Bundesliga - Rehhagel: "Bin bei Hertha das Gesetz"

Sa 18.Feb. 23:14:00 2012

Nun regiert "König Otto" in Berlin. "Ab Montag bin ich bei Hertha das Gesetz und alle hören auf mein Kommando", kündigte Otto Rehhagel in einem Interview der "Bild am Sonntag" und auf bild.de an. Der "demokratische Diktator" will auch bei dem angeschlagenen Hauptstadtklub seinen Ruf pflegen.

Rehhagel E-Jugend Fortuna Bredeney - 0

"Ich habe immer das letzte Wort, bin ab jetzt Tag und Nacht für Hertha da – und zwar immer pünktlich. Ich bin ein Vorreiter und erwarte Ordnung und Disziplin", sagte Trainer-Rückkehrer Rehhagel vor dem Antritt seiner Rettungsmission.

Unmittelbar vor Beginn des 1000. Bundesliga-Spiels der Hertha (0:1 gegen Borussia Dortmund) hatte Manager Michael Preetz am Samstag die Rehhagels Bundesliga-Comeback nach über einem Jahrzehnt Abstinenz bestätigt. Der Coach selbst verriet, dass Preetz ihn am Donnerstagvormittag angerufen habe, am Freitag habe er zugesagt. Unterschrieben ist der Vertrag für die Hilfsaktion bis zum Saisonende zwar noch nicht, "aber bei mir genügt ein Handschlag – ein Mann, ein Wort!"

Bundesliga-Comeback nach mehr als elf Jahren

Beim Auswärtsspiel gegen den FC Augsburg in der kommenden Woche wird Rehhagel sein Comeback auf der Bundesliga-Trainerbank geben, nachdem er am 1. Oktober 2000 beim 1. FC Kaiserslautern nach einer sportlichen Talfahrt den Hut genommen hatte. Unterstützt wird Rehhagel in Berlin von René Tretschok und Ante Covic, die für ein Spiel das Interimsgespann gebildet hatten. "Otto Rehhagel ist eine Ikone, wir freuen uns auf ihn. Wir brauchen hier jemanden, der die Ruhe und die Erfahrung hat", sagte Tretschok dem Sender Liga total.

Es sei "eine Riesenehre und große Verantwortung für uns, mit Otto Rehhagel zusammen zu arbeiten"», meinte der etatmäßige U19-Coach der Hertha, der das Amt als Chef auf der Bank nach dem Rauswurf von Michael Skibbe übernommen hatte. Der ehemalige DFB-Coach hatte zuvor alle fünf Spiele verloren - darunter auch im Pokal.

Hertha-Spieler der ersten Bundesliga-Mannschaft

Nun soll es der Altmeister richten. Ausgerechnet Rehhagel. Der gebürtige Essener gehörte 1963 zur Hertha-Mannschaft beim ersten Bundesliga-Spiel der Berliner - 49 Jahre später soll er der Retter sein. "Ich weiß alles von damals, habe ein Gedächtnis wie ein Elefant. Jetzt bin ich zurück. Hertha muss einfach in der Bundesliga bleiben", betonte Rehhagel.

Die Frage ist nur wie? Rehhagel gibt sich weiter unantastbar, Rehhagel referiert. Und Rehhagel schreckt auch vor traditioneller Taktik nicht zurück. Beim EM-Triumph 2004 mit den personell sicherlich nicht top-besetzten Griechen ließ er seine Hellenen mit einer für viele Experten antiquierten Ausrichtung und einem Libero antreten. Aber: Der Erfolg gab Rehhagel recht.

Und auch die Kollegen freuen sich schon. "Grandios", fand es Markus Babbel, dass Rehhagel zur Hertha zurückehrt. Der aktuelle Hoffenheim-Coach hatte die Berliner bis Dezember trainiert, ehe er nach peinlichen Querelen und gegenseitigen Lügenvorwürfen gehen musste. "Ich freue mich darauf, ihn bald wieder zu sehen", meinte Babbel bereits am Freitag beim TV-Sender Sky - er spielt mit Hoffenheim am letzten Spieltag gegen Hertha.

"Freut mich wahnsinnig für ihn"

"Bei Otto überrascht mich gar nichts. Es freut mich wahnsinnig für ihn", sagte Willi Lemke, einst langjähriger Wegbegleiter Rehhagels bei Werder Bremen, der "Welt am Sonntag".

Die Liste von Rehhagels Meriten ist lang. Dreimal wurde Rehhagel als Trainer deutscher Meister. Mit dem 1. FC Kaiserslautern gelang ihm dabei sogar Historisches: Er stieg erst mit den Pfälzern auf und schnappte sich dann den Titel. Mit seinem langjährigen Arbeitgeber Werder Bremen gewann Rehhagel zudem den Europapokal der Pokalsieger. Drei DFB-Pokalsiege kann er ebenfalls verbuchen.

Bei der Hertha geht es indes ums Überleben. "Noch ist das Hertha-Schiff nicht untergegangen, es hat aber ein großes Leck", sagte Rehhagel. Ein erneuter Abstieg wäre verheerend. Für den Verein und vor allem auch für Manager Preetz. Der ehemalige Profi und aktuelle Geschäftsführer Sport steht nach den schwungvollen Trainerrochaden in der Hauptstadt schwer in der Kritik. Doch auch er dürfte im Hofstaat von "König Otto" etwas durchatmen können. Denn der hat jetzt ja das Sagen.

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Jens Marx / dpa

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