Bundesliga - Verschnupfter Bayern-Boss kontert

Eurosport - Do 03.Sep. 17:36:00 2009

Karl-Heinz Rummenigge ist gereizt. Allerdings treibt nicht etwa Querschießer Franck Ribéry dem Vorstandsboss des FC Bayern die Zornesröte ins Gesicht, sondern ehemals verdiente Bayern-Spieler. Oliver Kahn, Steffan Effenberg und der unvermeidbare Lothar Matthäus hatten sich zu Wort gemeldet.

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Oliver Kahn hatte vor wenigen Tagen seinem offiziellen Nachfolger Michael Rensing nahegelegt, sich an andere Stelle zwei neue Pfosten zu suchen: "Ich habe im Fußball zwar schon alles erlebt, aber eins ist für mich klar: Für ihn wird das beim FC Bayern nichts mehr", erklärte der Ausnahme-Torhüter a.D. gegenüber der Münchner "AZ".

Kahn-Kumpel Stefan Effenberg suchte sich in einem Interview mit der "Bild" neben der Personalie Rensing auch die Transferpolitik des Rekordmeisters als Zielscheibe aus: "Im kompletten Abwehrbereich haben die Verantwortlichen des FC Bayern in den letzten ein, zwei Jahren einfach geschlafen."

Torhüter Rensing sei keiner der besten Torhüter der Welt, sondern "einer für Köln oder Frankfurt". Man solle jetzt über die Verpflichtung von Tim Wiese oder Robert Enke nachdenken. Und Lothar Matthäus äußerte "große Sorgen" über den Status quo beim erfolgsgewöhnten Klub von der Isar.

Experten haben nichts zu sagen

Karl-Heinz Rummenigge hat jetzt genug von der ganzen Experten-Nörgelei und setzt zum Gegenangriff an: "Sie sollen zusehen, dass sie einen Job kriegen, in dem sie etwas zu sagen haben, und sich nicht als bezahlte Chefkritiker des FC Bayern hervortun", giftete der Vostandschef in einem Interview mit dem "kicker" nun zurück.

Natürlich sind die Verantwortlichen beim FC Bayern momentan nicht auf Rosen gebettet. Der Sieg über Wolfsburg sorgte sicherlich für leichte sportliche Entspannung. Aber noch ist nicht alles Gold, was bei den Bayern derzeit glänzt. Eventuell spiegeln sich nämlich nur die Sonnenstrahlen in jenem Diktiergerät wider, dem Franck Ribéry zuletzt so bereitwillig seinen Gemütszustand offenbart hatte - und angeblich den der ganzen Mannschaft.

"Ich weiß vom Spieler und vom Trainer, dass es zwischen beiden kein Problem gibt", meint Rummenigge. "Franck ist charakterlich absolut okay. Der Trainer hat da überhaupt kein Problem". Allerdings hatte Louis van Gaal in seiner Vergangenheit auch keinerlei Probleme, namhafte "Dissidenten" kurzerhand zu rasieren, auf die Bank zu verpflanzen oder sogar gleich die Klinke in die Hand zu drücken.

Um Ruhe und Harmonie bemüht

Rummenigge steuert auffällig besonnen in einem Disput dagegen, der vom Franzosen erstaunlich offensiv, zweifellos nassforsch und beachtlich öffentlich geführt wurde. An eine franko-niederländische Harmonie mag man noch nicht so ganz glauben. Zumal auch immer wieder von Außen kommentiert wird. Nun hat auch Ottmar Hitzfeld Partei für Ribéry ergriffen. "Er ist eigentlich ein pflegeleichter Spieler. Man muss ihm nur das Vertrauen schenken. Man muss oft mit ihm sprechen", sagte der frühere Coach des FC Bayern München am Donnerstag im DSF.

Mit Louis van Gaal plant Rummenigge jedenfalls eine glorreiche Zukunft: "Ich bin überzeugt, wir haben den richtigen Mann geholt und werden eine erfolgreiche Zeit mit ihm gehen. Ich hoffe, sie wird sehr lange dauern." Doch diese Worte klingen sehr vertraut. Eine verbale Blaupause, die auch schon bei unzähligen anderen Vereinen und Trainern über das neue Arbeitsverhältnis gelegt wurde. Erst wenn van Gaal souverän siegt und Ribéry still schweigt wird in München vielleicht so etwas wie Ruhe einkehren.

Ribérys Vertrag läuft bis 2011. Und trotz der bekannten Wechselabsichten spekuliert Rummenigge sogar auf eine Vertragsverlängerung: "Zu einem gegebenen Zeitpunkt werden wir das diskutieren. Ob es eine Chance gibt, kann ich nicht beurteilen."

Die Chancen stehen sicherlich nicht schlecht, sollte Real Madrid im neuen Geschäftsjahr doch endlich mal Insolvenz anmelden.

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Aus München berichtet Michael Wollny / Eurosport

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