Bundesliga - Borussia Dortmund fast schon meisterlich

Do 12.Apr. 16:18:00 2012

Es war zwar kein Spiel der Superlative, aber spannend wurde es am Ende zwischen Dortmund und München doch noch. Das gilt nach dem Sieg des BVB jedoch nicht mehr für das Titelrennen. Mit sechs Punkten Vorsprung scheint Dortmund uneinholbar, doch Trainer Jürgen Klopp warnt vor verfrühter Euphorie.

Dortmund's Robert Lewandowski of Poland, center, celebrates his side's opening goal during the German first division Bundesliga soccer match between Borussia Dortmund and FC Bayern Munich in Dortmund, Germany, Wednesday, April 11, 2012. - 0

Von Petra Philippsen

Die Münchner Spieler saßen längst im Mannschaftsbus. Bastian Schweinsteiger hatte nicht einmal geduscht und sich sofort in eine der hinteren Sitzreihen verzogen, der Frust konnte nicht tiefer schmerzen. Doch auch die dicken Kopfhörer dürften nichts genützt haben, denn das ohrenbetäubende Jubelgeschrei der 80.000 Fans im Inneren des Stadions drang trotzdem wie ein Vorschlaghammer in sein Bewusstsein. Es war unerträglich.

"Es kann eine ganze Menge passieren"

Die komplette Dortmunder Mannschaft hatte nach dem Abpfiff den Rasen erstürmt, alle Schwarz-Gelben lagen sich im seligen Euphorierausch in den Armen, auf den Rängen explodierte die Freude förmlich. Mit dem 1:0 hatte sich der BVB gegen die Bayern einen Sechs-Punkte-Vorsprung erspielt und niemand in diesem Stadion war noch gewillt, an die minimale Möglichkeit zu glauben, dass das nicht zur Titelverteidigung reichen würde. Nicht einmal die Münchner Fans.

Und so blieb es dann auch nicht mehr als reines Understatement, als Dortmunds Trainer Jürgen Klopp später sagte: "Es kann leider eine ganze Menge passieren. Das interessiert mich aber nicht wirklich. Wir bleiben schön in der Spur. Wenn eine Entscheidung gefallen ist, wird man uns feiern sehen." Doch sie feierten bereits am Mittwochabend, als würde es kein Morgen für sie mehr geben und das lag vor allem daran, dass der Sieg gegen die Bayern ein verdienter gewesen war.

450.000 wollten Tickets kaufen

Als Spiel der Spiele war es seit Wochen in aller Munde gewesen, für die 20.000 Tickets aus dem freien Verkauf hatte es 450.000 Anfragen beim BVB gegeben. In 200 Länder wurde die Partie übertragen, etwa 500 Journalisten hatten vor Ort berichtet. Keine Superlative, die nicht ausgereizt wurden, eine deutsche Adaption des spanischen "Clasico" sollte es werden - doch das Spiel hielt lange nicht, was man sich versprochen hatte. Nach einem furiosen Auftakt, bei dem die Dortmunder längst hätten führen müssen, ebbte die Partie zusehends ab. Das lag vor allem an den seltsam lethargischen Münchner, die überhaupt nicht ins Spiel fanden. Erst nach einer halben Stunde gelang ihnen durch Toni Kroos einer erster Torschuss, der aus der Distanz jedoch sein Ziel verfehlte.

"Wir hatten seit Monaten die Belastung aus drei Wettbewerben", suchte Keeper Manuel Neuer später Gründe für den lange Zeit schlappen Auftritt der Bayern. Seit neun Spielen waren sie ungeschlagen, doch gegen selbstbewusste, lauf- und zweikampfstarke Dortmunder hatten sie erst nach einer Stunde etwas entgegen zu setzen. Da wurde Schweinsteiger eingewechselt, der sofort Schwung und Kreativität ins Münchner Spiel brachte. Weder Lahm noch Müller noch Ribéry oder Robben hatten das zuvor geschafft, ideen- und kraftlos wirkte der Auftritt des Rekordmeisters, der ein Wörtchen im Titelrennen mitsprechen wollte.

"Es geht nicht um Schuldzuweisung"

Doch dafür kam die Elf von Jupp Heynckes viel zu spät in Fahrt. Und wäre die Dortmunder Chancenverwertung nicht so kläglich gewesen, wäre die Partie bereits in der ersten Halbzeit entschieden gewesen. So aber wurde es in der letzten halben Stunde zumindest ein packender Schlagabtausch, der erst mit dem Abpfiff die Erlösung für den BVB brachte. Robert Lewandowskis Hackenabpraller hatte die Hausherren in Führung gebracht, als Arjen Robben Minuten später einen Strafstoß herausholte. Dass er diesen vergab, wie auch kurz darauf eine hundertprozentige Torchance aus drei Metern Entfernung, machte den Niederländer zur tragischen Figur des Abends. "Es geht nicht um Schuldzuweisung", sagte Heynckes, "das kann eben passieren."

Trotzdem wollte der Bayern-Coach den Kampf um die Meisterschale noch nicht ganz aufgeben: "Die Chancen liegen bei Dortmund, das ist klar. Es ist sehr schade. Wir müssen aber alles versuchen, um noch ran zu kommen." Zumindest an diesem Abend wollte von den Münchner Spielern niemand mehr etwas davon wissen.

Die Dortmunder jubelten nach dem Sieg gegen den FCB bereits wie im Meisterrausch - doch Trainer Jürgen Klopp warnte vor verfrühter Feierei. - 2 Video - Weidenfeller: "Robben wollte den Elfer"

itw Roman Weidenfeller

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