Sa 25.Jul. 23:46
Drei Wochen lang sind wir immer wieder gebeten worden, doch mal ein wenig über unseren Alltag bei der Tour zu berichten. Na gut - überredet.
Aber Achtung, Vorwarnung: Das Tour-Treiben ist viel weniger elitär, glamourös und spektakulär, als mancher Fan vielleicht denkt. Und selbst die aufregenden Aspekte werden zwangsläufig über die Dauer zur Routine, wie in jedem anderen Arbeitsumfeld auch.
Also - hinein ins Kommentatoren-Leben:
Neutraler Start: Der Wecker klingelt, je nach Typ, anstehendem Fahrtpensum und Übertragungsbeginn zwischen 6:00 und 8:00 Uhr. Manchmal gelingt es, vor dem Frühstück noch eine Laufrunde zu drehen (ok, ist eher die Ausnahme).
Scharfer Start: Abfahrt vom Hotel zum Etappenziel, wo die TV-Kabinen stehen. Unterwegs Teambesprechung, Zeitungsstudium, Notizen zur Strecke. Und der Start? Das Tour-Dorf mit seinen Ständen? Der intime Plausch mit Fahrern und Betreuern? Tja - ich hatte ja angekündigt, dass man sich keine Illusionen machen soll. Kontakt wird per Telefon oder SMS gehalten, persönliche Treffen gibt's nur am Ruhetag.
1. Sprintwertung: Ankunft im Ziel, nach meist etwa anderthalb Stunden Fahrt (können im Extremfall aber auch vier sein). Kabine checken, Wohnmobil entern, Computer einloggen. Intensive Vorbereitung auf die Übertragung, Feinschliff an den Unterlagen, Info-Austausch mit Redaktion und Kollegen, Beobachtung des bisherigen Verlaufs der Etappe.
1. Bergwertung: Es wird ernst, Beginn der Live-Übertragung. Volle Konzentration an allen Fronten: Renngeschehen, Ergebnis-Computer, Radio-Tour, Regie-Kommandos. Angriffe auf den Ideal-Ablauf drohen überall: Bildausfälle, überraschend eingespielte Beiträge, schwächelnde Internet-Verbindung, fehlende Übersetzungen für spanische Live-Interviews...
2. Bergwertung: Trotz aller Bemühungen soll es auch bei uns schon zu Pannen gekommen sein. Deshalb hier unser ernst gemeintes Bedauern für alle Namensverwechslungen, Falschaussprachen und taktischen Fehleinschätzungen.
2. Sprintwertung: Nach bis zu fünf Stunden am Mikro ist noch lange nicht Müßiggang angesagt. Ab in unsere fahrbare zweite Heimat (Kilometerstand seit Monaco aktuell 5173) und auf zum nächsten Hotel. Fahrt wieder im Schnitt anderthalb Stunden. Spannung pur, größer als beim Kampf um den Etappensieg: Absteige oder Chateau? Meist weder noch.
Zielgerade: Endlich eine anständige Mahlzeit. Wieder je nach Ort alles möglich auf einer Skala zwischen simpler Nahrungsaufnahme und Hochgenuss. Auch hier meist Mittelfeld. Besprechung der Etappe, Selbstkritik und Austausch mit dem Rest des Eurosport-Teams. Erleichterung, wenn auch die Ex-Profis manches im Rennen nicht verstanden haben.
Mixed Zone: Nach dem Ziel warten zwar keine Dopingkontrollen, doch die Pflicht ruft ausdauernd. Die Unterlagen werden für die nächste Übertragung vorbereitet, die Nachrichtenlage nochmals gecheckt und das gesammelte Info-Material ausgewertet. Krönender Abschluss: Der Blog. Massage? Fällt leider aus. Feierabend ist leider zu oft zu weit nach Mitternacht.
Fehlen wird uns nach diesen drei Wochen...
- das Rennen, deshalb waren wir schließlich da
- großartiges Wetter, da gab's aus der Heimat ja eher Hiobsbotschaften
- das Eurosport-Team, besonders die nicht zu erschütternde gute Laune von Jacky Durand, die Schlitzohrigkeit Sean Kellys und der Anblick der Verlobten von Richard Virenque
- herrliche Landschaften, kleine Familienhotels und raffinierte Gaumenfreuden
- die Stimme unseres Navis, die uns überraschend selten bat, "wenn möglich und erlaubt" bitte zu wenden
Nicht vermissen werden wir...
- seelenlose Unterkünfte im Industriegebiet, sogenannte 'Pizzen', müslifreie Frühstückszonen mit Tiefkühl-Croissants
- das, was man hier für eine Bettdecke hält
- Fertig-Sandwiches jeder Art, inzwischen sogar unabhängig vom Belag
- die klebrigen Klappstühle in der Kommentatoren-Kabine
- den Wasserhahn im WC-Wagen bei der Tour: Die etwa 300 bar Druck sorgen dafür, dass man nach dem Händewaschen im Hüftbereich einen leicht inkontinenten Eindruck macht
- kleine Biere zu großen Preisen
In diesem Sinne: Schöne Grüße von der A7 Richtung Paris - und Danke fürs Zuschauen,
Karsten, Ulli und Andreas
Alle Einträge in der Übersicht
Wie immer ist es eine Freude den Blog von Andreas zu verfolgen. Wunderbar!
Also für mich klingt die Schilderung wie ein Traum. Reporter bzw. Kommentator wäre wirklich ein Traumjob für mich! Sucht ihr noch Praktikanten oder so? Besorge auch gerne leckere Croissants oder schmiere eigene köstliche Sandwiches 
Sau geiler Blog mal wieder heute zu so später Stunde... Ihr seid die besten. Vielen Dank für die Berichterstattung dieses Jahr.
Fand es einen sehr gelungenen Mix. Bewundernswert wieviel kulturelles und historisches Fachwissen Ulli Jansch jeden Tag parat hat für quasi alles was sich am Wegesrand befindet (das würde mich wirklich mal interessieren wo das alles her stammt)...
Auch die kritische Berichterstattung immer wieder zwischen durch ist nicht zu kurz gekommen. Da wurde ein angenehmes Maß gefunden. Finde es sehr löblich, dass dort heikle Themen konsequent angepackt werden und somit auch der Auftrag der umfassenden Informationsvermittlung gegenüber dem Zuschauer wahrgenommen wird... Daumen hoch dafür
Echt, wirklich echt witzig... Muss man sich's überlegen, ob man da tauschen möchte... nicht wirklich.
Was fahren Sie den für ein Wohnmobil?
Werde die extrem lesenswerten Blogs bald vermissen.
In der Tat ein wunderbarer Blogeintrag. Eigentlich schon über die ganze Tour mit dem Highlight Zwischenzeugnis für einzelene Fahrer. Andreas muss einfach auch mal beim Giro mit dabei sein, vielleicht verrechnet sich dann Janschi nicht wieder. ;)
Neugierig bin ich ja jetzt schon, wenn Andreas schon so für die zukünftige Madame Virenque schwärmt. Ein Foto wäre da nur angebracht, oder? ;)
.. kann da das Anliegen von Dirk zu 100 Prozent unterstützen... Französische Madame's - olala..tres chiq 
nächstes jahr wieder bitte
Das war der beste Blogg der ganzen Tour. Eben das beste zum Schluß.
Oder gibts morgen noch einen Abschließenden Abschiedsblogg. Wäre geil!
Hervorragende Kommentare die ganzen drei Wochen lang - super Leistung!
Danke an das KommentatorenTeam insbesondere,aber natürlich auch an alle eurosport-beteiligten.Schön,daß es Radsportübertragungen in dieser Form noch gibt.Find ich persönlich sehr angenehm und habs sehr regelmäßig verfolgt,weil mit Charme und fundiertem Hintergrundwissen,aber immer mit Leidenschaft vorgetragen.
Naja, da wurde doch bestimmt der Teil mit den französichen Damen vergessen
Aber im Ernst, Danke für die drei Wochen voller Infos von Euch dreien!
Sehr gut gemacht Ihr drei. Vielen Dank für die super Berichterstattung, aber nicht nur zur Tour, sondern für die gesamte Saison.
Eine wunderbare Zeit geht leider zu Ende.Eure Kommentare alle drei!!!!!waren gut und nicht nur so Doping erfragend wie im öffentlich-rechtlichen.
Eure Übersetzungen der Statements gut und ich freue mich auf die Vuelta.
Hoffentlich wieder auf gute und manchmal auch lustige Statements.Cao.
hehe, sehr nett geschrieben. ihr werdet aber trotzdem verzeihen, wenn ich nicht vor mitleid vergehe ;)
alldieweil, es war mal wieder - trotz gelegentlicher schwächen, und der nervensäge migels ;) - eine nette zeit mit euch. haltet die ohren steif und bis zur nächsten rundfahrt.
mfg
Dann mal gute Schlussetappe für euch. Ist schon klar, dass das alles nicht immer einfach ist. Zu den TV- Kommentaren kann ich nur sagen, meins ist es nicht. Bitte nicht persönlich nehmen. Ich schätz auch mal, viel liegt am Sender und den Sponsoren. Da wird euch viel aufdoktriniert. Ein falsches Wort und kein Aas guckt mehr ES in Spanien, wenn ihr mal über Contador was wahres sagen würdet. Mir ist es einfach zu wenig kritisch und zu wenig sarkastisch. Aber das ist meine persönliche Meinung.
Das waren 3 tolle Wochen! Toll, dass Ihr mal von Eurer täglichen Arbeit berichtet. Die Tour ohne Euch ist gar nicht mehr vorstellbar! Weiter so! Grüße an die ganze Eurosport Crew! Bis zur Vuelta!
Nochmals Dankeschön ans ganze Eurosport-Team !
Super geschrieben! War zwar nur 5 Tage live dabei, aber die Fehlen-/ nicht vermissen-Liste könnte auch von mir sein...absolute Zustimmung! Nicht vermissen werde ich auf jeden Fall die Stadt Bourgoin-Jallieu, die war ja nur hässlich! (war da bei der Einschreibung und habe dort mit dem Camper übernachtet)...
Ward ihr das eigentlich, die mich, als ich vom EZF nach Bourgoin-Jallieu auf der Autobahn gefahren bin, mit einem kleinen Womo mit der Aufschrift EUROSPORT überholt habt???
Hallo Ihr Drei, das Beste zum Schluß. Andreas einfach Spitze. Ich werde Euch vermissen. Was mache ich denn jetzt, wenn ich nicht mehr von der Arbeit nach Hause hetzen brauche. Es ist schon seit Jahren so, dass ich den 3 Wochen mit Eurosport nachtrauere. Aber bald ist ja wieder eine Rundfahrt angesagt.
Habt Ihr nochmal was Neues von Jens gehört, wie geht es ihm?
Ich wünsche Euch einen schönen Abschluß heute und erholsame Ferien ab Morgen.
Zum letzten Mal bei der Tour - Viele Grüße aus Mönchengladbach Eveline I miss u
ach ja und übringens "oe" ist in NL und B "u".
Ich verfolge das Tourgeschehen schon seit Jahren mit Spannung, woran auch teilweise ihr drei Schuld seid. Ich möchte mich den Grußworten hier anschließen und euch und dem gesamten Eurosport-Team Danke sagen. Ich freue mich schon unvorstellbar auf die 97. Auflage und hoffe derweil auf die anderen großen Rundfahrten.
Übrigens, der Blog war die Krönung. Vielleicht könnten Sie auch in Tour-freien Zeiten ein paar Einträge schreiben. Würde mich überaus glücklich machen.
Weiterhin so viel Spaß und Leidenschaft auf zwei Rädern
mfg
Lustig. Danke, daß wir mal Einblick bekommen da rein, wie Sie da da so empfinden. Habe gerade echt gelacht. Sie alle sind sehr nett, haben einen tollen Job gemacht. Ich werde Sie und die Tour auch vermissen. Teile nur nicht, was Sie eben noch über das Mannschaftszeitfahren sagten, daß Sie meinen, die Zeit sollte wieder gedeckelt werden. Finde ich nicht.
Hartes Leben diese drei Wochen! Recht vielen Dank an Euch für die Übertragung!
Weiterhin viel Spaß mit dem Radsprot! Vielleicht nächstes Jahr wieder in Toulouse!
Gruß Gunter
Überragender Blog, hoffe dass der gute Herr Schulz auch bei der Vuelta dabei ist
. Wäre super, damit einer Jansch und Migels mal zur Ordnung ruft wenn sie hin und wieder die Übersicht verlieren. Alles in allem hat das ganze Team einen super Job gemacht, merke immer mehr dass das auch was für mich wäre...Auf jeden Fall ein großes Dankeschön an das ganze ES-Team!
Zu Vochte: Beim ZDF war er im Interview zu sehen; es geht im recht gut, er scherzt schon wieder, sieht allerdings grausig aus
...
Erst einmal herzlichen Dank an Eurosport für die super Übertragung von der Tour und einen speziellen Dank an Euch Drei. Mein Recorder lief jeden Tag und die Vorfreude auf die Etappe am Abend hat mir den Arbeitstag versüßt. Ihr werdet mir fehlen in den nächsten Wochen. Ich hoffe sehr, dass Ihr in dieser Besetzung zur Vuelta wieder zur Stelle seid. Und der Blog war natürlich absolute Spitze!
Bis bald und Grüße aus Rostock!
Peter
Runder Abschluß einer wunderbaren Tour. Ein kleiner Trost vielleicht. Ihr Reporter seid unterwegs für die schönste Radsportveranstaltung der Welt. Ich beneide Euch manchmal wirklich.
Danke für die tollen und interassanten Blog's !!!
Freu mich schon auf die nächste Tour,war mal wieder
eine super Berichterstattung von euch Drei'n !!!!
Schöne Grüße aus dem Harz
Kompliment und dank fuer diesen blog waehrend der tour. grosses kompliment an sie herr schulz. klasse arbeit. besonders der gestrige eintrag hat es mir angetan. allererste sahne. gruss aus turkiye.
Na, das weiß man doch schon etwas mehr. Sehr fein, eine enge Verbindung zum Zuschauer ist wirklich mal angebracht. Und die Widrigkeiten mit klebrigen Klappstühlen, wer hätte denn daran mal gedacht?
Viel Glück weiterhin und danke für diese spannenden drei Wochen!
Oh ja, unvergesslich der 300-bar-Wasserhahn im WC-Wagen... Nicht daß es in Colmar schon anderweitig naß genug war 
Danke nochmals für diesen grandiosen Tour-Blog!
würd mich auch interessieren, wie madame virenque aussieht... ich tippe mal auf kurzhaarig und blond.
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