Wolf sieht Ende der Dominanz

Sa 10.Mrz. 19:06:00 2012

Die Hoffnungen waren gering. Auch die Heimkulisse half Jenny Wolf nicht. Nach sechs Jahren Dominanz musste sie in dieser Saison mit Platz drei im Gesamtweltcup vorlieb nehmen. Zum Abschluss verfehlte sie sogar noch das Podium. Ein ungewohntes Gefühl für die einstige Seriensiegerin.

2012 Jenny Wolf - 0

Jenny Wolf schaute bedrückt drein. Nach sechs Jahren großer Überlegenheit ist ihre lange Serie von sechs Siegen im Gesamt-Weltcup der Eisschnellläufer über 500 Meter gerissen. Ausgerechnet auf heimischem Eis wurde die Weltmeisterin geschlagen: Nur Platz vier in 38,22 Sekunden und damit Rang drei im Gesamtklassement haben Spuren hinterlassen.

Zweckoptimismus in Richtung WM

"Es ist schon schade zu wissen, dass ich da vorn nicht mithalten kann. Traurig, dass ich einfach nicht da anknüpfen kann, wo ich vor zwei Jahren noch mitgehalten habe", meinte sie und es klang schon ein wenig mutlos mit Blick auf die anstehenden Weltmeisterschaften in Heerenveen. "In zwei Wochen kann man eine halbe Sekunden nicht aufholen", gab die Titelverteidigerin ihre Zweifel preis. Nach dem Rennen hatte sie sogar Mühe, die Tränen zu unterdrücken.

Der Streckensieg ging wie am Vortag an Sprint-Weltmeisterin Yu Jing. Die Chinesin verfehlte vor fast 2000 Zuschauern in 37,63 Sekunden Jenny Wolfs Bahnrekord nur um 0,11 Sekunden und setzte sich vor Lee Sang-Hwa (Südkorea/37,66) und Christine Nesbitt (Kanada/38,17) durch. Im Gesamtklassement holte sich Yu mit 960 Punkten erstmals die 15 000-Dollar-Prämie. Jenny Wolf (869) musste auch noch Lee (890) vorbeiziehen lassen und darf sich allein mit 7000 Dollar Preisgeld trösten.

Auf eine Entscheidung zu einem nach der verkorksten Saison nun durchaus möglichen Karriere-Ende wollte sich Jenny Wolf aber nicht festlegen. "Wir müssen im Sommer genau überlegen, wie es weitergehen soll. Wenn es kein zufriedenstellendes Ergebnis gibt, muss man Konsequenzen ziehen", sagte sie mehrdeutig. Dennoch werde sie jetzt vor der WM "den Kopf nicht in den Sand stecken, denn eine Medaille ist durchaus noch möglich".

Deutsche Herren laufen weiter hinterher

Auf den 5000 Metern der Herren kam der Inzeller Moritz Geisreiter als bester des deutschen Quartetts in 6:26,08 Minuten nur auf Platz zehn. "Mit der Zeit bin ich zufrieden. Aber es lief von Anfang an nicht, wie ich es mir vorgestellt hatte", meinte er. In der Weltcup-Endabrechnung fiel er damit noch von Rang sechs auf Platz neun zurück und war auch da noch der beste Deutsche. Olympiasieger Sven Kramer hingegen beherrschte das letzte 5000-Meter-Rennen der Weltcup-Saison. Der Niederländer setzte sich in 6:14,70 Minuten vor seinem Landsmann Bob de Jong durch. Im Gesamtklassement dominierte de Jong zum dritten Mal nach 2004 und 2011.

Den Sprinter-Cup der Herren holte sich Olympiasieger Mo Tae-Bum, der in der gesamten Saison nur ein 500-m-Rennen gewinnen konnte. Auch zum Abschluss blieb ihm nur Platz zwei hinter dem niederländischen Newcomer Michel Mulder, der in 35,01 Sekunden an der 35er Schallmauer kratzte. Die gegenwärtige Schwäche des deutschen Eisschnelllaufs dokumentierte sich schon allein darin, dass sich über 500 und 1500 Meter der Herren sowie die 1500 Meter der Damen nicht ein Sportler für das Finale qualifizierte und die Damen auch das Team-Finale am Sonntag verpasst hatten.

TV-Tipp:

Die Biathlon-WM in Ruhpolding - Eurosport ist vom 1. bis 11. März bei allen Rennen aus der Chiemgau-Arena LIVE dabei - auch im Eurosport Player.

Frank Thomas / dpa

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