Paris - Nizza - Martin jubelt über Gesamtsieg

So 13.Mrz. 15:29:00 2011

Souverän hat Tony Martin die 69. Auflage von Paris-Nizza gewonnen und den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert. Auf der verregneten Schlussetappe über fünf Bergwertungen verteidigte er sein Gelbes Trikot gegen die Konkurrenz. Den Tagessieg in Nizza holte sich der Franzose Thomas Voeckler.

- 0

Er setzte sich am letzten Anstieg erfolgreich aus einer Spitzengruppe ab, die das Rennen bestimmt hatte, und hängte seinen letzten Begleiter auf der Abfahrt in den Zielort ab. Für den französischen Meister vom Team Europcar war es der zweite Tagessieg auf den acht Etappen des Rennens.

Attacken auf das "maillot jaune" blieben hingegen im Dauerregen aus, der Vorstoß von Samuel Sanchez (Euskaltel) brachte den Spanier im Gesamtklassement nur um eine Position auf Rang fünf noch vorne.

Pech hatte auf der 8. Etappe Linus Gerdemann (Leopard): der Münsteraner fuhr mit Voeckler in der Ausreißergruppe, bis ihn ein Reifenschaden alle Chancen kostete. Die Punktewertung gewann Heinrich Hausler (Garmin) vor Klöden, bester Kletterer wurde der Franzose Rémi Pauriol (FDJ).

Wachablösung durch Martin?

Der überlegene Sieg des 25-jährigen Martin mit 36 Sekunden Vorsprung vor seinem zehn Jahre älteren Landsmann Andreas Klöden, der die Fahrt im Jahr 2000 gewonnen hatte, signalisierte auch den vollzogenen Generationswechsel im deutschen Radsport.

Martin trat die Nachfolge des geständigen Dopingsünders Jörg Jaksche an, der als letzter deutscher Radprofi Paris-Nizza 2004 gewonnen hatte. Zudem gab es noch eine Premiere: Noch nie standen zwei deutsche Radprofis auf Rang eins und zwei. Der erste deutsche Sieger von Paris-Nizza war 1968 Rolf Wolfshohl.

Im US-Team des Wahlschweizers aus Eschborn herrschte auf der verregneten Proménade des Anglais in Nizza nach dem Coup eitel Sonnenschein. "Das war ein sehr wichtiger Schritt in Richtung Tour. Jetzt wissen die Kollegen im Team, da ist nicht nur einer mit Talent, sondern einer, der auch gewinnen kann", lobte Martins Teamchef Rolf Aldag.

Jetzt Tour im Visier

Die Erfolgsleiter für den früheren Polizeibeamten Martin führt steil nach oben. Mit seiner Galavorstellung hat sich der gebürtige Thüringer mit Wohnsitz in der Schweiz in den Kreis der Mitanwärter auf das Podium der kommenden Tour de France gefahren.

Bei Paris-Nizza, vom Profil her eine "kleine Tour de France", ließ Martin seine Klasse aufblitzen und bewies nach seinen Rundfahrtsiegen bei der Eneco-Tour im August 2010 und bei der Algarve-Tour (vor Alberto Contador) im Februar vor allem Kontinuität. Auf der "Königsetappe" fuhr er klug mit, überließ zwar "Altmeister" Klöden den Tagessieg, verlor aber bei der Bergtour über sieben Gipfel nicht eine wertvolle Sekunde.

Im Zeitfahren machte der WM-Dritte im Kampf gegen die Uhr dann alles klar und fuhr die Konkurrenz in Grund und Boden.

Mit der erfolgreichen Taktik der ersten großen Saisonfahrt - am Berg mitfahren, im Zeitfahren zuschlagen - soll Martin die Tour im Juli in Angriff nehmen. "Er ist ganz sicher nicht der Tour-Favorit, aber von Platz eins bis zehn ist fast alles drin", sagte Aldag, der die bisherigen Stationen der Achterbahn-Erfahrungen Martins bei der Frankreich-Rundfahrt benannte: "Euphorie im ersten Jahr 2009 mit dem Weißen Trikot, eine sehr durchwachsene Tour 2010 und jetzt die Stärkung".

Martin gewinnt Paris-Nizza

TV-Tipp:

Mit Mailand – San Remo steht der erste große Klassiker der Saison 2011 an: Das Rennen können Sie natürlich bei uns LIVE verfolgen, am Samstag, 19. März bei Eurosport2 – und selbstverständlich auch im Eurosport Player.

Andreas Zellmer / dpa

Kein Yahoo!-Nutzer? Kostenlos .