EURO 2012 - DFB-Team: Löw spielt mit Feuer

Mi 09.Mai. 08:30:00 2012

Die Kadernominierung des Bundestrainers wirft Fragen auf. Ein genauer Blick auf das Aufgebot verrät: Jogi Löw bleibt wenig Spielraum. Nur 27 Spieler berief er in den vorläufigen Kader für die Europameisterschaft. Spätestens am 29. Mai müssen noch vier Mann gehen. Bis dahin kann viel passieren.

- Bundestrainer Joachim Löw spricht auf einer Pressekonferenz der Nationalmannschaft im Mannschaftshotel in Erasmia, Südafrika (Archivfoto vom 05.07.2010). Vier Jahre ist Joachim Löw nun Bundestrainer. - 0

Von Tobias Hlusiak

Bert van Marwijk gab sein vorläufiges niederländisches Aufgebot fast zeitgleich mit Löw bekannt, brauchte aber bedeutend länger. Während der deutsche Bundestrainer seinen schmalen 27-Mann-Kader fix an eine Leinwand projizieren ließ, berief sein Kollege imposante 36 Spieler.

"Bondscoach" van Marwijk erhofft sich durch diesen enorm aufgeblähten Kader mehr Konkurrenz und Druck. Ganze 13 Mann muss der ehemalige BVB-Trainer bis zum 29. Mai noch streichen. Löw hingegen scheint sich seiner Sache relativ sicher zu sein - oder in seinen Planungen enorm weit fortgeschritten. Allerdings lässt sich der Bundestrainer auf eine Rechnung mit bedenklich vielen Variablen ein. eurosport.yahoo.de zeigt vier große Gefahrenherde für Löws Masterplan auf:

Die Kadernominierung des Bundestrainers wirft Fragen auf. Ein genauer Blick auf das Aufgebot verrät: Jogi Löw bleibt wenig Spielraum. - 2 Das Finale um den DFB-Pokal: Den Giganten-Gipfel im Berliner Olympiastadion zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München wird sich Löw vor Ort ansehen. Es ist zu vermuten, dass der Adrenalinspiegel des Bundestrainers dem eines heißblütigen Fans im weiten Rund kaum nachstehen wird.

Auf dem Platz duellieren sich allein 13 Spieler, die eine Einladung Löws erhielten. So kurz vor dem Turnier könnte schon eine leichte Verletzung das Aus bedeuten. Doch zurückstecken wird im aufgeheizten Match zwischen Meister und Vize niemand. Zu viel steht auf dem Spiel.

Die Kadernominierung des Bundestrainers wirft Fragen auf. Ein genauer Blick auf das Aufgebot verrät: Jogi Löw bleibt wenig Spielraum. - 3 Das Champions-League-Finale: Wenn die Nationalspieler des BVB voraussichtlich längst in der DFB-Oase eingetroffen sind, steht für ihre bayrischen Kollegen noch das vorläufige Highlight der Saison auf dem Programm. Im heimischen Stadion kämpfen Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer und Co. um Europas Krone. Dieses Spiel - so kündigte er bereits an - wird Löw im Kreise der Nationalmannschaft verfolgen.

Natürlich bietet das Finale eine fast unerschöpfliche Quelle puren Selbstvertrauens für Bayerns Stars, die auch die wichtigste Achse der DFB-Elf bilden. Andererseits wird gerade gegen Chelsea um jeden Zentimeter gekämpft und gegrätscht werden. Ein unkalkulierbares Verletzungsrisiko.

Die Kadernominierung des Bundestrainers wirft Fragen auf. Ein genauer Blick auf das Aufgebot verrät: Jogi Löw bleibt wenig Spielraum. - 4 Bayerns Spiel gegen Holland: Zu allem Überfluss steht am 22. Mai, nur drei Tage nach dem Highlight von München, ein weiterer Pflichttermin für die Spieler des deutschen Rekordmeisters auf dem Plan. "Die Bayern-Akteure werden an diesem Spiel teilnehmen", verkündete Löw während der Kadernominierung wohl nicht ohne Bauchschmerzen.

Die lange geplante Kompensationspartie des deutschen Rekordmeisters gegen den Vize-Weltmeister entstand aus der langwierigen Verletzung von Arjen Robben nach der Weltmeisterschaft 2010. "Beide Teams haben vertraglich zugesichert, mit der bestmöglichen Mannschaft anzutreten", sagte Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick. Löw wird mit Bayern-Trainer Jupp Heynckes jedoch Absprachen gefunden haben, die "seine Spieler" schützen.

Die Kadernominierung des Bundestrainers wirft Fragen auf. Ein genauer Blick auf das Aufgebot verrät: Jogi Löw bleibt wenig Spielraum. - 5 Dünn besetzte Defensive: Die größte Gefahrenzone: Besonders im hinteren Mannschaftsteil würde der Ausfall eines Leistungsträgers den Bundestrainer hart treffen. Nur sieben gelernte Verteidiger berief Löw, mit Per Mertesacker ist einer davon sogar seit Monaten verletzt. Arsenal-Coach Arsène Wenger hält den ehemaligen Bremer für nicht spielfähig, schickte ihn deshalb zum DFB.

Besonders auf den beiden Außenpositionen hätten einige Alternativen durchaus gut getan. Zumindest als "Füllmaterial" für den vorläufigen Kader - um bis zur Ankunft der Bayern-Spieler kurz vor der endgültigen Nominierung ein ausgewogenes Trainingsprogramm zu garantieren - wären Dennis Aogo, Gonzalo Castro und Christian Träsch geeignet gewesen. Keiner der drei steht im Kader.

Angesichts dieser vielen Unwegbarkeiten bis zur endgültigen Nominierung geht der Bundestrainer ein enorm hohes Risiko ein. Die Nominierung einiger Zusatzkandidaten hätte Löw zumindest die Möglichkeit gegeben, den Fitnesszustand etwaiger Alternativen selbst zu überprüfen. Allerdings kennt er selbst seinen Kader am allerbesten.

Er wird seine Gründe dafür haben, in Ilkay Gündogan, Julian Draxler und den Bender-Zwillingen Spieler nominiert zu haben, die eine eventuelle Ausbootung nicht an die große Glocke hängen würden. Löw geht die Verträglichkeit des Kaders über alles. Auch wenn er dafür mit dem Feuer spielen muss.

VIDEO - Löw gibt Kader bekannt

Joachim Low pre selection

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