Sa 12.Jul. 01:03
Die Bilder der Fußball-EM sind den Fans noch vertraut: Die Nationalelf steigt aus dem Bus, grüßt kurz und verschwindet dann im hermetisch abgeschotteten Hotel in Tenero, das der DFB über Wochen komplett gebucht hat. Von solchen Verhältnissen ist die Tour de France noch weit entfernt, immerhin sind den dienstälteren Journalisten-Kollegen und den Ex-Profis aus den achtziger Jahren noch jene Zeiten gut in Erinnerung, als die Fahrer in Turnhallen und Gruppenschlafsälen untergebracht wurden. Inzwischen sind es zumindest echte Hotels, in denen die Profis nach den Etappen absteigen - über die große Bandbreite in diesem Segment ein andernmal mehr. Wie die Mannschaften sind auch wir jeden Abend aufs Neue gespannt, welche Überraschung die Quartierliste diesmal bereithält. Heute gab es doppelt Grund für zufriedene Gesichter: Das "Grand Hotel de Bordeaux" im Zentrum von Aurillac hat nicht nur erfreulich geräumige Zimmer zu bieten, sondern auch noch das Team Gerolsteiner als Mitgäste.
Was bei einem großen Fußball-Turnier undenkbar wäre, ist im Rahmen der wichtigsten Rundfahrt des Jahres kein Fehler der Organisation. Nein, bei der Tour kann man auch einfach mal zwei Rennfahrer im Nebenzimmer haben und entspannt an der Straßenecke über die Etappe plaudern. Auch die Fans kommen ohne unsittliche Angebote an nicht vorhandenes Sicherheitspersonal zu Autogrammen, Erinnerungsfotos und Tuchfühlung zu ihren Idolen.
Selbst die Zimmerbelegung kann jeder Passant ohne Mühe der Liste entnehmen, die am Haupteingang ausgehängt ist - "wer mit wem" ist hier alles andere als ein Geheimnis (Bild). Auch ansonsten bleibt die Tour, trotz aller Skandale, im Alltag zumindest an der Oberfläche weiterhin offen: Erik Zabel und Co. vom Milram-Rennstall lassen den Tag im Straßencafe ausklingen, ihre "Hotel-Kollegen" vom Team Caisse d'Epargne sind derweil noch im Speisesaal und öffnen eine Flasche Champagner auf den Etappensieg von Luis Leon Sanchez.
Diese entspannte Idylle ist aber nur die eine, oft trügerische Seite des Radsports. Einige Kilometer weiter belagern derweil die Kamerateams das "Hotel des Voyageurs" des Team Liquigas, wo die Polizei nach dem positiven Test von Manuel Beltran eine Durchsuchung vornahm. In gewisser Weise hatten die Quartiermeister der Tour aber bei der Verteilung für diese Etappe ein glückliches Händchen: Kein anderer Rennstall war im selben Hotel untergebracht und wurde durch die Aktion unverschuldet gestört. Das war 2007 anders: Als am Ruhetag in Pau nach dem Bekanntwerden des Skandals um Alexander Winokurow das Astana-Hotel stundenlang von den Ermittlern hermetisch abgeriegelt und den Journalisten umzingelt wurde, traf dies nicht nur die kasachische Mannschaft, sondern gleichzeitig auch die dort wohnenden Fahrer des französischen Teams ag2r, die unverschuldet zu einem Tag "Hausarrest" kamen.
Manuel Beltran wird nie wieder auf einer Hotelliste der Tour stehen - und man selbst hofft plötzlich nur, dass alle im eigenen Hotel ein reines Gewissen haben.
Die Zahlen hinter den Fahrern könnten auch die EPO-Einheiten sein... Aber nein... - ich wünsch euch Ruhe und Beschaulichkeit des Nächtens und niemals eine kreischende Polizeisirene, die den Schlaf unterbricht. Schönes Wochenende in den Bergen - auch wenn ihr's wohl nicht genießen könnt...
beltran, ein einzelfall? bleibt zu hoffen...
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