Boonen: "Ich bin der Beste auf dem Pavé"

Mo 09.Apr. 10:27:00 2012

Mit Paris-Roubaix kam die erste Hälfte der Frühjahrsklassiker-Saison zu ihrem Höhepunkt und gleichzeitig zu ihrem Ende. Begonnen hatte alles schon mit einem Paukenschlag Ende Februar bei Het Nieuwsbald. eurosport.yahoo.de analysiert, wer groß auftrumpfen konnte und wer einfach nur enttäuschte.

Boonen Paris-Roubaix 2012 - 0

Top

Tom Boonen: Er hat einfach alles gewonnen - E3-Preis Harelbeke, Gent-Wevelgem, Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix. Bereits Platz zwei beim Omloop Het Nieuwsbald ließ die gute Form des Belgiers erahnen. Der vierte Pflasterstein von Roubaix brachte auch all die Kritiker zum Schweigen, die ihm nach seinem Rekordsieg bei der Flandern-Rundfahrt noch unterstellt hatten, dass er sich zum Ziel habe ziehen lassen. Die bisher einmalige Wiederholung des Doubles ließ ihn dann auch zu dieser Aussage hinreißen: "Ich realisiere jetzt, dass ich wahrscheinlich einer der Besten bin, der je über das Kopfsteinpflaster gefahren ist, vielleicht sogar der Beste."

Sep Vanmarcke: Platz 48 bei der "Ronde" und 84 im Vélodrome von Roubaix sind normalerweise keine Empfehlungsschreiben für die Top-Liste. ABER: Mit seinem Sprint-Sieg gegen Boonen bei Het Nieuwsblad und einem fünften Platz beim E3-Preis, wo er als einziger die brachiale Attacke von "Tornado-Tom" am Taaienberg mitgehen konnte, zeigen, dass der junge Belgier neben Peter Sagan das aufstrebende Talent für diese Rennen ist und schon bald den Generationenwechsel einläuten könnte. Nur am Timing seines Formaufbaus muss Vanmarcke noch arbeiten.

Alessandro Ballan: Der Italiener konnte als einziger Fahrer in der zumindest nominell hochklassig besetzten BMC-Mannschaft überzeugen. Seit 2008 war dem Flandern-Gewinner von 2007 kein Podestplatz mehr bei den flämischen Rennen gelungen. In diesem Jahr aber zeigte sich der Weltmeister von 2008 in alter Stärke. Zwei dritte Plätze bei Flandern und Roubaix zeugen von großer Konstanz. Bei der "Ronde" fuhr er sich außerdem mit seinen Attacken im Finale in die Herzen der Fans. Auch bei Paris-Roubaix war Ballan in der Offensive, aber gegen Boonen und die Zielfoto-Entscheidung der Jury war er letztlich machtlos.

Team Europcar: Mannschaftlich geschlossen präsentierte sich der französische Zweitdivisionär und demonstrierte mit guten Ergebnisse, dass die Wildcards nicht nur für die Tour de France berechtigt sind. Gleich vier Top-10-Ergebnisse konnte die Truppe von Jean-Rene Bernadeau bei Het Nieuwsblad, E3 und der Flandern-Rundfahrt einfahren. Doch das absolute Highlight sparten sie sich bis zum Schluss auf. Der sensationelle zweite Platz von Sebastian Turgot bei der "Königin der Klassiker" lässt ganz Frankreich vom ersten Heimsieg seit Frederic Guesdon 1997 träumen. Turgot kündigte schon mal an: "Wenn ich nächstes Jahr wieder so gut in Form bin, dann werde ich Boonen nicht einfach so ziehen lassen."

Flop

Fabian Cancellara: Nach allem, was man sehen konnte, war seine Form alles andere als ein Flop. Nur Ergebnisse sind dabei nicht rausgesprungen. Seit seinem Double Flandern/Roubaix 2010 ist beim Schweizer einfach der Wurm drin. Er ist der gefürchtetste Fahrer des Pelotons und deshalb auch der am meisten beobachtete. Dieses Jahr kam dann auch noch Pech dazu. Sein Sturz in der Verpflegungszone bei der "Ronde" zerstörte all seine Träume und Ambitionen. Die Fans mussten auf das heiß erwartet Duell mit Boonen verzichten. Bei aller Ehrfurcht: Im Duell mit dem Belgier steht es bei Flandern und Roubaix nun eins zu drei bzw. zwei zu vier Siege aus Sicht des Berners.

Philippe Gilbert: Der Dominator des letzten Jahres hat sich bisher mit seinem Teamwechsel keinen Gefallen getan, ebenso übrigens wie Thor Hushovd. Das ganze Frühjahr schon hat der Belgier mit allerhand Problemen zu kämpfen. Nach eigener Aussage ließen ihn Zahnschmerzen nicht richtig in Schwung kommen. Am Ende war es sogar so schlimm, dass er beim E3-Preis aufgeben musste. Bei der Flandern-Rundfahrt zeigte sich der Wallone verbessert, aber immer noch nicht konkurrenzfähig. Sein Trostpflaster: Er kann noch auf die Ardennenklassiker hoffen.

Filippo Pozzato: Zunächst muss man dem Italiener großen Respekt zollen. Nach seinem Schlüsselbeinbruch Anfang des Jahres war es erstaunlich genug, dass "Pippo" wieder so schnell in Form gekommen ist. Belohnt hat er sich dafür mit dem zweiten Platz bei der Flandern-Rundfahrt. Es war aber eben wieder nur ein Ehrenplatz. Alle Experten und auch Pozzato selber befanden, dass er der Stärkste war. Dass er taktisch alles falsch gemacht habe, weil er es auf einen Sprint mit Boonen hatte ankommen lassen, sah er allerdings nicht ein und wollte es bei Paris-Roubaix genauso machen. Bei Boonens Attacke fuhr er dann nicht mal ansatzweise hinterher. Ein Sturz kurze Zeit später ließ einen demoralisierten Pozzato zurück.

Heinrich Haussler: Immer wieder war vor den großen Rennen von ihm und seinem Umfeld zu hören, dass er die Beine von 2009 spürt, als er Zweiter in Flandern und Siebter in Roubaix wurde. Die Ränge 30 und 32 deuten entweder auf eine Fehleinschätzung hin oder darauf, dass die Konkurrenz stärker geworden ist. Der Deutsch-Australier bemerkte, dass er wegen der Olympischen Spiele noch nie so früh in die Saison gestartet sei, weil die für die Qualifikation wichtigen Australischen Meisterschaften und die Tour Down Under im Januar stattfanden. Platz vier zum Klassikerauftakt bei Het Nieuwsblad könnte die These des zu schnellen Formaufbaus untermauern. Bleibt nur zu hoffen, dass es sich mit Blick auf London gelohnt hat.

VIDEO - Paris-Roubaix: Boonen schreibt Geschichte

Paris-Roubaix: Boonen scheibt Geschichte

TV-Tipp:

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Henning Schulze / Eurosport

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