Steuer: "Die Sportler werden bestraft"

Di 27.Mrz. 17:16:00 2012

Trainer Ingo Steuer strebt mit Aljona Savchenko und Robin Szolkowy den vierten WM-Titel an und hofft auf Unterstützung durch den neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Wegen seiner Stasi-Vergangenheit muss Steuer auf die öffentliche Finanzierung vom Bundesinnenministerium verzichten.

Trainer Ingo Steuer Eiskunstlaufen - 0

Wie schwer war es, sich ohne einen Wettbewerb 2012 auf die WM vorzubereiten?

Ingo Steuer: Sehr schwer. Wir mussten fast bei Null anfangen nach dem Sturz und dem Bruch des Schlittschuhs von Aljona im Januar. Das zieht einen ganz schön runter. Und die Muskelverletzung war auch nicht so ohne. Wir mussten aufpassen, dass sie nicht neu aufbricht. Aljona und Robin sind nicht so fit wie im Vorjahr, die WM in Moskau 2011 war sensationell. Dieses Mal sind sie vielleicht bei 85 Prozent.

Der Schaft des Schlittschuhs ist beim Trainingssturz gebrochen. Wieso war es schwierig, neue Schuhe einzulaufen?

Steuer: Der neue Schaft war wochenlang so hart, dass Aljona Schwierigkeiten hatte, zu springen. Besonders beim Axel, wenn sie vorn über die Zacke springt, erforderte das Veränderungen im Absprung.

Ist der vierte WM-Titel utopisch?

Steuer: Nein, utopisch nicht, aber ein kleiner Fehler reicht schon. Das ist wie bei der Biathlon-Heim-WM. Einmal danebengeschossen und die Medaille ist weg. Wir haben dreimal die WM verdient gewonnen, das heißt nicht automatisch, dass wir ein Abonnement haben.

Planen Sie für das Kurzprogramm am Mittwoch in Nizza den riskanten dreifachen Wurfaxel?

Steuer: Ja, er ist im Plan. Wir haben die Alternative, den Wurfflip, gar nicht mehr trainiert. Und Aljona hat hier im Training den Wurfaxel schon lupenrein dem Publikum gezeigt.

Ist das Verletzungsrisiko, wie beim Sturz im Januar, nicht zu hoch?

Steuer: Paarlaufen ist immer Risiko. Ich habe schon Zähne verloren und die Nase gebrochen. Aber der Sprung wird in Sotschi bei Olympia 2014 sehr wertvoll werden und er kann dann nicht einfach vom Himmel fallen. Wir wollen noch ein weiteres Element hinzunehmen, aber das verrate ich noch nicht.

Ihr größter Konkurrent, Maxim Trankow, kritisierte nach dem EM-Titel mit Tatjana Wolososchar für Russland die immer gefährlichere Entwicklung des Paarlaufens. Was sagen Sie dazu?

Steuer: Ich lege nicht so viel Wert auf die Aussagen von Maxim. Ich weiß, dass sie den vierfachen Wurflutz trainieren. Die versuchen alles, machen es nur nicht öffentlich. Die Entwicklung geht zu den vierfachen Sprüngen, das versuchen die Chinesen schon seit Jahren.

Sie trainieren nur ein deutsches Paar, das noch zwei Jahre Wettkämpfe bestreiten will. Savchenko/Szolkowy müssen Sie wegen Ihrer Stasi-Vergangenheit selbst bezahlen, die Deutsche Eislauf-Union darf Sie nicht anstellen. Sie wollen die Frage der Bezahlung grundsätzlich klären lassen und ziehen vor den Bundesgerichtshof. Zudem klagt Szolkowy, dass er wieder in die Bundeswehr aufgenommen wird. Beschäftigen Sie sich ständig damit?

Steuer: Alles, was das betrifft, macht unsere Berliner Anwältin, Karla Vogt-Röller. Vor Gericht muss ich auch nicht mit dabei sein.

Sie gelten als einer der besten Trainer weltweit, aber es können keine Nachwuchsläufer zu Ihnen kommen, weil sie das nicht bezahlen können.

Steuer: Ja genau, die Sportler werden immer bestraft. Und ich weiß nicht, ob die Deutsche Eislauf-Union auf mich verzichten kann, wenn Aljona und Robin einmal aufhören.

Setzen Sie Hoffnungen in den neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck, der sich nach einem Gespräch mit Ihnen schon 2007 positiv äußerte?

Steuer: Mich hat gefreut, dass Herr Gauck das letztlich geworden ist. Ich bin schwer beeindruckt von dem Mann, wie er damals mit mir gesprochen hat. Ich habe höchsten Respekt. Herr Gauck kennt sich mit diesem Problem aus, er weiß, worum es geht. Ich habe persönlich eine kleine Hoffnung, dass noch einmal über die ganze Sache geredet wird, damit für die Sportler in Zukunft eine Lösung gefunden wird.

Video: Pluschenkos Gold-Comeback

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Britta Körber / dpa

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