Um Reifenbreite

Andreas Schulz

GZSZ bei der Tour

Do 16.Jul. 11:03

Dopingschild Tour de France

Noch immer kein Doping-Fall, obwohl schon die Hälfte der Etappen vorbei ist? Knallharte Kritiker sind ebenso verwundert wie fanatische Fans, schließlich rechnet doch fast jeder im Radsport jederzeit mit dem Schlimmsten.

Auch wir können es noch kaum fassen: Kein Anruf, der mit dem berühmten Satz aus den Vorjahren beginnt: "Wisst Ihr schon…?" Kein Blitzeinsatz mit Kamerateam an irgendeinem Teamhotel, keine schnell einberufenen Pressekonferenzen der Tour-Spitze.

Das alles fehlt mir nicht, aber ich kann auch dem Frieden nicht richtig trauen. Zu viel ist im Radsport schon passiert, zu eindeutig sind die Fakten aus vielen Kontrollen, Geständnissen und Ermittlungen. Zu oft sind wir alle belogen, ge- und enttäuscht worden.

Aber dennoch hat jeder Fahrer weiter ein Recht auf die Unschuldsvermutung und die Betrachtung seines Einzelfalls. Vor allem, solange er weder durch extreme Leistungen, fragwürdiges Umfeld oder seltsame Aussagen auffällig wird. Alle über einen Kamm zu scheren, wird der Sache nicht gerecht – weder bei Radprofis noch bei Bankern, Politikern, Versicherungsmaklern oder Journalisten.

Hoffnungsschimmer

Die Tour 09 war bisher bezüglich der großen Frage der Sauberkeit eine Folge GZSZ: Gute Zeichen, schlechte Zeichen.

Einerseits kommen ausgesprochen viele Etappensieger aus Teams, die sich internen Kontrollprogrammen unterwerfen – was bei allen berechtigten Zweifeln an diesem Instrument in meinen Augen weiterhin in der Regel ein gutes Zeichen ist. Dazu haben Fahrer und Rennställe herausragende Ergebnisse erzielt, die als Einzelperson oder Mannschaft schon seit Jahren als Vorreiter im Kampf gegen Doping auffällig geworden sind:

Nur drei Beispiele. Ob Thomas Voeckler als Sieger oder Sandy Casar bzw. das Garmin-Team als Zweite auf ihren Etappen: Zumindest an einzelnen Tagen scheint auch bei der Tour ein Topergebnis für saubere Sportler möglich zu sein. Das macht Hoffnung und ist auch mehr als ein Pfeifen im dunklen Wald.

Denn es ist ja nicht nur das naive Wunschdenken von uns Kommentatoren, sondern etliche der kritischsten Begleiter des Radsports haben sich in den letzten Wochen und Monaten ähnlich geäußert. Ob Frankreichs Doping-Jäger Pierre Bordry, diverse Forscher aus dem Lausanner Testlabor oder knallharte journalistische Ankläger wie David Walsh oder Paul Kimmage: Sie alle betonten, dass das Fahrerfeld nicht eine große Gruppe lediglich unterschiedlich stark gedopter Profi sei, sondern jede Menge Tour-Starter sauber auf dem Weg gen Paris wären.

Fragezeichen

Gleichzeitig aber darf man sich davon nicht in Sicherheit wiegen lassen: Das medizinische Wettrüsten und der Wettlauf zwischen Betrügern und Fahndern geht weiter. Zahlreiche verbotene Mittel und Methoden sind weiter nicht nachweisbar, neue kommen hinzu und Kontroll-Pannen wie im März bei Armstrong oder zuletzt in Andorra bei Astana zeigen, dass der Kampf mit größtem Nachdruck geführt werden muss. Dass dazu längst nicht alle Teams und daneben der Veranstalter wie der Weltverband nicht immer mit allen Mitteln bereit sind, sollte uns allen Warnung genug sein.

Gerade der dominierende Rennstall der Tour, um dieses naheliegende Beispiel zu wählen, strotzt nur so vor Top-Personal, das jede Menge unbeantworteter Fragen im Gepäck hat. Auch auf die Gefahr hin, mich jetzt bei manchen Fans massiv unbeliebt zu machen: Über Lance Armstrong, Alberto Contador und Andreas Klöden schweben Vorwürfe, die weiterhin nicht endgültig geklärt oder entkräftet wurden.

Und die Fälle von Bernhard Kohl und Co. haben gezeigt, dass auch über den Ergebnissen dieser 96. Tour das Damoklesschwert von Nachtests und neuen Ermittlungen schweben wird – daran werden wir alle uns gewöhnen müssen.

Augenmaß

Kann man da noch halbwegs frohen Herzens die Tour verfolgen? Diese Gretchenfrage stellte Kimmage vor dem Start dem Ex-Doper David Millar, der bei Garmin als hoffentlich geläuterter Saubermann eine zweite Karriere gestartet hat. Die Antwort des Schotten: "Du musst Dir Fahrer auswählen, und das sehr genau. Aber das ist schwierig, wenn man immer wieder enttäuscht wird." Dieses Dilemma wird die Tour begleiten – aber auch alle anderem großen Sportereignisse. Ausbleibende Dopingfälle beweisen nicht, dass plötzlich alles im grünen Bereich ist – aber ein schlechtes Zeichen sind sie trotz aller Vorbehalte nicht.

Schöne Grüße von der Tour,
Andreas Schulz

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  • Bemerkung1 - 15 von 15
  1. Seh ich genauso. Kein Dopingfall, ja nichtmal ein paar Indizien, dass jemand bestimmtes aktuell gedopt ist. Das würde wohl ebenso Fragezeichen hinterlassen. Kann mir nach den letzten Jahren nicht vorstellen, dass nun plötzlich alle zu Vernunft gekommen sind...
    Als intressierter Zuschauer, nicht unbedingt als Fan, schau ich mir die Rennen irgendwie unter vorbehalt an. Man fiebert mit, freut sich wenn jemand sympathisches gewinnt. Dennoch - wie oft wurde man, auch von Saubermännern, enttäuscht. Was wenn in 10 Jahren ein Journalist im Sommerloch auf die Idee kommt die alten Probem mit neuen Verfahren testen zu lassen und haufenweise Zeug festgestellt wird, das jetzt einfach nicht gefunden werden kann? Da ist noch sehr, sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Eine Tour ohne Fälle reicht da bei weitem nicht. Wie wärs denn für den Anfang mal mit nem Jahr? Und dann nochn paar, das würde mich überzeugen.

    Naja diese "kritischsten Begleiter des Radsports" können ja auch nicht endlos kritisch sein. Wenn der Radsport zu sehr an Image, Popularität etc einbüßt, interessiert sich auch keine mehr für deren Kritik.

    gnaulataVon gnaulata, am Do 16.Jul. 11:33

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  2. Als Zuschauer bedaure ich die Verwendung von Doping. Dadurch wurde es möglich, dass Fahrer jeden Tag top waren, ihre Konkurrenz in Grund und Boden fuhren und am Tag darauf alle Konkurrenten kontrollieren konnten. Als Zuschauer gefällt es mir viel besser, wenn ein Fahrer in der ersten Bergetappe voll verausgabt und Zeit gewinnt, im Zeitfahren danach wieder Zeit verliert, etc.
    Die guten und schlechten Tage von Spitzenfahrern gibt es heute kaum. Der Radsport ist so viel besser prognostizierbar und bietet weniger Überraschungen. Das ist schade, denn tausende von Kilometern kaum Aktion im Gesamttklassement macht keine Laune als Zuschauer.
    Die Etappenplanung der diesjährigen Tour hilft da aber auch nicht. :-)

    mtogninaVon mtognina, am Do 16.Jul. 11:51

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  3. fuer mich ist das beste zeichen dieses jahr: es wird keiner ueberfuehrt, heisst noch lange nicht, dass keiner dopt. es sieht vielmehr so aus, als ob es ein gentleman agreement gibt.
    dass fing beim prolog vor dem bus von astana an...

    schnellesradVon schnellesrad, am Do 16.Jul. 11:55

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  4. moin - endlich mal was zu diesem thema.
    bringt die sache ganz gut auf den punkt, aber mal ehrlich. lance hat doch auch schon positive epo-test gehabt, oder täusch ich mich da? hoffe es wird weiter auch echt streng kotroliert, und die deustchen sind diesmal sauberer als schumacher im letzten jahr.

    napfkarl80Von napfkarl80, am Do 16.Jul. 12:27

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  5. das koennte ein grund sein, dass die deutschen hinterher radeln. und dabei haben die die letzten etappen gebummelt

    schnellesradVon schnellesrad, am Do 16.Jul. 12:30

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  6. seit dem kohl gesagt hat, dass er immer gedopt war und nie was entdeckt wurde (bis auf zuletzt) bezweifle ich die wirksamkeit von kontrollen vollends. langsam wird mir klar, warum ulle schweigt. contador und armstrong werden hofiert, valverde gewinnt die dauphiné, die show ist von vorne bis hinten verlogen. es gibt keinen grund sich zu opfern, weil sich nichts ändert.

    xunsinnVon xunsinn, am Do 16.Jul. 13:18

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  7. Ich glaube,dass sich die Zahl der Doper im letzten Jahr deutlich gemindert hat aber es kann nicht sein, dass keiner im Feld gedopt ist. In jeder Rundfahrt befinden sich 20-30 Doper im Feld, welche man später auch ganz vorne wiederfindet Es gibt immer Fahrer die neue Mittel haben, die die Dopingfahnder nicht gut entdecken können

    jbonewitVon jbonewit, am Do 16.Jul. 13:57

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  8. @mtognina

    zur Etappenplanung in diesem Jahr kann man eigentlich nicht viel Negatives sagen: Die erste Woche, früher oft nur mit Massensprints, war top, die Schlusswoche wird ebenso spannend.
    Dass irgendwo auch mal Übergangsetappen mit flachem Profil sein müssen, ist nur fair.
    Allein die Pyrenäen waren ein wenig mau - aber andererseits wäre sonst in der Gesamtertung vielleicht schon ganz die Luft raus...

    Hoffen wir heute mal auf starke Ausreißer,
    schöne Grüße aus Vittel - Andreas Schulz

    eurosport_onlineVon eurosport_online, am Do 16.Jul. 14:04
  9. Ich denke mal, ganz ohne Doping wird es nicht laufen. Eher die neueste Technik und Chemie wird hier Anwendung finden und erst in ein paar Jahren kommen dann die Betrüger wieder ans Licht.

    camelot_65Von camelot_65, am Do 16.Jul. 15:07

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  10. ich find es klasse das die tour nicht vom doping überschattet wird vieleicht ist es enslich mal eine halbwegs saubere tour. das noch etwas kommen wird in sachen doping damit rechne ich natürlich nur zu dem zeitpunkt der tour war in denn letzten jahren schon der ein oder andere fahrer ausgeschieden

    markus.springobVon markus.springob, am Do 16.Jul. 16:54

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  11. xunsinn, gerade dadurch, daß er erwischt wurde, ist doch gezeigt worden, daß es klappt. Die Kontrollen wurden im Lauf der Zeit immer strenger, immer häufiger. Das Netz zog sich langsam zu, jetzt zappelt er darin.
    Hoffentlich zappelt auch bald Astana.

    camelot_65 so mit CERA? Wo die Betrüger dachten, sie seien sicher?
    Die Pharmakonzerne scheinen langsam aufzuwachen - und der Blutpass ist ein Mittel im Kampf gegen 'nicht endeckbares'.

    Fakt ist doch, daß in keinem anderen Sport derartig viel und eng kontrolliert wird. Wenn überall gleich viel gedopt wird, ist es dann nur natürlich, daß im Radsport mehr auffallen.

    nrgman76Von nrgman76, am Do 16.Jul. 17:03

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  12. ich sehe das genauso, wie ein vorkommentator hier. nach kohls aussage, er sei 200 mal kontrolliert worden, bevor ein probe positiv war, weiss man was zu erwarten sein wird. spätestens bei nachtests in ein paar jahren. und der skandal mit den kontrolleuren bei astana und bei epo-lance trainingslager sorgt für ein übriges flaues gefühl. aber der gemeine radsportfan hat sich denke ich arrangiert. man sortiert heutzutage sehr genau, wer auf welcher platzierung ankommt und streicht im geiste seine eigene siegerliste zurecht.

    kristinkolbVon kristinkolb, am Do 16.Jul. 18:24

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  13. natürlich wird noch gedodt. das hat nichts damit zu tun wie streng die kontrollen sind, sondern ob es die entsprechenden testmethoden gibt. wenn ein präperat noch in der studienphase ist kennen es die jäger noch gar nicht. also wiessen sie auch nicht wonach sie suchen sollen, weil es noch keinen screeningtest gibt - so einfach. wenn mann in einigen jahren die proben von diesem jahr verwenden dürft, würde man auch mit hoher wahrscheinlichkeit auch etwas finden. außderdem machen die jägen einen schlechten job: bei lance werden sie warten gelassen während er duscht, auf der ersten etappe wollten sie den anderen ami testen, der kam nach 30 min später aus dem wagan, neulich haben sie mit astana kaffee getrunken und so weiter... die wada schickt zeugenaussagen nicht weiter etc! das ist alles der größte quatsch mit dem ganzen doping gesülze!!! als wenn epo lance nichts nehmen, würde wo der auf einem hoden auf seinem bock durch frankreich reitet.

    schnellesradVon schnellesrad, am Do 16.Jul. 20:33

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  14. mir fällt jetzt eigentlich nur ein fahrer ein, der von heut auf morgen mit dopen aufgehört hat.. Damiano Cunego. er holt jetzt zwar keine größeren rundfahrten mehr, aber für tagessiege reicht es noch. sollten sich vielleicht mal nen paar ein beispiel an ihm nehmen (ok er hat schon ordentlich geld gemacht, es ist aber erst mal ein anfang!)

    radsportfan2000Von radsportfan2000, am Do 16.Jul. 20:36

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  15. ich glaube, dass cunego der einzige der sich wirklich vom doping losgesagt hat.... sieht man auch an seinen leistungen!

    schnellesradVon schnellesrad, am Do 16.Jul. 21:31

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