal verdaut werden. Erst als Adriano jubelnd abdrehte, wurde er in infernalischer Lautstärke ausgepfiffen.

Ähnliche Fälle gab es in der Vergangenheit hin und wieder schon einmal. Doch in diesen Fällen wurde die Sache sofort geregelt: Der Gegner durfte ungehindert ein Tor schießen, um die Schande zu tilgen.

Kein Bock auf kindisches Fairplay: Luiz AdrianoKein Bock auf kindisches Fairplay: Luiz Adriano

Schachtjor wollte diesen Ausweg aus der Peinlichkeit wohl auch gehen, Trainer Mircea Lucescu hatte es schließlich sogar angeordnet. Aber auch da bewarb sich Adriano für die Rolle des "Most Hated Player 2012". Mit wilden Fuchteleien und Zurufen ging er dazwischen und forderte die eigene Abwehr auf, den ungehinderten Angriff endlich zu stoppen. Taras Stapenenko gehorchte, ging dazwischen und Lucescu war's peinlich: "Ich entschuldige mich für das Tor, das so viele Diskussionen ausgelöst hat. Wir wollten dem Gegner sofort die Gelegenheit für ein Tor im Gegenzug geben. Aber das hat einer unserer Spieler verhindert...".

Von ehrlichem Fairplay, moralischer Selbstverpflichtung und ethischer Würde ist im modernen Fußball ohnehin nicht mehr viel übrig. Doch gerade bei Verletzungen hält man sich bislang stets an die ungeschriebene Regel, wobei es in der Situation recht egal ist, dass es möglicherweise weniger aus Überzeugung, denn aus automatisierter Gewohnheit geschieht.

Kein Anspruch auf Respekt

Die Art und Weise, wie Luiz Adriano dieses Fairplay vom Platz grätschte, ist unentschuldbar. Es war kein Affekt, kein Versehen. Es war vorsätzlich, pure Absicht, stumpfe Dummheit, kurz: widerwärtig. Und nein, es spielt keine Rolle, dass der dänische Underdog letztlich ohnehin mit 2:5 gegen Donezk unterging. Die größte Havarie für Anstand und Verantwortung verantwortet Luiz Adriano ganz allein.

Seine drei Tore in diesem Spiel? - Geschenkt!

Über der sportlichen Leistung liegt ein hässlicher Schatten. Adriano hat sich selbst entwertet und Respekt verspielt. Doch auf solche Werte scheint er ohnehin keinen Wert zu legen. Die herausgestreckte Zunge bei seinem dritten Treffer spricht für sich: "Anstand? Leck mich!"

Schande. Schade.

Grüße

Michael Wollny

Folgt mir auf Twitter: @Michael_Wollny

Auch das gibt's: Vorsicht, streunende Köter!

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