Di 21.Jul. 09:41
Contador vor Armstrong - mit diesem Stand in der Gesamtwertung konnte man nach der zweiten Bergankunft rechnen. Doch dann folgt im Klassement nicht etwa einer der großen Favoriten wie Schleck, Evans, Sastre oder Klöden, sondern ein Mann, der bisher auf dem Bahn-Oval für Furore sorgte.
Bradley Wiggins ist die große Überraschung dieser Tour - und das große Fragezeichen. Wie kann es sein, dass der weltbeste Bahn-Verfolger plötzlich bei den Bergankünften der Tour vorne mitmischt? Ist das möglich, knapp ein Jahr nach seinen beiden Goldmedaillen in Peking?
"Wie die Hölle"
"Großartig - ich weiß einfach nicht, was ich sagen soll", war die erste Reaktion des Briten nach der Bergankunft in Verbier. Zuvor aber war er hinter der Ziellinie fast von seiner Rennmaschine gekippt, so sehr hatte er sich im Kampf um jede Sekunde verausgabt. "Es schmerzte wie die Hölle, aber ich dachte: Denen hinter mir wird es noch schlimmer gehen", beschrieb er das Finale. Wie schon in Andorra schlug sich der 29-Jährige im Duell mit den etablierten Kletter-Spezialisten.
Doch woher kommt diese Steigerung, wie erklärt sich die Metamorphose vom 4000m-Spezialisten zum Rundfahrer? Wiggins setzt 2009 erstmals in seiner Karriere voll auf die Straße. Auf der Bahn hat er mit sechs WM-Titeln und dreimal Olympia-Gold alles erreicht, nun möchte er sein Potenzial abseits der Hallen ausloten.
Nach dem frustrierenden Abschluss in Peking, wo er im Madison-Wettbewerb gemeinsam mit Mark Cavendish als Top-Favorit Gold verpasste, war eine neue Herausforderung angesagt. In seinem neuen Garmin-Team ist man von der Klasse des in Belgien geborenen Familienvaters überzeugt und baute ihn gezielt Richtung Tour auf.
"Bin nicht überrascht"
Mit umgestelltem Trainingsprogramm und dem Verlust etlicher Kilos bringt der 1,90m-Mann nun bergan deutlich mehr Leistung und kommt die langen Anstiege deutlich schneller hinauf. Noch nie in seiner Laufbahn hatte er bislang versucht, seine wirkliche Klasse beim Saisonhöhepunkt im Juli auszutesten. Bei seinen beiden bisherigen Tour-Starts 2006 und 2007 war seine Rolle noch die des Zeitfahr-Spezialisten und gelegentlichen Ausreißers, der bei den schweren Bergetappen Kräfte spart.
Sein Wandel lässt sich vielleicht am anschaulichsten mit einem Vergleich aus der Leichtathletik veranschaulichen: So wie dort viele Mittelstreckenläufer mit zunehmendem Alter auf längere Distanzen wechseln, so entwickelt sich jetzt Wiggins, um im Vergleich zu bleiben, vom 1500m-Ass zum Marathonläufer. Bislang mit großem Erfolg, doch für ihn nicht unerwartet: "Ich bin von meiner Leistung nicht überrascht, sondern nur von der Platzierung", erklärte er am Ruhetag.
"Ich habe eine tolle Form und blicke jetzt einfach von Tag zu Tag", wollte er sich nicht zu sehr in die Karten schauen lassen. Mit Recht, denn die für ihn schwersten Etappen stehen noch an. Bergankünfte ohne große Schwierigkeiten zuvor wie in Verbier und Arcalis sind etwas anderes als eine Etappe über mehrere harte Anstiege - auf solchem Terrain wird er sich nun durchbeißen müssen.
Sein Teamchef Jonathan Vaughters rechnet aber nicht mit einem Einbruch. "Wir haben wirklich vor, ihn mit dieser starken Ausgangssituation zum Zeitfahren in Annecy zu bringen". Und dann wäre noch mehr möglich, denn im Kampf gegen die Uhr dürfte er etliche direkte Konkurrenten klar dominieren.
Offene Rechnung
Mit der Tour hat der laut unseren englischen Kollegen höchst eigensinnige und teilweise schwierige Wiggins noch eine Rechnung offen: Im Juli 2007 musste er sie mit seinem Cofidis-Team zwangsweise verlassen, weil Teamkollege Cristian Moreni als Doper erwischt wurde. Im Vorjahr war er nur Zuschauer, stellte aber fest: "Saubere Fahrer haben inzwischen weitaus bessere Chancen, konkurrenzfähig zu sein."
Gesagt, getan: Mit einem Wechsel zu Garmin unterstrich er seine Ambitionen ebenso wie seine Rückendeckung für saubere Leistungen. Der Rennstall verfügt nicht nur über ein striktes internes Kontroll-Programm, sondern der Kampf gegen Doping ist dort eine Glaubenssache und nicht nur lästige Staffage.
Nun hat bei den Bildern des völlig fertigen Wiggins im Ziel in Verbier sicher nicht nur ich schnell an einen anderen Shootingstar denken müssen. War nicht vor einem Jahr gerade der Fast-Zusammenbruch von Bernhard Kohl in Alpe d'Huez als Zeichen seiner Sauberkeit gewertet worden? Ja - und nicht nur deshalb bleibt das Staunen über Wiggins von Zweifeln begleitet. Zu oft schon haben überraschende Leistungssprünge, ob mit oder ohne plausibler Erklärung, als Betrug entpuppt.
Was Wiggins aber irgendwie trotz allem sympathisch macht, ist sein offener Umgang mit diesem Problem, der sich von etlichen Konkurrenten abhebt. Nach dem Coup in Andorra richtete er eine klare Botschaft an seine Fans: "Glaubt weiter an mich: Ich bin kein Bernhard Kohl!"
Schöne Grüße aus den Alpen,
Andreas Schulz
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Was ist denn nun das Wunder dieser Tour, ein fliegender Contador(Auge),die vielen Finaldritten, die es noch nicht wissen,...it's showtime, nein , das Höllenfinale muss hier (nur!) weitergehen. Bis zum dreizehnten ist es noch hin,vielleicht wird es ja zum siebzehnten mal klappen?!
Ich hoffe das er sauber ist aber das ganze scheint doch recht unglaubwürdig.
Der müsste ja ein Riesen-talent in die Wiege gelegt bekommen haben.
Naja ob sauber oder nicht wird man hoffentlich noch irgendwann erfahren können auch wenn erst in 10 Jahren ist.
Aber was ich momentan sehr interessant ist das es bisher keinen Dopingfall gab. Hoffe mal das da nicht wegen dem Prestige der Tour mit irgendwas gewartet wird. Das "Glaubt weiter an mich: Ich bin kein Bernhard Kohl!" überzeugt wohl niemanden mehr. Haben doch alle gesagt das sie nie gedopt haben und am Ende wars systematisch seit der Jugend.
Naja, dürfte genauso glaubwürdig sein wie die Leistung von Lance Armstrong in den letzten Jahren.
hm, ich denk mal, der Wiggins hat eine ähnliche Statur wie Voigt ... ich kann mich nicht erinnern, dass der bei einer 3-Wochen Rundfahrt mal solch konstante Leistungen bringen konnte. Wie ist das möglich? Jeder weiß, dass Voigt ein Arbeitstier ist und mit ihm in Berlin selten einer länger trainiert, weil er sie alle selbst dabei ohnmächtig fährt ... Zweifel sind also immer angesagt, so Leid es mir tut.
@farellion: Du meinst, beim Marathon war er auch gedopt?
@skapiert: auch wenn ich mich wiederhole: den Stellenwert der TdF begreift man nicht ohne sie erlebt zu haben! Und deutsche Journalisten sind am wenigsten in der Lage ihr ans Bein zu pinkeln.
wie schwer ist Wiggins heute und wie schwer war er vor seinen "diäten"?
ich hoffe, er und viele andere fahrer greifen den bluffer armstrong richtig an, damit diese tour nicht in ebenso schlechter erinnerung bleiben wird, wie 5 ihrer vorgängerinnen, als lance überhaupt nie angegriffen worden ist!
und leider wieder mal führt die gute leistung eines fahrers nur zu doping diskussionen.
schade, und sicher kann das sein. schade für den sport, und schade für den radsport ganz speziell
@wistushiva
Gute Frage, hätte ich mal in den Text packen sollen.
Also, Wiggings wiegt anscheinend bei 1,90m Größe jetzt 71 Kg, früher waren es den meisten Angaben folgend 77 Kg. Über zwei Jahre soll er also knapp 10% seines Körpergewichts verloren haben.
Schöne Grüße,
Andreas Schulz
es wird zeit, dass all die doper (überführt) und nicht überführt wie z.b. armstrong aus dem radsport aussteigen (müssen). und dirécteurs sportifs wie Stapleton gehören gesperrt! wie lange galt z.b. Holzer als musterknabe? und dann das dicke ding mit den gerolsteiner kohl und schumacher!!!
hmm der unbekannte dritte erinnert mich an bernhard kohl vom letzten jahr... ein dopingkönig wie armstrong und contador... also nehem ich mal an der dritte im bunde auch
@eurosport_online: Hallo Andreas, d.h. aber auch, dass er jetzt noch mehr wiegt als Voigt ... und nun könnten wir mal eine Analyse der Watt-Werte anstellen
Was muss Wiggins bringen im Verhältnis zu Jens Voigt? ... also doch ein "Überflieger" ...? Nein, ich trau ihm erst Mal.
@jasaralghanim: das ist jetzt aber doch ein bisschen zu viel Blafasel von anderen, oder?
So ungewöhnlich ist die Entwicklung vom Bahnfahrer zum Rundfahrer nun auch wiedér nicht, zumal Wiggins ja auch kein reiner Sprinter war. Lance war zu Beginn seiner Karriere auch kein besonders guter Bergfahrer. Mit 10% weniger Gewicht fährt jeder den Berg schneller rauf. Ich hoffe, dass das seine Leistungssteigerung erklärt, aber man weiß ja nie!
ps Der Blog ist übrigens mit das Beste was Eurosport zur Tour zu bieten hat!!
ich kann es fast nicht glauben ,dass noch kein doper entlarft wurde.entweder sind die doper so professionell gut oder die fahnder so langsam????
zum doping: die fahnder wollen nicht! imageschaden für die tour.
zum gewicht und bergfahren: klar je weniger gewicht, umso leichter klettert es sich. aber meist geht mit dem gewichtsverlust auch ein grosser kraftverlust einher!
Wie schon öfter gesagt, die Tour mit Eurosport ist einfach genial. Andreas ich finde es schade, dass es bald vorbei ist.
Aber was wäre es schön, wenn man einfach mal wieder die guten bis superguten Leistungen der Sportler genießen und hinnehmen könnte, ohne das leidige Thema Doping gleich in gleichem Atemzug zu nennen. Laßt das doch einfach mal draußen und kommentiert einfach nur die Leistungen, wenn Ihr Euch mit dem Radsport auskennt und schon mal auf 'nem Rad gesessen habt und wißt was es heißt in 3 Wochen über 3.500 km zu fahren. Warum müssen wir Deutschen uns alles immer nur mies machen???????? Einfach schade.
Wie schon öfter gesagt, die Tour mit Eurosport ist einfach genial. Andreas ich finde es schade, dass es bald vorbei ist.
Aber was wäre es schön, wenn man einfach mal wieder die guten bis superguten Leistungen aller Fahrer genießen und hinnehmen könnte, ohne das leidige Thema Doping gleich in gleichem Atemzug zu nennen. Laßt das doch einfach mal draußen und kommentiert einfach nur die Leistungen, wenn Ihr Euch mit dem Radsport auskennt und schon mal auf 'nem Rad gesessen habt und wißt was es heißt in 3 Wochen über 3.500 km zu fahren. Und genießt die tollen Bilder und die Stimmung am Rande. Warum müssen wir Deutschen immer alles verderben und mies machen???????? Einfach schade.
es lebe die TOUR...
ist doch toll.
übrigens die tolle leistung von NIBALI sollte man auch erwähnen. ich glaube er wird die zukunft deutlicher prägen als WIGGINS. ist doch super spannend.
@Wiggins: stimmt, der wurde Dritter! 
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