Sutil: "Formel 1 im Kopf eingebrannt"

Di 24.Apr. 09:51:00 2012

Abwarten und hoffen - mehr kann Adrian Sutil im Moment nicht tun. Im Interview der Woche spricht er über seine Comeback-Pläne in die Formel 1, die Zeit bei Force India und die anderen deutschen Fahrer. Zudem äußert er sich über Mode, Emotionen und seine größte Leidenschaft - den Motorsport.

Formula 1 2011 Force India Adrian Sutil Exklusiv - 0

Das Interview führte Dirk Adam

Herr Sutil, dürfen wir Ihnen zu Beginn eine persönliche Frage stellen?

Adrian Sutil: Ja, natürlich.

Wo haben Sie die beeindruckende Gold-Kette her?

Sutil: (lacht...) Die hat mir ein Freund aus London geschenkt. Er hat diese Kette neu entworfen und sie mir gegeben. Ich trage diese Kette gerne. Das ist doch etwas Schönes.

Haben Sie einen Berater, was modische Fragen angeht oder entscheiden Sie selbst?

Sutil: Modisch, nein... Das mache ich alles selber. Ich bin ein Typ, der gerne Mode mag und eher eine stylischere Person ist. Ich mag Design im Allgemeinen. Das hat natürlich auch etwas mit meinem Elternhaus zu tun, denn ich entstamme einer sehr künstlerischen Familie. Mein Bruder ist Webdesigner und hat mit Design sowie Aussehen in seinem Beruf sehr viel zu tun. Hinzu kommen natürlich meine Eltern, denn die Musik hat ebenfalls viel mit Kunst zu tun. Vielleicht wurde mir das irgendwie in die Wiege gelegt.

Das spürt man. Was man natürlich auch spürt, ist das brennende Feuer in Ihnen. Wie beurteilen Sie Ihre Chancen auf eine Rückkehr in die Formel 1?

Sutil: Das lodernde Feuer wird immer größer, obwohl es natürlich hart ist, sich die Rennen vor dem Fernseher anzuschauen. Und mit jedem Rennen wird es immer schwieriger. Ich würde natürlich gerne so schnell wie möglich zurückkommen in die Formel 1, aber im Moment muss ich abwarten. Um in diesem Jahr noch einen Platz zu bekommen, muss ich auf einen Patzer von einem anderen Fahrer hoffen. Wenn das nicht passiert, muss ich das ganze Jahr warten. Dann kann ich nur hoffen, dass ich am Ende des Jahres einen Vertrag bekomme.

Gewinnt das Feuer automatisch an Größe oder muss man sich jeden Tag neuen Mut zusprechen?

Sutil: Wenn man so eine Zwangspause hat, dann tut das einerseits ganz gut. Da weiß man den Sport zu schätzen und da weiß man, wie wichtig die Formel 1 für einen ist. Ich spüre das ganz besonders, denn ich bin ein leidenschaftlicher Rennfahrer und ich liebe Autos. Das ist mein Hobby. Alles was vier Räder hat, begeistert mich. Im Moment fehlt das Wichtigste in meinem Leben. Und ich spüre das jeden Tag. Aber ich bin keine Person, die aufgibt. Das motiviert mich eher, denn ich will wieder zurückkommen. Ich trainiere so viel ich kann und versuche mich 100 Prozent auf ein Comeback vorzubereiten, wenn eine Chance kommt.

Verspüren Sie auch ein Maß an Traurigkeit, die Sie in dieser Art noch nicht kannten?

Sutil: Traurigkeit und Emotionen im Allgemeinen helfen einem nicht wirklich weiter. Ich versuche das irgendwie auszuschalten. Das habe ich ganz gut gelernt. Aber ganz verbergen kann man es nicht. Natürlich ist man ein bisschen traurig, aber ich versuche einfach positiv zu bleiben. Ich bin immer ein Kämpfer gewesen und habe schon viele schwierige Zeiten durchgemacht. Deshalb werde ich diese Phase auch überstehen.

Wie bringen Sie sich außerdem in Kampfmodus für die Königsklasse? Müssen Sie gemeinsam mit Ihrem Manager Klinken putzen gehen?

Sutil: Ich arbeite mit meinen Manager sehr eng zusammen, wir haben eine sehr enge Beziehung. Für ihn ist es ebenfalls eine schwierige Zeit, denn er ist wie ich ein Racer. Wir möchten unbedingt in die Formel 1 zurück, denn ich denke, dass ich weiter konkurrenzfähig sein kann. An diesem Ziel arbeiten wir beide. Ich körperlich. Und er natürlich in allen anderen Bereichen - sei es Sponsoren zu finden, mit Teams in Kontakt zu treten oder immer wieder nachzuhören, ob es irgendwo eine Möglichkeit gibt. Jetzt müssen wir beide 100 Prozent geben.

Nick Heidfeld nutzte seine Schaffenspause als Pirelli- und Mercedes- Testfahrer. Welche realistischen Optionen haben Sie im Moment?

Sutil: Im Moment heißt es warten für mich. Die Zusammenarbeit mit Pirelli hat nicht geklappt, aber ich hatte auch nicht direkt nachgefragt. Von Pirelli kam aber auch nichts, denn die haben ihre Fahrer. Pirelli ist deshalb keine Option. Ansonsten weiß ich nicht wirklich, wo etwas frei ist. Auch Testfahrer-Jobs sind begrenzt. Und dass man im Moment fast nicht fährt, ist natürlich auch nicht unbedingt hilfreich.

Sie klingen erstaunlich gelassen. Immerhin wurden Sie in den letzten Wochen mit Ferrari in Verbindung gebracht.

Sutil: Das war natürlich schön zu hören, aber von mir kam diese Nachricht nicht. Alleine die Vorstellung ist natürlich toll, denn Ferrari ist mein Lieblingsteam. Direkt gibt es noch keinen Kontakt, aber ich denke, dass sie wissen, dass ich bereit stehe. Und wenn Ferrari mich braucht oder wenn sie mich wollen, dann werden sie mich anrufen.

Die Chancen stehen nicht schlecht. Immerhin kommt Felipe Massa nicht aus seinem Formtief.

Sutil: Ja er hat es nicht leicht in den letzten zwei Jahren. Aber wie gesagt, ich muss hoffen, dass andere nicht überzeugen und dass ein Cockpit frei wird. Das ist dann meine Chance. Aber ich hoffe jetzt nicht, dass alle schlecht fahren. Dass Fahrer ausgetauscht werden, ist Teil der Formel 1.

Haben Sie einen Plan B in der Schublade, wenn es mit einer Rückkehr nicht klappen sollte?

Sutil: Mein Plan ist es, dass ich dieses Jahr erst einmal abwarte, ob es eine Möglichkeit gibt. Wenn es bis Ende des Jahres - bis 2013 - keine Möglichkeit auftut, dann muss man sich natürlich ernsthafte Gedanken machen, wie es in der Zukunft weiter geht. Zwei Jahre ohne Rennen zu fahren, das ist für mich einfach nicht möglich.

In welche Richtung könnte es gehen?

Sutil: Ich möchte auf jeden Fall Rennen fahren, vielleicht auch in einer anderen Serie. Man muss sich halt umschauen, was möglich ist. Es gibt immer die Tourenwagen-Variante mit der DTM, aber auch Amerika mit der Indycar- und der Nascar-Serie. Da gibt es viele Sachen, aber damit habe ich mich noch nicht auseinander gesetzt. Für mich ist die Formel 1 im Kopf eingebrannt und da möchte ich zurück. Erst wenn es überhaupt nicht mehr geht, dann mache ich mir Gedanken über Plan B.

Was waren die Gründe, weshalb Ihr Vertrag bei Force India nicht verlängert wurde?

Sutil: Ich muss sagen, dass die Gründe 50:50 beim Team und bei mir zu finden sind. Ich weiß nicht was Force India geplant hatte, vielleicht wollten sie einfach mal einen neuen Fahrer. Aber ich war auch an einem Punkt, an dem ich gesagt habe nach fünf Jahren wird es Zeit für einen Wechsel. Eigentlich wollte ich bei dem Team nur zwei bis drei Jahre bleiben. Aber dadurch, dass die Performance gegen Ende immer besser wurde, hat es natürlich immer Spaß gemacht. Die fünf Jahre waren schön, aber ich habe gespürt, dass ich eine neue Herausforderung brauche. Es sah auch Anfang 2011 ganz gut aus und wir hatten mehrere Optionen und Verhandlungen, aber am Ende hat es leider nicht geklappt. Ich werde sicherlich immer ein gutes Verhältnis zu den Jungs bei Force India haben und wünsche dem Team Glück, aber jetzt kommt ein neuer Abschnitt in meinem Leben.

Nico Rosberg feierte beim vorletzten Rennen in Shanghai den ersten Sieg für Mercedes. Haben Sie ihm gleich gratuliert?

Sutil: Ich habe Norbert Haug und Nico Rosberg direkt nach dem Rennen gratuliert, denn ich habe mich sehr darüber gefreut. Mercedes GP ist ein Team, die haben es nach so einer langen Durststrecke einfach verdient. Besonders Nico Rosberg, der lange unglaublich konstant gefahren ist und nie wirklich belohnt wurde. Die Leute haben seine Performance eigentlich nie richtig anerkannt und jetzt hat er gezeigt, dass er ein Siegfahrer ist – wenn er im richtigen Auto sitzt.

Kann Michael Schumacher 2012 nachziehen?

Sutil: Er ist nah dran und ich denke schon, dass ein Mercedes-Doppelsieg nicht mehr undenkbar ist. Ich denke, dass die Silberpfeile in dieser Saison noch weitere Rennen haben, wo sie so stark sind. Und dann sollte auch eine gute Platzierung für Michael Schumacher drin sein. Mit ihm ist auf jeden Fall noch zu rechnen.

Wie bewerten Sie die Vorstellung Ihres Nachfolgers bei Force India - Nico Hülkenberg?

Sutil: Ich denke, dass Force India eine gute Fahrerpaarung hat. Nico Hülkenberg und Paul di Resta sind eng beieinander. Manchmal ist er vorne, manchmal der andere. Dort liegt ganz klar das Problem beim Auto. Das ist einfach nicht da, wo es gegenüber der Konkurrenz im letzten Jahr war. Aber fahrerisch sind sie gut aufgestellt. Ich freue mich für Force India, wenn es wieder nach vorne geht. Ich habe eine lange Verbindung mit dem Team und Force India eine Menge zu verdanken. Keine Frage. Und ich wünsche auch Nico Hülkenberg Glück, mit dem ich befreundet bin. Er ist ein netter Kerl, ebenso wie Paul di Resta.

Vielen Dank für das Gespräch.

TV-Tipp:

Verfolgen Sie 2012 alle Entscheidungen der Tourenwagen-Weltmeisterschaft bei Eurosport und Eurosport 2. Verpassen Sie kein Rennen, wenn Chevrolet, SEAT und BMW um den Sieg kämpfen. Weiter geht’s ab 14. April in Marrakesch.

Eurosport

Kommentare 1 - 3 of 3

Kommentare sortieren: Aktualität | Meist bewertet
  1. Oder aber im Kopf eingerammt!?

    Von , am Fr 27.Apr. 17:28
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  2. ähhh hmmm dem Sutil ist wohl was anderes im Kopf­ gebrannt, aber vielleicht ist noch ein HRT vom Inder­ bald frei??

    Von Käsperlesepp, am Do 26.Apr. 15:12
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  3. Formel 1 im Kopf eingerannt

    Von , am Mi 25.Apr. 11:04
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