Bundesliga - Babbel greift Hertha an: "Demut fehlt"

Di 01.Mai. 13:02:00 2012

Rausgeworfen, davongejagt und nachgetreten: Markus Babbel hat mit der Hertha noch eine saftige Rechung offen. Am Samstag will er beim Saisonfinale "mit aller Macht" den Sieg. Aber schon jetzt rechnet der Ex-Coach ab: "Die Leute bei Hertha sind selbst verantwortlich für die aktuelle Situation."

Babbel - 0

Von Petra Philippsen

Würde der Spielplan für die Bundesliga nicht bereits vor dem Saisonbeginn feststehen, hätte man sich wohl gefragt, wie man sich einen solchen Schlussakt einfallen lassen konnte.

Denn dieser Stoff hätte selbst als Hollywood-Drehbuch viel zu übertrieben und wenig realistisch gewirkt. Aber mit Beginn der Spielzeit hatte wirklich niemand ahnen können, dass das Duell zwischen Hertha BSC Berlin und der TSG Hoffenheim ein Potpourri aus Intrigen, Macht und Rache werden würde.

Und so spitzt sich die Lage am Samstag ab 15:30 im Olympiastadion zu wie im Westernklassiker "High Noon" - die Hertha kämpft mit letzter Verzweiflung gegen den Abstieg und trifft auf ihren ehemaligen Trainer, der noch eine saftige Rechnung mit seinem Ex-Klub offen hat und diesen am liebsten in die ewigen Jagdgründe schicken würde.

Es herrscht weiter "Sprachlosigkeit"

"Das Thema Hertha ist für mich erledigt. Jetzt bin ich hier in Hoffenheim Trainer", erklärte Markus Babbel und gab sich alle Mühe, den Eindruck zu erwecken, dass er keinen Groll mehr gegen den ehemaligen Arbeitgeber hegt. Das ist jedoch keineswegs der Fall, wie er gegenüber der "Sportbild" erklärte: "Hertha BSC fehlt die nötige Demut. Nach einem Sieg wird von der Champions League geredet, nach einer Niederlage vom Abstieg. Der Mittelweg fehlt im Verein."

Und er schob hinterher: "Ich will die drei Punkte in Berlin mit aller Macht haben."

Der Stachel steckt vielmehr noch sehr tief in Babbels Fleisch. Nach gegenseitigen Lügenvorwürfen war er im Dezember 2011 von Hertha-Manager Michael Preetz beurlaubt worden. Seither haben die beiden kein Wort mehr miteinander gesprochen. "Ich bin ein höflicher Mensch. Wenn er vor mir steht, werde ich ihm die Hand geben", kündigte Babbel in der "Sportbild" an, "aber es gibt keine Gründe, miteinander zu sprechen".

Mit Babbel hatten die Berliner bis zur Entlassung 20 Punkte und standen auf Rang elf der Tabelle. Nun kann sie nur noch ein Sieg und die Mithilfe der Kölner vor dem zweiten Abstieg innerhalb von zwei Jahren bewahren. Denn die Nachfolger von Babbel, Michael Skibbe, Interimscoach René Tretschok und nun Otto Rehhagel, holten insgesamt nur noch acht Punkte hinzu.

Das Gespräch, das nie stattfand...

"Wir wären hundertprozentig nicht abgestiegen, da hätte ich alles drauf gewettet. Es hat einfach super gepasst zwischen Mannschaft und Trainerteam", erklärte Babbel im "Tagesspiegel". Und genau in diesem Interview beschreibt er anschaulich, wie die Stimmung gegen ihn kippte und warum er sich von der Hertha verraten und verkauft fühlt. "Es werden leider gezielt Sachen über mich in Umlauf gebracht, die nicht der Wahrheit entsprechen", so Babbel, "manches geht tief in die Privatsphäre, anderes betrifft meine Arbeit als Trainer."

Auslöser der Eskalation war ein Gespräch zwischen ihm und Preetz, von dem der Manager weiterhin behauptet, es habe nie stattgefunden. Mitte November habe Babbel Preetz mitgeteilt, dass er den im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern wolle. Preetz habe ihn um Stillschweigen gebeten. "Er hat gesagt: Du kennst die Berliner Presse nicht! Die machen Druck! Himmel, ein Trainer, der nicht bleibt, was glaubst du, was passiert, wenn wir zwei, drei Spiele verlieren!", sagte Babbel.

"Nicht mit mir! Ich bin doch nicht blöd!"

Vier Wochen später habe Preetz ihn gefragt, ob er tatsächlich aufhören wolle. Babbel reagierte erzürnt: "Sag mal, Michael, was glaubst du denn, was ich dir erzähle? Ich habe dir vor vier Wochen Bescheid gesagt, wenn du die Gremien nicht informierst, ist das dein Problem!" Babbel wurde schließlich als Buhmann vorgeführt, als abwanderungswilligen Trainer, der den Verein im Stich lässt.

Der Vorwurf: Babbel habe sein Schweigen gebrochen. Der hatte sich jedoch geärgert, dass die Hertha hinter seinem Rücken bereits mit Skibbe als Nachfolger verhandelte: "Ich hatte mich lange genug verbogen, gegen mein Naturell, allein aus Respekt vor dem Verein. Aber als ich dann merkte, dass nicht ehrlich mit mir umgegangen wurde und hintenrum schon ein neuer Trainer im Anmarsch war - nicht mit mir! Ich bin doch nicht blöd!"

Mit Hoffenheim liegt Babbel auf Rang elf, im Niemandsland der Tabelle - es geht im Grunde um nichts mehr, und doch geht es um alles. Um Genugtuung, um Rache vielleicht sogar? "Die Leute bei Hertha sind selbst verantwortlich für die aktuelle Situation und für das, was sie nach der Trennung von mir gemacht haben", sagte Babbel, "ich empfinde keine Schadenfreude, dafür liegt mir der Verein zu sehr am Herzen. Aber die Art und Weise der Trennung hat mir Vieles viel leichter gemacht."

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Kommentare 1 - 16 of 16

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  1. Ich weiß leider nicht so genau was wirklich alles­ vorgefallen ist aber wenn wir zumindest mal kurz die­ letzten Jahre zurückblicken. Favre spielt eine­ Traumsaison und dann verkauft man Voronin und Pantelic­ und ich glaub sogar noch Simunic (der damals als einer­ der besten Verteidiger der Liga galt was aber nie meine­ Meinung war denn ich hielt ihn für einen absoluten­ Holzfäller und hinterhältigen Verteidiger). Da war die­ nächste Saison im Abstiegsdrittel vorprogammiert. Dann­ schafft es ein Babbel das man sofort wieder aufsteigt­ und sogar ziemlich vernünftig in der Tabelle steht und­ das sogar mit ordentlichen Fußball und einer­ schlagkräftigen Truppe (die haben in Dortmund­ gewonnen). Und wieder wird der Trainer entlassen... Wie­ gesagt, ich habe kaum Einblick aber es scheint als­ lernt man aus Fehlern nicht dazu und ist anscheinend­ mehr mit seinen eigenen Positionen und Machenschaften­ beschäftigt als das hier ein kompaktes Team im Vorstand­ arbeitet. Um was geht es den Leuten dort eigentlich...­ das wichtigste, nämlich der Erfolg, wird aus den augen­ verloren und man schafft sich selbstgemachte Probleme.­ Jede Firma die so arbeitet würde sich so ruinieren und­ die Hertha macht es anscheinend ebenso...

    Von Roman, am Di 1.Mai. 20:46
  2. Preetz hat erst Babbel verjagd und dann den Fußballopa­ Rehagel geholt, der völlig weg war, statt eines­ Abstiegkampfexperten wie Neuruhrer, der die Sache­ vielleicht hätte retten können. Jetzt geht Häßlich­ dahin, wohin sie gehören. In die 2te Liga. Da sind sie­ gut aufgehoben. Das assige Getue gepaart mit endloser­ Selbstüberschätzung und eines Zirkusvorstandes... da­ können sie mit Köln um die Krone 'peinlichster­ Verein' streiten.

    Von Spottexperte, am Di 1.Mai. 19:06
  3. Hier kommen UNZÄHLIGE Kommentare nicht an!!

    Von Jana, am Di 1.Mai. 18:49
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  4. Exakt, Holger, du hast recht, Babbel will jetzt­ offenbar auch gegen Preetz den Wettbewerb „Wer ist das­ größte Arschloch“ gewinnen. Ich würd mich ja schön­ bedanken als Hoffenheimer Spieler. Gut spielen, ok,­ aber des Spiels wegen und nicht für des Herrn Trainer­ persönliche Befindlichkeiten. Hat er in Hoffenheim­ Bäume ausgerissen, dass ihm alle zu ewigem Dank­ verpflichtet sind? Babbel überschätzt das öffentliche­ Interesse an seinem „Der hat das und das­ gesagt“-Kindergarten gewaltig.

    Von gurke, am Di 1.Mai. 18:22
  5. Was ist das hier? Meine Kommentare kommen nicht an. Ich­ bin nett und unterstelle technische Gründe, denn ich­ wollte Holger rechtgeben ...

    Von gurke, am Di 1.Mai. 18:04
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  6. Preetz ist an der ganzen Situation Schuld. Wenn er sich­ nicht so bescheuert verhalten hätte, wär Babbel noch­ Trainer und hätte die Saison ordentlich zu Ende­ geführt. Auch wenn er nicht verlängern wollte.­ Verletzte Eitelkeit ist ein schlechter Begleiter, Herr­ Preetz. Egal ob wir den Saisonabschschluss 1. oder 2.­ BL. spielen, Sie Herr Preetz, sollten sich nun endlich­ vom Acker machen.So viel Mist wie Sie gebaut haben,­ wäre jeder andere schon längst rausgeflogen.Nehmen Sie­ den Gebauer gleich mit. Sie können sich ja mit Skibbe­ zusammentun. Dann haben wir gleich zwei Leute ,die­ keine Ahnung vom Fußball haben

    Von , am Di 1.Mai. 17:10
  7. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    @cornelius - ist er damit besser als Preetz ?????­ mitnichten …………

    Von Holger, am Di 1.Mai. 16:19
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  8. Relegation für Hertha,Abstieg für Köln.

    Von gorden, am Di 1.Mai. 16:15
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  9. @Holger was erwartest du denn nach der letzten Aktion­ von Preetz, das es da nen Konter von Babbel geben würde­ war doch klar. Ich halte auch nicht viel von diesem­ Theater aber diese Reaktion wurde ganz klar von Preetz­ provoziert.

    Von cornelius, am Di 1.Mai. 15:23
  10. Kommentar nicht angezeigt durch zu niedrige Bewertung. Zeigen

    greift nicht an, sondern tritt nach - unterste­ Schublade - Markus Plappel

    Von Holger, am Di 1.Mai. 15:07
  11. Die letzte Kugel hat sich Babbel für Hertha aufgehoben!­ Knall Sie ab...

    Von armin, am Di 1.Mai. 15:05
  12. Ich zweifle ganz ehrlich niemals an Preetz-liebe für­ Herta , aber Ich zweifle seit Jahren an seine­ Fähigkeiten , was mir bis jetzt ein Rätsel geblieben­ ist , wie man ihn bis jetzt duldet , und das schlimmste­ ist , Er glaubt immer noch Er wäre der Richtige , auch­ wenn Herta absteigt , was zu 99,99% der Fall sein wird,­ absolut traurig für die Haubtstadt , oder vielleicht­ will man weitermachen nach dem Motto arm aber sexy ;-)

    Von FC-Bauern-Dusel, am Di 1.Mai. 14:48
  13. Es wäre doch ein Filmreifer Abschluss dieser­ "Farce" erst bringt Babbel die Hertha in die­ BuLi zurück, dann wird er verjagt und tritt die Hertha­ mit Hoffenheim in die 2. Liga zuürck. Ich zumindest­ würde das sehr amüsant finden, weil dann bekommt Hertha­ bzw. Preetz das was er verdiehnt.

    Von cornelius, am Di 1.Mai. 14:38
  14. Babbel und Hertha sind keine Diskussion wert

    Von Gunnar, am Di 1.Mai. 14:01
  15. Liebe Hoffenheimer, macht sie platt und spielt für­ Markus!!

    Von Actrospower, am Di 1.Mai. 13:46
  16. Wenn sihc miene Hertha nicht bedingungslos den Ar...h­ aufreist und bis zum umfallen kämpft, um letztlich zu­ gewinnen, heisst es am Montag in der bild: "Babbel­ brachte sie nach einst nach oben - und jetzt wieder in­ die 2. Liga."

    Von dreba16, am Di 1.Mai. 13:37
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