Champions League - Zwei Gewinner beim "Chelsea-Casting"

So 29.Apr. 20:39:00 2012

Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger zieht interessante Schlüsse aus dem Sieg gegen den VfB Stuttgart. In München dreht sich bereits alles um das große Finale in der Champions League gegen Chelsea. Thomas Müller warnt jedoch vor zu überschwänglicher Euphorie.

2012 Pranjic Contento - 0

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

Einigen Profis und Verantwortlichen ging es schon ein bisschen zu weit.

Das Wort "Chelsea" fiel ihnen nach dem Sieg im lauen Sommerkick gegen den VfB Stuttgart zu oft.

Tatsächlich hatte das Rahmenprogramm beim 2:0 der besseren B-Elf des FC Bayern schon etwas von einer Vor-Feier zum 19. Mai, wenn das Finale in der Champions League gegen die Blues aus London steigt. Eine Blaskapelle schmetterte zünftig und die Goasslschnalzer schwangen ihre Peitschen.

Trainer Jupp Heynckes hatte zudem Ersatzleuten wie Jörg Butt, Ivica Olic oder Takashi Usami einen letzten Auftritt in der Bundesliga vor heimischer Kulisse gegönnt. Franck Ribéry wiegte auf der Tribüne sein Söhnchen, Manuel Neuer und Jerome Boateng waren ebenfalls nicht im Kader.

Vorfreude auf den 19. Mai omnipräsent

Passierte auf dem Platz mal weniger, was öfter in den 90 Minuten bei brüllend heißen Temperaturen um die 30 Grad vorkam, steigerten sich die Fans in "Fiiiinaaaale - oho!"-Rufe hinein. Sie können das Saisonhighlight und die Party um den Henkelpott kaum erwarten.

Keine Gelegenheit wurde ausgelassen, die Helden von Madrid zu feiern. Bei den Einwechslungen von David Alaba und Bastian Schweinsteiger brandete frenetischer Jubel auf, einzig die neuen "Auswärtstrikots", die die Bayern zum ersten Mal trugen, störten mit ihrer seltsamen weiß-quietschorangen Farbkombination.

"Es ist noch ein langer Weg bis zum Finale", merkte jedoch Sportdirektor Christian Nerlinger an. Von einem "Casting" für das Endspiel wollte er ebenfalls nichts wissen, lobte zwei Spieler aber trotzdem explizit. Trainer Jupp Heynckes wird gegen Chelsea umbauen müssen, da Luiz Gustavo, David Alaba und Holger Badstuber dann gesperrt sein werden.

"Danijel Pranjic und Diego Contento haben eine sehr gute Leistung gezeigt", bilanzierte er. Auch insgesamt war er zufrieden: "Es hieß ja oft in dieser Saison, der Kader des FC Bayern sei nicht stark genug aufgestellt. Aber die Spieler, die sonst nicht so oft, spielen, haben gezeigt, dass sie gegen ein gutes Team wie Stuttgart mehr als mithalten können."

Von harmonischer Abstimmung zu sprechen, wäre allerdings vermessen, was auch Badstuber bestätigte: "Diese Mannschaft hat so zum ersten Mal zusammengespielt. Da ist es klar, dass nicht alles funktioniert." Heynckes bilanzierte indes: "Für die Spieler war es nicht gerade leicht, wieder umzuschalten auf die Bundesliga, obwohl ich sagen muss, dass sie sich sehr professionell verhalten und eine sehr gute Einstellung gezeigt haben, besonders die, die nicht so den Rhythmus haben."

"Als hätten wir das Finale schon gewonnen..."

Zur allgemeinen Euphorie äußerte er sich nicht, dafür tat das Thomas Müller: "Die Euphorie finde ich ja gut, aber im Moment kommt es mir ein bisschen so vor, als hätten wir das Finale schon gewonnen. Da muss ich den Finger heben. Ich will nicht in fünf Jahren zurückblicken und sagen: Toll, wir waren im Finale."

Die Pokale sind nah. Sportdirektor Christian Nerlinger zieht interessante Schlüsse aus dem Sieg von Bayerns besserer B-Elf gegen Stuttgart. - 2 Er selbst hatte Mario Gomez das 1:0 aufgelegt (32.) und zum 2:0-Endstand in der Nachspielzeit getroffen. Die Freude über das Tor war groß bei ihm: "Du kannst schon seit der 60. nicht mehr, weil dir immer die Sonne draufbrennt. Dann läufst du nochmal mit langen Schritten und merkst: Oh, das wird zäh. Aber dann machst du das Tor, dann ist Abpfiff und du kannst gleich liegen bleiben - das war ein schönes Gefühl."

Nun geht es in eine für die Münchner ungewohnt entspannte Woche ohne eine Partie am Dienstag oder Mittwoch, ehe das Saisonfinale beim 1. FC Köln ansteht. Jetzt könne man "endlich mal wieder dem täglichen Leben nachgehen, wir hatten ja zweieinhalb Monate nur englische Wochen." Dabei aber "immer an Chelsea denken, das mag ich nicht", schloss Müller.

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