UEFA Champions League - Bayern: Auf halbem Weg "Dahoam"

Mi 18.Apr. 08:11:00 2012

Auf dem Weg zum Champions-League-Finale im eigenen Stadion hat der FC Bayern München gegen Real Madrid schon mal die halbe Miete überwiesen und den Nimbus der heimischen Unbesiegbarkeit gewahrt: Im neunten Heimspiel gab's den achten Sieg gegen die "Königlichen". Ein 2:1, das Erinnerungen weckt.

FOOTBALL Bayern Gomez 2012 - 0

Aus der Allianz-Arena berichtet Michael Wollny

Müde Beine, frisch geduscht in den dunklen Trainingsanzug gepackt. Darüber aufrechter Oberkörper, gerades Kreuz mit breiter Brust. Und im obersten Stockwerk grinsende Gesichter unter frisch frisierten Haaren.

So traten die Münchner Protagonisten rund eine halbe Stunde nach dem Sieg gegen Real Madrid in den Pressebereich der Allianz-Arena - jene Spielstätte, in der die Bayern am 19. Mai in einem finalen Heimspiel um Europas Krone des Vereinsfußballs kämpfen wollen.

In diesem entspannten Gemütszustand hatte man die Spieler an gleicher Stelle letztmals vor exakt zehn Tagen gesehen, ebenfalls nach einem hart erkämpften 2:1. Doch damals hieß der Gegner Augsburg. Und vier Tage später verloren die Münchner in Dortmund ihr Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Die relative Gelassenheit, mit der man auf der Isar die meisterlichen Felle davonschwimmen sah, war äußerst auffällig, aber wenig überraschend.

Hoeneß flippt aus, die Hütte hebt ab

Schließlich ist in dieser Saison der nationale Titel dem europäischen Endspiel im Eigenheim untergeordnet, dem "Finale Dahoam". Und deshalb ließ man zuletzt auch Mainz Mainz sein, weil Madrid real wurde. Die volle Konzentration auf diese enorme Herausforderung hat sich ausgezahlt. "Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft", erklärte Bayerns Überflieger David Alaba und lag mit dieser selbstbewussten Einschätzung nicht falsch.

Zwar hatte Real schon nach sieben Minuten eine Top-Chance durch Karim Benzema, doch der erneut starke Manuel Neuer hatte wenig Lust auf frühen Rückstand. Und als zehn Minuten später Franck Ribéry die umstrittene Führung für die Bayern erzielte, bekam Uli Hoeneß auf der Tribüne einen kalorienvernichtenden Freudenanfall und die Luftkissen-Arena schien sich mit ihrem Präsidenten sowie 65.999 weiteren Insassen beinahe vom Fundament zu lösen. Eine Explosion der Erleichterung: es kann klappen!

Auf dem Weg zum Finale im eigenen Stadion hat der FC Bayern München gegen Real Madrid schon mal die halbe Miete überwiesen. - 2 Allerdings machten die Bayern durch eine Fehlerkette von Strafraum zu Strafraum den Gästen in der 53. Minute ein Geschenk, das man sich unbedingt sparen wollte. "Dass man die nicht ganz in Schach halten kann, das hat man da gesehen", meinte Thomas Müller beinahe entschuldigend, dass gegen die spanische Tormaschine das schier Unvermeidbare durch Mesut Özil tatsächlich eingetreten war.

Bayern: Vorteil im Doppelpack

Ein 1:1 hätte die Bayern für das Rückspiel im Estadio Santiago Bernabéu mächtig unter Druck gesetzt (am Mittwoch ab 20:45 Uhr im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de). Speziell der bärenstarke Ribéry wollte diesen Umstand ändern und rieb sich in nimmermüden Attacken über den linken Flug auf. Doch es war einmal mehr Mario Gomez, der in letzter Minute das Ventil öffnete und die Arena ein zweites Mal in ihren Grundfesten erschütterte. Die Bayern haben trotz des Gegentores nun einen psychologischen Vorteil im Doppelpack.

Während man in München die Meisterschaft abgehakt hat und Kräfte sparen kann, muss Real schon am Samstag im "Clásico" in Camp Nou seine Titelambitionen verteidigen (ab 20:00 Uhr im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de). Dabei liegt Madrids letzter Auswärtssieg in Barcelona über vier Jahre zurück.

Die Bayern werden sich hingegen ebenfalls zurückerinnern. Als man das letzte Mal im Halbfinale der Champions League auf die "Königlichen" traf, hatte man das Heimspiel ebenfalls mit 2:1 gewonnen. In Madrid hielt man beim 1:0 sogar den Laden dicht. Das war 2001, Bayern wurde Champions-League-Sieger. Ein Traum, der sich wiederholt?

Gute Karten fürs Finale

"Ich träume davon, ins Finale zu kommen", meinte Matchwinner Mario Gomez. "Und dafür haben wir jetzt sehr gute Karten." Mesut Özil sieht das natürlich anders. Die sehr guten Karten habe Real. Man werde das Ergebnis im Bernabéu wieder geradebiegen und ins Finale einziehen: "Wir sehen uns in München wieder."

Die Bayern dürften seine Aussage registriert haben. Und vielleicht werden sie schon nächste Woche einen Umschlag nach Madrid schicken: "Zwei sehr gute Karten. Für Mesut mit Begleitung."

Auf dem Weg zum Finale im eigenen Stadion hat der FC Bayern München gegen Real Madrid schon mal die halbe Miete überwiesen. - 3

Eurosport

Kein Yahoo!-Nutzer? Kostenlos .