Int. Fußball - Messi: Spanien wittert Verschwörung

Di 11.Jan. 15:12:00 2011

Das war wohl absehbar. Die Wahl von Lionel Messi zum Weltfußballer des Jahres 2010 hat in Spanien zu einem Aufschrei der Empörung geführt. Dabei dreht sich die Diskussion weniger um den argentinischen Ausnahmekicker vom FC Barcelona. Es geht um Grundsätzliches.

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Schließlich hatte das Land des Weltmeisters mit Xavi und Iniesta seinerseits zwei absolute Ballkünstler ins Rennen geschickt. Spieler, die zweifellos ohne das Solisten-Spektakel eines Lionel Messi auskommen, diesem aber durch ihre Genialität dieses Spektakel im Verein erst ermöglichen.

Ohne Kompass und Navigationsgerät

Messi glänzt in Barcelona im homogenen Kollektiv. In der "Albiceleste" erlebte er dagegen am Kap ein Debakel auf allerhöchster Fußball-Bühne, als er sich auf seinen Alleingängen viel zu oft verirrte. Einen Kompass wie Xavi hatte Maradona schließlich nicht im Team gehabt, auch keinen Navigator wie Iniesta. Messi blieb ohne Bindung und blieb blass.

Messi im Dress des FC Barcelona oder Messi im Trikot der "Albiceleste", das seien zwei verschiedene Spieler, so die Meinung in Spanien. Angesichts einer ungeheuerlichen Vereins-Quote aus Toren und Torvorlagen kam beispielsweise die Tageszeitung "El País" nicht umher, die Wahl Messis als "verdient" zu bezeichnen, kritisierte jedoch, "der spanische Fußball hatte es nicht verdient, übergangen zu werden."

Die "Marca" wird dabei deutlich direkter: "FIFA-Chef Blatter hatte die Spanier bereits mit verdächtigen Methoden um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2018 gebracht. Xavi und Iniesta gewannen mit dem FC Barcelona ebenso viele Titel wie Messi. Aber sie haben etwas, was der Argentinier nicht hat. Sie gewannen die WM." Aber, so schlussfolgert "As" ein wenig beleidigt: "Die Weltmeisterschaft scheint nichts zu zählen."

Eine "Goldene Ungerechtigkeit"

Dass der Portugiese José Mourinho die beiden Spanier Vicente del Bosque und Pep Guardiola auf dem Weg zum besten Trainer der Welt überholte, wertet man in Spanien als Bestätigung der eigenen Verschwörungstheorie.

"Goldene Ungerechtigkeit" titelten auch unsere Kollegen von Eurosport Spanien. "Xavi und Iniesta waren im vergangenen Jahr ebenso gut wie Messi", argumentiert Eurosport Fußball-Redakteur Ignacio Ruiz. "Doch während die beiden Weltmeister geworden sind, konnte Messi im alles entscheidenden Moment eben nicht überzeugen. In der Geschichte der Wahl für den 'Goldenen Ball' wurde die Auszeichung nach einem WM-Jahr immer einem Weltmeister verliehen. Nur 2010 nicht. Zum aller ersten Mal. Messi ist zweifellos der beste Spieler der Welt, aber das galt nicht speziell für 2010. Es war nicht sein bestes Jahr. Diesen Titel hätte Xavi mehr als verdient gehabt."

Ballon d'Or 2010: Sieger

TV-Tipp:

"Champions Club" - Im Europapokal-Magazin von Eurosport werden montags jeweils vor sowie nach jedem Spieltag der internationalen Vereinswettbewerbe der UEFA vergangene Resultate aufbereitet, die spektakulärsten Tore gezeigt sowie Ausblicke auf anstehende Begegnungen geliefert. Dabei werden auch die letzten Leistungen der Europapokalstarter in ihren nationalen Ligen beleuchtet.

Michael Wollny / Eurosport

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