Champions League - Party-Nacht: Hoeneß nah am Herztod

Do 26.Apr. 13:12:00 2012

Der FC Bayern feiert mit Weißbier und Wolfsbarsch den grandiosen Einzug ins Finale der Champions League. Präsident Uli Hoeneß gibt Einblicke in sein Seelenleben, während Boss Rummenigge schwärmt ohne Ende. Neuer und Heynckes sind die Helden des Abends. Drei Akteuren vergeht die Freude jedoch etwas.

bayern munich party neuer hoeness - 0

Aus Madrid berichtet Daniel Rathjen

Tosender Beifall brandete auf, als die Mannschaft gegen 1 Uhr nachts aus dem Bus stieg und ins Teamhotel zurückkehrte. Das edle "Westin Palace" in Madrid wurde schlagartig zum Party-Tempel.

Die Schwarzwurst-Brötchen mit Ziegenkäse und das gegrillte Wolfsbarschfilet interessierten zunächst niemanden. Am Vorstandstisch wurde Trainer Jupp Heynckes erwartet und von Boss Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß erst mal ausgiebig geherzt.

Thomas Müller und Mario Gomez hielten die Szenen mit ihren Handykameras fest. Er solle schon mal an die Zigarre fürs Finale denken, warf Müller Hoeneß noch zu, während das Weißbier kreiste.

120 Minuten im Hexenkessel Bernabéu und das anschließende Elfmeterschießen hatten die Verantwortlichen bis zum erlösenden Jubel viele Nerven gekostet. In der regulären Spielzeit hatte Real Madrid im Halbfinal-Rückspiel der Champions League durch zwei Tore von Cristiano Ronaldo das 2:1 der Münchner aus dem Halbfinal-Hinspiel ausgeglichen. Arjen Robben verwandelte einen Elfmeter für Bayern.

Nach torloser Verlängerung triumphierten die Bayern dann im Elfmeterkrimi mit 3:1. Nationaltorhüter Manuel Neuer hielt zwei Schüsse vom Punkt, Bastian Schweinsteiger verwandelte den entscheidenden Elfmeter. "Als der Lahm verschossen hat, habe ich gedacht, ich sterbe", gab Hoeneß Einblick in sein Seelenleben. "Es ist doch noch eine tolle Saison geworden. In einem Halbfinale habe ich noch nie so viele hundertprozentige Torchancen erlebt. Unglaublich. Heute war das Spiel der Spiele."

Riesenkompliment für Trainer und Mannschaft

Auch er klatschte enthusiastisch in die Hände, als Keeper Neuer einen heftigen Sonderapplaus der geladenen VIP-Gäste im Festsaal, unter denen sich auch Bundestrainer Joachim Löw und Ex-Abwehrspieler Martin Demichelis befanden, bekam.

Immer wieder brach Jubel aus, während Rummenigge seine obligatorische Bankettrede zum Besten gab. "Bei den Fans und dem Verein gab es immer diesen Traum, am 19. Mai bei uns in München im Finale zu stehen. Ich möchte dem Trainer Jupp Heynckes und der Mannschaft ein Riesenkompliment aussprechen, dass wir das gepackt haben", setzte er an und ergänzte:

"Spiele, die eine solche Intensität hatten, die solche Emotionen hatten, sind in die Geschichtsbücher des deutschen Fußballs eingegangen. Ich bin seit 38 Jahren mit dem FC Bayern verbandelt, aber das war das intensivste Spiel, das emotionalste, das ich je erlebt habe", schwärmte er.

Wohlwollend verfolgten die Spieler die warmen Worte und stießen miteinander an, ehe sie sich auf ihre Zimmer zurückzogen, um dort jeweils kleine Partys zu starten. "Ich empfinde das als unglaublich. Am 19. Mai ist nun alles drin", blickte Rummenigge sogleich auf das Endspiel gegen Chelsea voraus, in dem dann die Krönung erfolgen soll.

Kämpferisch schloss er: "Wir gehen mit viel Elan, Schwung und Stolz in dieses Finale und versuchen das zu packen, was uns vor zwei Jahren in Madrid verwehrt wurde." Damals hatten die Bayern ein 0:2 gegen Inter Mailand - damals noch mit Louis van Gaal als Trainer - kassiert.

Der FC Bayern feiert nach dem Thriller gegen Real Madrid mit Weißbier und Wolfsbarsch den grandiosen Einzug ins Finale der Champions League. - 2 Heynckes spricht von "magischer Nacht"

Selbst für den so erfahrenen aktuellen Coach war der Thriller von Madrid etwas ganz Besonderes. "Das war eine magische Nacht. In den ersten 15 Minuten hatten wir große Schwierigkeiten. Dann haben wir über weite Strecken überragenden Fußball geboten", lobte Heynckes, der zwischen Hoeneß und Rummenigge saß.

Die allgemeine Euphorie trübte jedoch die Tatsache, dass sich David Alaba, Luiz Gustavo und Holger Badstuber die dritte Gelbe Karte einhandelten und damit im Finale gesperrt sind. Sie wirkten trotz allem etwas geknickt. "Die Regeln der UEFA sind sicherlich diskussionswürdig. Aber wir können es nicht ändern", seufzte Rummenigge.

Gegen Chelsea, das ebenfalls auf vier Akteure verzichten muss, muss Heynckes in der Defensive improvisieren. Doch so weit wollte in der bayerischen Party-Nacht zunächst niemand denken.

"Wir sind zwar alle tot, aber überglücklich. Seitdem feststand, dass das Finale in München ist, hatten wir alle ein Ziel: Dahin zu kommen", erklärte Schweinsteiger noch.

Zum vierten Mal stehen die Münchner im Endspiel der Königsklasse, nach 2001 soll in drei Wochen der zweite Titelgewinn gelingen.

Die Daten zum Spiel:

Der FC Bayern feiert nach dem Thriller gegen Real Madrid mit Weißbier und Wolfsbarsch den grandiosen Einzug ins Finale der Champions League. - 3

VIDEO: Bastian Schweinsteiger im Interview:

itw Bastian Schweinsteiger

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