Vuelta a España - Vuelta: Revanche der Pechvögel?

Fr 05.Aug. 15:38:00 2011

Kaum ist die Tour de France vorbei, wartet auch schon das nächste Großereignis des Radsports. Mit einem Teamzeitfahren beginnt am 20. August die 66. Vuelta a España. Höchste Zeit, sowohl die Etappen als auch mögliche Favoriten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Vuelta a España - Vorschau: Vuelta 2011

Mit dem Verhältnis von neun Flach- zu zehn Bergetappen ist die Gewichtung der Vuelta des Jahres 2011 klar. Die Bergspezialisten dürften, wie bereits beim Giro d‘Italia, auf ihrer Kosten kommen.

Die diesjährige Spanien-Rundfahrt wird daher wohl in den Bergen gewonnen, da das Teamzeitfahren zum Auftakt der Rundfahrt für große Zeitabstände deutlich zu kurz ist. Beim auf der 10. Etappe anstehende 47 km lange Einzelzeitfahren rund um Salamanca ist dies zwar anders, doch bieten danach noch jede Menge Bergankünfte den Kletterern die Chance zum Konter.

Die ersten schweren Pässe kommen bereits nach wenigen Tagen. Es ist aber davon auszugehen, dass die guten Klassementfahrer hier noch keine entscheidenden Abstände herausfahren werden. Sollte jedoch einer der Favoriten Schwäche zeigen, könnten die Konkurrenten schon in der ersten Woche wichtige Sekunden sammeln.

Sprinter im Teilzeit-Einsatz

Diese Vuelta wird wohl erst ab dem Ende der zweiten Woche für das Gesamtklassement wirklich relevant werden. Nach zwei Bergetappen auf dem 13. und 14. Abschnitt folgt auf der 15. Etappe der schwere Anstieg auf den Angliru. Spätestens hier wird sich zeigen, wer seine Ambitionen auf den Gesamtsieg aufgeben muss: Zusammen mit dem Monte Zoncolan und dem Kronplatz ist dies eine der steilsten Bergankünfte überhaupt.

Für die Sprinter hingegen gibt es nach der ersten Woche nicht mehr viele Möglichkeiten auf einen Etappensieg. Nur wenige unter ihnen werden sich als Ziel gesetzt haben, auch beim Sprintfinale in Madrid noch dabei zu sein. Vielmehr dürften sie sich die 12. Etappe als ihr Finale der Rundfahrt angestrichen haben, wenn 6 der 9 Flachetappen absolviert sind. Die drei darauffolgenden Bergetappen, die nicht nur für Sprinter durch die Karenzzeit problematisch sind, werden das Fahrerfeld wahrscheinlich weiter dezimieren.

Zudem werden etliche Top-Sprinter die Vuelta als WM-Vorbereitung nutzen und sich nach der ersten Hälfte der Rundfahrt zum Feinschliff aus Spanien verabschieden.

Mit Wut im Bauch zum Sieg?

Die Organisatoren müssen auf einige prominente Fahrer verzichten. Alberto Contador oder auch der Gewinner des Bergtikots der Tour de France, Samuel Sanchez, haben bereits ihren Verzicht erklärt. Auch wenn die Teilnehmer noch nicht endgültig feststehen, wird trotzdem ein stark besetztes Peloton am Start sein. Die Topfahrer der Tour dürften zu müde sein, um die Vuelta erfolgreich zu bestreiten. Aber es gibt einige bekannte Namen, denen man durchaus Siegchancen einräumen könnte.

Vorjahressieger Vincenzo Nibali gehört dazu. Ihn wird man auch bei dieser Ausgabe der Vuelta auf der Rechnung haben müssen. Der Dritte der diesjährigen Italienrundfahrt wird alles daran setzen, seinen angeschlagenen Ruf als potentieller Nachfolger von Ivan Basso beim Team Liquigas wieder aufzubessern. Gegen die leichtgewichtigen Spanier kann er am Berg bestehen. Aber auch im Zeitfahren hat er gute Chancen, Sekunden herauszufahren.

Die vorläufige Aufnahme des Vorjahreszweiten, Ezequiel Mosquera, in das erweiterte Startaufgebot von Vacansoleil überraschte viele Beobachter. Der immer noch unter Dopingverdacht stehende Spanier wurde bei der letzten Ausgabe der Spanienrundfahrt positiv auf den Blutplasmaexpander HES getestet und wäre bei einem Freispruch des spanischen Verbandes RFEC startberechtigt.

Besondere Beachtung sollte man Igor Anton schenken. Der Baske von Euskaltel fuhr letztes Jahr schon im Roten Trikot des Gesamtführenden der Spanienrundfahrt und nur ein Sturz hinderte ihn an dem Versuch, die Führung im Gesamtklassement bis Madrid zu verteidigen. Er hat in diesem Jahr, genau wie Nibali, die Tour ausgelassen um sich direkt auf die Vuelta vorzubereiten. Auch wenn beim Giro d´Italia dieses Jahr noch kein Platz in den Top-Ten möglich war, bei seinem Sieg am Zoncolan zeigte er seine Qualitäten am Berg und distanzierte sogar den scheinbar unschlagbaren Alberto Contador.

Bei einer dreiwöchigen Rundfahrt ist auch immer auf Denis Menchov zu achten. Der Achte des letzten Giro hat schon mehrfach bewiesen, dass er große Rundfahrten gewinnen kann. Auch sein Teamkollege und Tour-Sieger Carlos Sastre gehört zu den starken Rundfahrern. Beide waren nach der Absage an ihr Team Geox-TMC bei der vergangenen Tour nicht dabei. Daher werden sie sich besonders auf die Vuelta vorbereitet haben.

Auch auf das Comeback von Andreas Klöden (RadioShack) wird man sich freuen dürfen. Nach seinen schweren Stürzen bei der Tour ist auf dem Weg der Besserung. Ebenso wie sein Teamkollege Janez Brajkovic wird Klöden alles daran setzen, nach dem Sturzpech in Frankreich nun besonders zu glänzen. Gleiches könnte für Bradley Wiggins gelten, auch wenn der SKY-Kapitän auch noch WM-Gold im Zeitfahren im Hinterkopf hat.

Der Kampf um die Gesamtwertung könnte lange spannend bleiben, da das Streckenprofil auch am vorletzten Tag noch eine Bergetappe vorsieht. Wer am Ende in Madrid ganz oben auf dem Treppchen stehen wird, wissen wir jedoch erst am 11. September 2011.

Vuelta a Espana

Alexander Knirim / Eurosport

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