Bundesliga - Augenthaler: Dann ist Dortmund Meister...

Mi 11.Apr. 16:38:00 2012

Klaus Augenthaler blickt im Exklusiv-Interview auf den Liga-Kracher zwischen Dortmund und Bayern. Der 54-Jährige erklärt, warum Bastian Schweinsteiger in der Startelf auflaufen muss, welche Abwehrreihe die bessere ist und verrät, warum Bayern-Trainer Jupp Heynckes noch lange nicht amtsmüde ist.

Klaus Augenthaler exklusiv 2012 - 0

Das Interview führte Thomas Janz

Fußball-Deutschland blickt mit Spannung auf das "Gigantentreffen", das entscheidende Spiel um die Meisterschaft zwischen Dortmund und dem FC Bayern. Was erwarten Sie von diesem absoluten Kracher?

Klaus Augenthaler: Das ist ein Spiel der außergewöhnlichen Art, auf das ich mich auch schon seit den letzten Siegen beider Mannschaften freue. Ich habe immer gesagt, wenn Bayern mit drei Punkten Rückstand nach Dortmund reist, ist die Meisterschaft noch offen. Während dem BVB ein Punkt genügt, um alle Chancen zu wahren, müssen die Bayern gewinnen. Dementsprechend werden die Münchner auch zu Werke gehen. Verlassen die Dortmunder den Platz als Sieger, sind sie Meister.

Der FC Bayern hat die letzten drei Duelle gegen Dortmund allesamt verloren. Wie beurteilen Sie die Chancen der Münchner im vierten Anlauf?

Augenthaler: Für den FC Bayern ist dieses Duell wie ein Rückspiel in der Champions League bei Arsenal oder Inter Mailand nach einem 1:1-Unentschieden im Hinspiel vor heimischem Publikum. Die Bayern wissen genau, dass sie gewinnen müssen. Darin liegt die Brisanz in diesem Spiel. In der Anfangsphase erwarte ich taktisches Geplänkel von beiden Trainern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jupp Heynckes seine Elf gleich von Beginn an auf Teufel komm raus stürmen lässt. Eines ist klar: Für die Zuschauer wird dieses Gipfeltreffen hochinteressant, weil es bestimmt nicht 0:0 ausgehen wird.

Kommt das Spitzenspiel zu früh für Bastian Schweinsteiger, der nach mehrwöchiger Verletzungspause nur ein Spiel über die volle Distanz in den Beinen hat?

Augenthaler: Das glaube ich nicht. Schweinsteiger ist ein Profi, der seit Jahren im Geschäft ist. Er hat zwar einerseits erst ein Spiel gemacht, andererseits aber genügend Trainingseinheiten absolviert. Bastian weiß noch mehr als alle anderen was es beim FC Bayern bedeutet, die Saison ohne Titel zu beenden. Er ist eminent wichtig für die Mannschaft, selbst wenn er nicht hundertprozentig fit ist, weil er seine Teamkollegen antreiben wird.

Welches Innenverteidiger-Duo ist Ihrer Meinung nach das stärkere, Hummels/Subotic oder Badstuber/Boateng?

Augenthaler: Das ist eine schwierige Frage und auch ein wenig ungerecht (lacht). Mats Hummels ist momentan der beste deutsche Abwehrspieler. Badstuber und Boateng sind beide noch sehr jung. Deshalb sehe ich im Abwehrbereich ein Plus für Dortmund.

David Alaba hat sich auf der linken Seite etabliert. Ist der Österreicher von dieser Position überhaupt noch wegzudenken?

Augenthaler: Ich hätte Alaba schon lange als linken Verteidiger aufgestellt und Philipp Lahm auf die rechte Seite beordert. Alaba verfügt über die nötige Schnelligkeit auf dieser Position und ist taktisch gut geschult. Er hat seine Chance genutzt. Wenn man nach dem Haar in der Suppe suchen würde, dann wäre das seine internationale Unerfahrenheit. Aber immerhin ist er ja bereits in jungen Jahren österreichischer Nationalspieler. 

Aufseiten der Münchner wird viel von der Tagesform von Arjen Robben und Franck Ribéry abhängen. Beide können ein Spiel jederzeit entscheiden, aber wehe, es läuft nicht…

Augenthaler: Zu meiner Zeit in Leverkusen hießen die sogenannten "Diven" nicht Robben und Ribéry, sondern Dimitar Berbatov und Franca. Keine Angst, weder Robben noch Ribéry wird sich in Spielen dieser Tragweite, die in der gesamten Republik beziehungsweise auf der ganzen Welt Aufsehen erregen, die Blöße geben. Im Umkehrschluss werden die Dortmunder gegen beide Schlüsselspieler eine Doppeldeckung stellen, auch wenn Jürgen Klopp mit Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer über hervorragende Außenverteidiger verfügt.

Klaus Augenthaler spricht im Interview der Woche über das Giganten-Duell zwischen Dortmund und Bayern, sowie die Zukunft von Jupp Heynckes. - 2 Im Gegensatz zu Dortmund befinden sich die Bayern seit Wochen im Rhythmus – sind  die englischen Wochen gewöhnt – ein kleiner Vorteil am Mittwochabend?

Augenthaler: Wenn sie topfit und gesund ins Spiel gehen können, wären theoretisch die Dortmunder im Vorteil, weil sie keine englischen Wochen spielen mussten. Das ist reine Spekulation. Während eines solch brisanten Duells blendet man etwaige Reisestrapazen oder schwere Spiele, die man in den Knochen hat, aus.  

Die Stärke des BVB liegt in der mannschaftlichen Geschlossenheit und im Einsatzwillen füreinander. Worin liegen die Schwächen des amtierenden deutschen Meisters?

Augenthaler: Dortmund spielt hervorragenden Fußball, sie doppeln und sie verschieben gut. Anstatt sich bei Ballverlust zurückzuziehen, gehen sie sofort wieder gegen den Ball. Was ich vermisse, sind Diagonalpässe des Gegners in den Rücken der Dortmunder Abwehrspieler. Andererseits wissen die Jungs um Hummels & Co. genau, dass diese Anspiele nur wenige auf dem Fuß haben. Ein exakter Diagonalpass über 50, 60 Meter und eine anschließende Eins-gegen-Eins-Situation über Robben oder Ribéry kann gefährlich werden.

Sie haben selbst viele Jahre unter Jupp Heynckes trainiert. Inwiefern hat er sich verändert?

Augenthaler: Als er 1987 nach München kam, war er, nennen wir es mal so: seiner Linie treu. Damals haben die Uhren beim FC Bayern vielleicht ein wenig anders getickt als in Gladbach. Aber durch seine Auslandsaufenthalte in Teneriffa, Madrid, Lissabon und Bilbao hat er dazugelernt. Heute kann ihm nach seinem Champions-League-Triumph mit Real Madrid keiner mehr etwas erzählen oder vormachen. Er strahlt nun diese gewisse Gelassenheit aus, welche die Jahre und die Erfahrung mit sich bringen. Er weiß genau: Ich muss Titel mit dem FC Bayern holen, sonst bin ich der Falsche.

Es macht den Anschein, als wären Heynckes der Trubel in München und die Strapazen rund um den FC Bayern ab und an zu viel. Welchen Eindruck haben Sie?

Augenthaler: Ich weiß, dass es ihm nicht zu viel ist. Ich weiß auch, dass manchmal unnötige Fragen stören. Fragen wie: "Ob man nicht besser konnte?", im Anschluss an das Heimspiel gegen Augsburg, das man "nur" 2:1 gewonnen hat. Ich weiß aber auch, dass er das eine oder andere Mal mit Grippe auf der Trainerbank gesessen ist.

Das heißt, Jupp Heynckes wird auch in der kommenden Saison der Trainer des FC Bayern sein?

Augenthaler: Ja, davon gehe ich stark aus.

Borussia Dortmund gegen Bayern München – bestimmt dieses Duell auch in naher Zukunft den deutschen Fußball?

Augenthaler: Wir blicken auf viele spannende Duelle in der Bundesliga-Geschichte zurück. In den 70er und 80er Jahren waren Borussia Mönchengladbach, der Hamburger SV und Werder Bremen große Gegner der Bayern. Die Dortmunder Elf ist ja noch verhältnismäßig jung, da die Vereinsführung offenbar nicht mehr dazu gezwungen ist, die jungen Talente abzugeben. Da wächst etwas zusammen. Deshalb gehe ich davon aus, dass Dortmund in den nächsten drei bis fünf Jahren vorne mitspielen wird.

Video-Vorschau: Showdown im Signal-Iduna-Park

Preview : Dortmund - Bayer

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