DFB Pokal - Klopp vor ewigem Fünften gewarnt

Di 20.Mrz. 18:25:00 2012

Nur einen Sieg ist die SpVgg Greuther Fürth von der Qualifikation für das internationale Geschäft entfernt. Das Jahr 2012 könnte das erfolgreichste in der jüngeren Vereinsgeschichte werden. Und dennoch läuft das "Kleeblatt" Gefahr, einen Ruf zu verlieren.

klopp dortmund pokal 2012 - 0

Von Fabian Kunze

Es ist ein bisschen Understatement und ein schöner Schuss Koketterie. Da, wo der Mannschaftsbus von Greuther Fürth auftaucht, darf gelächelt werden - über das, was die Franken auf den beiden hintersten Seitenscheiben durch die Fußball-Nation fahren. Mit dem frechen Slogan "Die unAUFSTEIGBAR Tour 2011-2012 - wegen des großen Erfolges verlängert" startete Greuther Fürth in die laufende Saison.

Es ist ein Ruf, den sich die Fürther mit Schweiß und vielen Tränen erarbeitet haben. Seit dem Zweitliga-Aufstieg im Jahr 1997 schrammte die Spielvereinigung acht Mal knapp an der Beförderung ins Fußball-Oberhaus vorbei. Dabei lässt der Ertrag bei den relativ überschaubaren Mitteln der Franken ohnehin aufhorchen. In der Bilanz kann der Klub einen Gewinn verzeichnen, in der Liga hält man konstant mit der Spitze mit, auch wenn die besten Spieler regelmäßig nicht gehalten werden können. Sieben Mal reichte es für das "Kleeblatt" dennoch zum fünften Rang - nie aber zum großen Wurf.

"Dieses Attribut der Unaufsteigbaren haftet uns natürlich an. Ich sehe das Ganze allerdings etwas differenzierter", sagte Trainer Mike Büskens schon zur Winterpause bei "fussball.de". "Klar, der Verein ist in den letzten 15 Jahren acht Mal knapp am Aufstieg gescheitert. Mit mir allerdings erst ein Mal", erklärte der Coach, der den Klub in der letzten Spielzeit auf Rang vier führte und bis zum letzten Spieltag den Relegationsplatz im Visier hatte. "Deswegen ziehe ich mir diesen Schuh nicht an."

Der Außenseiter fordert den Meister: Greuther Fürth gegen Borussia Dortmund. Die beiden Teams trennt nur noch ein Spiel vom Pokalfinale. - 2

In der laufenden Saison nun setzt das Team alles daran, das selbst geschaffene Image des sympathischen Underdogs endgültig abzuschütteln. Acht Spieltage vor dem Saisonende grüßt das "Kleeblatt" von der Tabellenspitze, hat sechs Punkte Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz. "Wir sind auf einem guten Weg. Warum sollten wir es nicht schaffen?", fragt Stürmer Olivier Occean im "kicker"-Interview. Der zweitbeste Sturm, die beste Abwehr und die meisten Siege - es gibt wirklich nicht viel Greifbares, das gegen das Ende der schwarzen Serie in Franken spricht.

Mehr noch: Dem deutschen Meister von 1914, 1926 und 1929 fehlt nur ein Sieg, dann könnte aus den "Unaufsteigbaren" ein Europapokal-Teilnehmer werden. Leicht wird die Aufgabe allerdings nicht, denn auf dem Weg ins Finale des DFB-Pokals muss dazu (20:30 Uhr im Liveticker bei eurosport.yahoo.de) Meister Borussia Dortmund aus dem Weg geräumt werden.

"Ich werde beim Stand von 0:0 in der 79. Minute eingewechselt und in der 89. Minute haue ich einen rein. Wir gewinnen 1:0 und sind im Finale in Berlin!", sieht der derzeit angeschlagene Gerald Asamoah das Szenario schon bildlich vor sich. "Es war immer geil, gegen Lüdenscheid zu spielen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal die Chance dazu bekomme", so der Ex-Schalker, der das Wort "Dortmund" bewusst meidet und dann noch anfügt: "Ich habe eine gute Bilanz gegen Lüdenscheid."

Verantwortliche treten auf Euphoriebremse

Da sowohl dem FC Bayern als auch Borussia Mönchengladbach als möglichen Endspielgegnern ein Platz in der Champions League oder zumindest der Qualifikation kaum mehr zu nehmen scheint, würden die Fürther durch einen Sieg über Dortmund ins internationale Geschäft einziehen - unabhängig vom Ausgang des Finales in Berlin.

Doch das ist Zukunftsmusik. Vor übertriebener Euphorie warnt Präsident Helmut Hack, der den Verein im "tz"-Gespräch an einer Stelle sieht, "wo man besonders wachsam sein muss. Wir haben viel erreicht, keine Frage, aber entscheidend ist, was wir nach dem 34. Spieltag geschafft haben. Das zählt."

Auch Büskens ist vor der Partie vorsichtig. "Dortmund ist das Maß der Dinge im deutschen Fußball", sagt der Fürther Trainer. "Dort kostet ein Spieler mehr als unsere ganze Mannschaft." Wie Asamoah stand auch Büskens lange auf Schalke unter Vertrag und hat daher von Natur aus ein besonderes Verhältnis zu Partien gegen Schwarz-Gelb. "Sollten uns die Dortmunder etwas anbieten, werden wir zur Stelle sein", verspricht der gebürtige Düsseldorfer einen Tag vor dem Spiel an seinem 44. Geburtstag.

Gute Erinnerungen an den BVB

Gute Erinnerungen hat man an den BVB in Fürth durchaus. Vor fast 22 Jahren, im Sommer 1990, warf der damalige Landesligist als erster Viertliga-Klub einen Verein aus der Bundesliga aus dem DFB-Pokal.

Damals, beim 3:1 in der sengenden August-Sonne, sahen nur 4.000 Fans die Sensation der Fürther gegen das Team um Thomas Helmer, Michael Rummenigge und Frank Mill. Für die Neuauflage wird eigens eine Zusatztribüne errichtet, um die Kapazität am Ronhof zu erhöhen. Die ersten Schritte für eine neue Arena nach englischem Vorbild und für 20.000 Zuschauer sind gemacht - anvisierte Eröffnung 2014 oder 2015. Das sei wichtig, unterstreicht der Präsident, "um auch in der Zukunft eine echte Entwicklungschance zu haben".

Die Mannschaft könnte der Entwicklung im Umfeld jedoch mit einem Aufstieg vorgreifen. "Die SpVgg Greuther Fürth in der Ersten Liga, das wäre von der Leistung her so hoch zu bewerten, als wenn der FC Bayern jedes Jahr das Halbfinale der Champions League erreichen würde", vergleicht Hack seine Fürther mit dem übermächtig erscheinenden Rivalen aus der Landeshauptstadt. "Und wer glaubt, dass wir bei einem Aufstieg Fallobst in der Bundesliga wären, der wird sich vielleicht wundern."

Die Idee für einen neuen Slogan auf dem Bus läge dann auf der Hand. Man bräuchte schließlich nur das "AUF" durch ein "AB" zu ersetzen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Fürth: Grün - Nehrig, Kleine, Mavraj, Schmidtgal - Fürstner, Prib - Klaus, Sararer - Occean, Nöthe

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - S. Bender, Kehl - Blaszczykowski, Kagawa, Großkreutz - Lewandowski

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