Fr 04.Sep. 16:14
Ja ist denn heut' scho Weihnachten? Ein Besuch auf der Eurobike in Friedrichshafen versetzt Radfans irgendwie zurück in Kindertage. Mit großen Augen steht man vor all' den glänzenden Herrlichkeiten und weiß gar nicht, wo man zuerst hingehen und -sehen soll. Überall Maschinen und Material vom Allerfeinsten und Allerneusten: Gut, dass man nicht mal was kaufen könnte, wenn man wollte.
Dafür ertappt man sich dabei, wie man nach Seiteneingängen Ausschau hält, an denen man unbeobachtet einen unauffälligen Kleintransporter beladen könnte...
Aber wir sind ja nicht nur zum Spaß da. Sondern nutzen die Gelegenheit zu etlichen Gesprächen mit den Profis, die für ihre diversen Ausrüster an den Bodensee gekommen sind. Endlich mal die Möglichkeit, ohne die Hektik eines Rennens, den prüfenden Blick eines Teamverantwortlichen oder acht Journalisten-Kollegen im Schlepptau ein paar Hintergründe zu erfahren.
Merckx? Welcher Merckx?
Im Verlauf eines langen Tages lässt sich dabei manch' nette Szene erleben. Erik Zabel etwa ist selbst auf einer solchen Fachmesse so gefragt, dass unser Gespräch regelmäßig für Autogramme und Fotos kurz unterbrochen wird (das Interview gibt's in den nächsten Tagen). Mario Cipollini hingegen schlendert zwar höchst fotogen, aber irgendwie missmutig um die Stände. Gerade fragt man sich, ob er genervt ist, weil ihn keiner erkennt - da wird man eines besseren belehrt. Denn "Cipos" Laune verschlechtert sich nochmals, als er von drei Landsleuten um ein Bild gebeten wird.
Der im übrigen weiterhin in den Punkten Frisur, Figur und Fashion bestechende Ex-Weltmeister befindet sich aber mit seiner relativen Anonymität in bester Gesellschaft. Denn am Stand von Rad-Legende Eddy Merckx hat das Personal für die Autogrammstunde sehr optimistisch geplant. Stapelweise Karten des einstigen Alles-Siegers liegen parat, doch nur sehr sporadisch wird das Angebot wahrgenommen. Wir sind eben nicht in Belgien.
Doch auch in der bunten Wunderwelt holen einen die Schattenseiten des Profisports ein - und zwar wie eine kalte Dusche. Während man gerade mit zwei deutschen Profis über die aktuellen Transfergerüchte spekuliert, kommt die Lautsprecherdurchsage: "Die Autogrammstunde mit Riccardo Ricco am Stand XY beginnt in Kürze!" Kurzes Schweigen und lange Blicke folgen.
Pin-up & Blues Brothers
Irgendwie tut es danach besonders gut, hautnah zu erleben, dass der Profi-Straßensport ja nur einer von vielen Aspekten auf der Messe ist. Gibt es nicht nur BMX-Artisten, gefährlich blickende MTB-Downhiller oder schweißsparende E-Biker, sondern eben auch alles für die breite Basis des Radsports: Vom Laufrad für die absoluten Einsteiger über Windschutzscheiben für Kindersitze, die neusten Hundkörbe zum Transport der wahren Liebsten bis zu den High-end-Modellen bei Reise- und Liegerädern und den angesagten stylishen Flitzern für die urbane Avantgarde. Vom Zubehör für alle Lebenslagen ganz zu schweigen.
Aber zugegeben: Die meiste Zeit verbringt man dann eben doch bei den üblichen Verdächtigen mit engem Bezug zur ProTour. Da gibt's dann auch etliche nette Devotionalien zu entdecken. Trikots in Gelb, Rosa oder Weiß sind ja fast schon Standard, aber etwa das Pin-up-girl am Rad von Mark Cavendish hat man bei der Tour nie so in Ruhe betrachten können. Gleiches gilt für das spezielle Sattelmodell der Schleck-Brüder, wo die Luxemburger im Look der Blues Brothers mit Anzug und Hut verewigt sind. Und bei der Zeitfahr-Maschine von Denis Menchov fragt man sich, ob die kleinen Kratzer wohl vom spektakulären Sturz beim Giro-Finale vorm Kolosseum in Rom stammen.
Am Ende des Tages schmerzen die Beine dann wie nach einer langen Ausfahrt, der Marathon durch die Hallen hinterlässt Spuren. Man nimmt sich energisch vor, dringend wieder mehr selbst zu fahren und verabschiedet sich mit wehmütigen Blicken von der Fahrrad-Feinkost. Streng muss man sich in Erinnerung rufen, dass die Zahl der Trainingskilometer mindestens dem Verkaufspreis des Wunschrades entsprechen sollte.
Die Rückkehr in die Realität ist nach so einem Abstecher immer hart. Am nächsten Tag wieder das mangels Unterstand wortwörtlich mit allen Wassern gewaschene Alltagsrad für die 830 Meter zur Redaktion zu satteln, war ein Kulturschock.
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frag mich grade, wer bei der tour die geilen hupen auf dem bild am ehesten am lenker gehabt haben könnte...
sehr starkes foto. guter blog. mal etwas aus dem (seelen)leben eines redakteurs erfahren. aber ein großer radfahrer scheinen sie ja wirklich nicht zu sein herr schulz...bei lediglich 830m täglich 
Eine überzeugende Darstellung des Vollzugs der allgemeinen und verschärften Menschheitsverblödung und der Herr es-Mitarbeiter mittendrin.
die geilsten Hupen gibt´s immer noch bei der Siegerehrung - hehe
Dem Beitrag 4 kann ich nur zustimmen....
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