UEFA Champions League - Der Chef schmollt, Schelte von Neuer

Mi 18.Apr. 17:35:00 2012

Unglaublich, aber wahr: Der FC Bayern schlägt Real Madrid - und der Leader ist gereizt. Bastian Schweinsteiger schiebt nach seiner Auswechslung als einziger Münchner Frust. Keeper Manuel Neuer verurteilt ihn ungewohnt scharf. Trainer Jupp Heynckes spricht ein Machtwort.

schweinsteiger bayern munich 2012 - 0

Von Daniel Rathjen (twitter: @DanielRathjen)

Es war die 61. Minute im Halbfinal-Hinspiel gegen Real Madrid, als der vierte Offizielle die elektronische Tafel in den Münchner Abendhimmel stemmte.

Die 31 in rot sowie die 25 in grün blinkten auf. Und Thomas Müller wartete darauf, eingewechselt zu werden, doch Bastian Schweinsteiger kam einfach nicht. Sein Blick senkte sich nach unten, der Leader des FC Bayern drehte sich in die entgegengesetzte Richtung, als könne er so der Auswechslung entkommen.

Erst als die elektronische Tafel erneut in hochgehoben wurde und ein Teamkollege Schweinsteiger einen Hinweis gab, begab er sich zur Außenlinie. Schon zu diesem Zeitpunkt war zu sehen, dass ihm das überhaupt nicht schmeckte. Gerne hätte der 27-Jährige seinen Patzer vor dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Mesut Özil noch wettgemacht.

Zuvor hatte Schweinsteiger, nach langer Verletzungspause sichtbar noch nicht wieder voll auf der Höhe (Eurosport-Note 4,0), entscheidend im Zweikampf gepatzt. "Beim 1:1 haben wir nicht gut ausgesehen", kritisierte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, Torwart Manuel Neuer betrieb sogar ungewohnt heftige Kollegenschelte: "Wir haben eigenen Eckball! Aus so einer Situation darf man kein Gegentor bekommen!", schimpfte er.

"Hab' dich doch nicht so…"

Immerhin war Schweinsteiger so schlau und verwehrte Trainer Jupp Heynckes den Handschlag nicht, wohlwissend, dass dem Vorfall sonst noch mehr Aufmerksamkeit zuteil geworden wäre.

Nach dem Schlusspfiff standen sich Heynckes und der Mittelfeldspieler erneut gegenüber. Der Coach klatschte seine Spieler und seinen Trainerstab ab, aber Schweinsteiger blickte weiterhin finster drein. Fernsehkameras fingen ein, wie Heynckes ihm offenbar so etwas wie "Hab' dich nicht so, wir haben das Spiel schließlich noch gewonnen..." zuraunte.

Als erster verschwand Schweinsteiger dann aus der Arena - ohne ein Wort zu den Journalisten. Dieses Erscheinungsbild trübte den ansonsten positiven Gesamteindruck des FC Bayern, der mit dem 2:1-Erfolg nun alle Chancen auf den Einzug ins Finale am 19. Mai in der heimischen Arena hat.

"Ich bin der Trainer und ich entscheide, wann ich Spieler ein- und auswechsele. Bastian war lange verletzt und muss langsam aufgebaut werden. Da kann noch nicht alles perfekt klappen", analysierte Heynckes im TV-Interview.

Droht Schweinsteiger möglicherweise noch ein Nachspiel?

Wohl kaum, denn Heynckes nahm seinen Vize-Kapitän auch sofort wieder in Schutz: Zwar habe Schweinsteiger beim 1:1 "unglücklich agiert", insgesamt sei er aber zufrieden gewesen mit ihm.

Und dennoch: Schweinsteiger wird sich in Madrid steigern müssen. Schmollen ist dort nicht mehr angesagt.

Der FC Bayern schlägt Real Madrid - und der Leader ist gereizt. Bastian Schweinsteiger schiebt nach seiner Auswechslung als Einziger Frust. - 2

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