Bundesliga - Hölle in Kölle: Abgang mit hässlicher Fratze

So 06.Mai. 10:31:00 2012

Zum fünften Mal muss der 1. FC Köln den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Doch der erneute Abstieg wird in unschöner Erinnerung bleiben. Im schwarzen Rauch ging dabei auch der letzte Auftritt von Lukas Podolski unter.

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Aus Köln berichtet Andreas Morbach

Auch am Tag danach gab Köln noch das angemessene Bild ab: Grau war der Himmel über der Domstadt, und grau waren die Gedanken bei jenem Fußballklub, der seine Gäste stets mit augenzwinkernder Penetranz "in der schönsten Stadt Deutschlands“ willkommen heißt, der sich am Samstag beim 1:4 gegen Bayern München aber mit einer besonders hässlichen Fratze aus der Bundesliga verabschiedet hat. Es war der fünfte Abstieg des 1. FC Köln, alle vollbracht seit der Premiere vor 14 Jahren – und es soll einer sein, nach dem beim Geißbockklub kaum ein Stein auf dem anderen bleibt.

"Es wird sehr wichtig sein, dass die Mannschaft ein neues Gesicht bekommt", betonte Interimstrainer Frank Schaefer, der als Bank-Chef nicht mehr zur Verfügung steht, aber durchblicken ließ: "Ich werde sehr stark am Neuaufbau mitarbeiten." Geschäftsführer Claus Horstmann ("Ich persönlich werde mich weiter stellen") will das ebenfalls gerne – auch wenn er zum Szenario Abstieg vor drei Monaten noch beteuerte: "Das wäre eine komplette Zielverfehlung für uns alle, für die wir natürlich auch die Verantwortung tragen würden."

Stimmung drohte zu eskalieren

Das war zu einem Zeitpunkt, als Sportdirektor Volker Finke und Cheftrainer Ståle Solbakken zwar bereits offenkundige Probleme miteinander hatten, aber noch nicht entlassen waren. Bei Finke war es dann am 10. März so weit, bei Solbakken am 12. April, während Präsident Wolfgang Overath seinen Job bereits im November auf einer bizarren Mitgliederversammlung hingeschmissen hatte. "In der Rückrunde haben wir insbesondere auf dem Platz, aber auch daneben die Form eines Absteigers gezeigt", gab Horstmann unumwunden zu. Ein dramatisch schlechtes Bild, das Krawallmacher auf der Südtribüne nun auf gespenstische Weise untermalten.

Kurz vor dem Abpfiff, als Hoffenheim den FC mit dem 2:2-Ausgleich in Berlin noch in die Relegation hätte schießen können, wurden dort die ersten Rauchbomben gezündet. Wenig später sah es hinter dem Tor von Bayern-Keeper Manuel Neuer aus wie in der Hölle. Der Himmel über Köln-Müngersdorf verdunkelte sich mitten an einem Mai-Nachmittag, durch den schwarzen Qualm leuchteten rote Bengalos, dumpfe Böller krachten. Eine explosive Stimmung, die zu eskalieren drohte. Vor beiden Toren zogen Scharen von Polizisten auf, Ordner in knallig orangen Westen bildeten eine weitere Phalanx auf der Mittellinie. Und Schiedsrichter Florian Meyer wies die Spieler an, sofort nach seinem – klugerweise um einige Sekunden vorverlegten – Schlusspfiff den Platz zu verlassen.

Zum fünften Mal muss der 1. FC Köln den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Doch der erneute Abstieg bleibt in unschöner Erinnerung. - 2

"Es ist eine Schande, so etwas gehört nicht ins Stadion", murrte Münchens Mario Gomez, als er ins Stadioninnere geflüchtet war. So wie 19 andere Akteure, Gäste-Coach Jupp Heynckes, Teambetreuer, Masseure und alle Ersatzspieler. "Das war schon ein bisschen unheimlich", fand Teamkollege Thomas Müller. "In der Situation steckt man nicht gerne mit drin", schloss sich Bayern-Kapitän Philipp Lahm an. Und Angreifer Gomez erklärte: "Ich hatte Angst, natürlich. Denn man weiß ja nicht, was passiert."

Allein ein Kölner Trio harrte noch für ein paar Augenblicke in dem Fußball-Inferno aus: Trainer Schaefer, der Trost spendete. Torwart Michael Rensing, der weinte. Und Lukas Podolski, der mit leerem Blick auf die Haupttribüne starrte. Es war der dritte Abstieg des FC-Idols mit Köln, nach der EM wechselt der Nationalstürmer zum FC Arsenal. "Das ist für mich einer der traurigsten Momente der letzten Jahre. Ich hätte mir einen schöneren Abschied vorgestellt, das muss man erst mal verdauen", sagte Podolski später – als der Einzige unter Kölns Protagonisten, der sich nicht durch den Hinterausgang davon machte.

"Ein brutal unnötiger Abstieg"

Der geschlossene Abmarsch durch die Seitentür passte perfekt ins beschämende Gesamtbild der Kölner Mannschaft und ihres Klubs. "Ich habe nur das Schwarze gesehen" – das waren die Erinnerungen von Übergangs-Coach Schaefer an die beißenden Rauchschwaden im Stadion. Und dazu die Erkenntnis: "Das hatte Symbolkraft für uns."

Großer Klub, ganz klein: Um die Lizenz für die zweite Liga zu bekommen, müssen die Kölner nun strenge Auflagen erfüllen. "Der Klub steht vor enormen Herausforderungen", las der vor zwei Wochen neu gewählte Präsident Werner Spinner vom Blatt ab. Übungsleiter Frank Schaefer kam ohne Vorlage aus und erklärte mit matter Stimme: "Das ist ein schwarzer Tag für den 1. FC Köln." Pechschwarz, wobei der Verein den Anstrich ganz allein zu verantworten hat. "Bei mir", sagte Schaefer, "überwiegt das Gefühl, dass es so ein brutal unnötiger Abstieg war. Dass wir ihn mit dieser Kraft, dieser Power, diesen Fans, diesem Stadion, nicht verhindern konnten."

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