Bundesliga - Gladbach feurig nach Dantes Inferno

Fr 23.Mrz. 12:41:00 2012

Er war die tragische Figur der Pokalnacht: Dante, der Bald-Bayer. Doch lange trauerten die Gladbacher nach dem verpassten Finaleinzug nicht, im Gegenteil - die "Fohlen" sind heiß auf Rang zwei." Jetzt müssen wir noch mehr Gas geben um den Champions-League-Platz zu bekommen", forderte Dante.

2011 2012 DFB-Pokal Borussia M'gladbach Dante - 0

Von Petra Philippsen

Er war die tragische Figur, kein Zweifel. Dante, der Brasilianer, der den Namen des berühmten italienischen Philosophen Dante Alighieri trägt, und sich am Mittwochabend nach dem Pokalaus gegen Bayern München wie im ersten Teil von dessen wichtigstem Werk, der "Göttlichen Komödie", gefühlt haben dürfte: nämlich wie in der Hölle.

"Keine Zeit zum Weinen"

Dantes persönliches Inferno begann nach der Verlängerung, als es ganz egal wurde, dass er 120 Minuten lang der wohl beste Spieler auf dem Rasen gewesen war. Es ging nur noch Mann gegen Mann, und Dante musste treffen. Er tat es nicht. Sein Schuss vom Elfmeterpunkt segelte ein ganzes Stück über die Latte, Dante war entsetzt. Er wusste, es hatte den Finaltraum für seine Gladbacher zerstört. "Ich war so sicher, dass ich das Tor mache", sagte er später fast verzweifelt, "heute bin ich traurig. Aber im Fußball hat man keine Zeit zum Weinen."

Dass ihm vielleicht gar nicht zum Heulen zumute war, da inzwischen jeder davon ausgeht, dass Dante ab dem Sommer in München spielen wird, wäre zu weit gegriffen. Dante ist in Gladbach nach wie vor sehr beliebt, und er selbst versucht, mit der prekären Situation so professionell wie möglich umzugehen.

Am Mittwochabend gelang ihm das nicht, aber das ist schon ganz anderen passiert. Lothar Matthäus zum Beispiel, der auf ähnlich tragische Weise im Pokalfinale 1984 für Mönchengladbach beim Elfmeter-Krimi gegen seinen künftigen Klub FC Bayern den Ball verschoss.

Gladbach heiß auf Champions League

"Ich hätte Dante nicht schießen lassen", sagte daher Bayern-Präsident Uli Hoeneß, "das war nicht sehr klug. Er stand wegen der Diskussionen um seinen Wechsel zu uns unter sehr großem Druck." Offiziell wollten die Münchner noch nichts bestätigen, aber Hoeneß bemühte sich nach dem Einzug ins Pokalfinale sehr, den Eindruck zu vermitteln, dass es bereits so sei. Bei den "Fohlen" hat der Ausverkauf längst begonnen, und umso schwerer traf das verpasste Endspiel die Gladbacher wohl. Es wäre ein krönender Abschluss für eine herausragende Saison gewesen, bevor im Sommer wieder ein Neuanfang bevorsteht.

Er war die tragische Figur der Pokalnacht, aber schon kurz nach dem Aus blies Dante zu Angriff: Die Doch es dauerte am Mittwochabend nicht lange, da blitzte in den traurigen Gladbacher Gesichtern schon wieder der Kampfgeist auf. Allen voran Dante: "Jetzt müssen wir noch mehr Gas geben um den Champions-League-Platz zu bekommen." Einen Titel werden die "Fohlen" in dieser Saison wohl nicht mehr gewinnen, doch Platz zwei wollen sie attackieren. Die Bayern liegen nur drei Punkte vor ihnen, sicher kein unrealistisches Ziel also, und der Auftritt im Pokal sollte die Gladbacher bestärken. Sie spielten ebenbürtig und mehr noch, sie stellten mit Mario Gomez und Franck Ribéry die Symbolfiguren des Münchner Aufschwungs kalt. Wie der U21-Nationalspieler Tony Jantschke den französischen Dribbelkünstler unaufgeregt und überlegt ausschaltete, sollte den Gladbachern für den Endspurt Mut machen.

Hoffenheim als dankbarer Gegner

"Wir haben gleich das nächste Spiel, und das ist auch gut so", sagte Kapitän Filip Daems, "jetzt müssen wir uns voll auf die Liga konzentrieren. Hier können wir noch etwas Schönes erreichen." Ein Sieg gegen die TSG Hoffenheim am Samstag (15:30 Uhr im Liveticker bei eurosport.yahoo.de) wäre ein erster großer Schritt dorthin, auch um die nur einen Punkt entfernten Schalker weiter zu distanzieren. Zuhause sind die Gladbacher weiterhin eine Macht, neben Hannover sind sie als einziges Team in dieser Saison vor heimischer Kulisse noch ungeschlagen. Nimmt man die letzte Spielzeit hinzu, sind es sogar 16 Heimspiele in Folge ohne Niederlage. Mehr hat niemand zu bieten.

Dass die Hoffenheimer zudem nur eines der letzten zehn Bundesligaspiele gewinnen konnten und seit acht Partien nicht mehr zu null spielten, stimmt die Gladbacher zusätzlich optimistisch. "Wir müssen das Spiel schnell verdauen und nach vorne schauen", erklärte Trainer Lucien Favre, "wir haben eine gute Leistung gezeigt, aber der Kopf muss frei sein, um wieder Gas in der Meisterschaft geben zu können."

Dass es vielleicht interne Misstöne geben könnte, darüber macht sich Favre keine Sorgen. Denn die Gladbacher brauchen Dante. "Die Mannschaft steht hinter mir. Alle haben mich getröstet", sagte Dante. Und es sollte ihm Trost genug sein, dass die "Göttliche Komödie" ja im Paradies endet.

VIDEO - Balakov will Kaiserslautern retten

Kaiserslautern news

TV-Tipp:

Die schönsten Tore, die heißesten Duelle sowie Einschätzungen von Trainern und Spielern. Eurosport berichtet immer montags ab 17:30 Uhr in EUROGOALS über die aktuellsten Entwicklungen im Europapokal und den europäischen Top-Ligen.

Eurosport

Kein Yahoo!-Nutzer? Kostenlos .