Mo 13.Jul. 20:10
„Ruhetag"? Viel irreführender geht es bei der Tour zumindest für Journalisten nicht. Am Ruhetag haben wir etwa soviel Ruhe wie am „Tag der Arbeit" gearbeitet wird. Jajaja, wir beschweren uns nicht, im Gegenteil: Denn schließlich ist diese Atempause im Rennalltag für uns die seltene Gelegenheit, in Ruhe mit Fahrern zu sprechen und endlich Eindrücke aus erster Hand zu erhalten.
Also, her damit! Erste und wichtigste Anlaufstelle für uns deutsche Kommentatoren war natürlich das Milram-Hotel, wo in entspannter Runde etwa zwei Dutzend Berichterstatter die Fahrer des Teams im Abschluss an deren diesmal etwas späteres Frühstück (siehe Beweisfoto) zu Gruppen- und Einzelgesprächen baten.
Die Zwischenbilanz? „Wir sind auf Augenhöhe", so die Einschätzung von Teamchef Christian Henn, „wir können sehr zufrieden sein." Spitzenplätze, auch auf schweren Etappen, sind dank Ciolek, Velits und Fröhlinger an der Tagesordnung. Dementsprechend locker und optimistisch präsentieren sich auch die Profis, die gute Stimmung scheint nicht die manchmal beschworene Floskel, sondern positiver Alltag zu sein.
Sprinter Gerald Ciolek freut sich, dass er „ohne Probleme über die Pyrenäen gekommen" ist, auch wenn „die Berge immer weh tun" und hält an einem „selbst gesteckten Ziel von einem Etappensieg" fest. Kapitän Linus Gerdemann betont, dass „die Zeitabstände noch sehr gering" seien und: „Außer in Andorra ist noch nicht viel passiert." Allerdings muss dann auch er zugestehen, dass er im Gesamtklassement nur dann auf einem aussichtsreichen Platz liegt, wenn man seiner Sicht folgt und das Mannschaftszeitfahren mit all' seinen Auswirkungen ein wenig aus der Wertung herausrechnet.
Überhaupt war die 4. Etappe in Montpellier der schwarze Fleck in der Bilanz bei Milram. „Ohne die beiden Stürze wäre angesichts der Zwischenzeiten ein sechster oder siebter Platz absolut realistisch gewesen", trauert Henn dem „einzigen Ausreißer in der Bilanz" noch ein wenig nach.
Gefahrenquelle Rollstuhl
Allgemeine Begeisterung herrscht über die extrem vielen Fans an der Strecke, ob in den Ferienorten am Mittelmeer, in Barcelona oder Andorra. Leider bedeuten Menschenmassen auch immer spezielle Gefahren. „Die Leute stehen sehr nah an der Straße - auch wenn vor einem schon 120 Fahrer an ihnen vorbei gerast sind, weichen die nicht zurück", erzählt Ciolek.
Und schon überbietet er sich fast mit Henn und Gerdemann in der Benennung von uns bislang wenig beachteter Gefahrenquellen: „Rollstuhlfahrer sind kritisch, denn die Fans gehen vielleicht einen Schritt zurück, der Rolli aber steht weiter da", so der eine. „Klappstühle sind auch schlimm - die Leute stehen auf und gehen nach hinten weg, aber ihren Stuhl lassen sie stehen", fällt der nächste ein und nicht fehlen darf dann in dieser Aufzählung der heimtückische Kinderwagen.
Ist sich das Trio im berechtigten Hinweis auf sturzträchtige Hindernisse einig, so fällt das Urteil in der Diskussion um das teilweise Verbot des Teamfunks unterschiedlich aus. Henn warnt, dass die entsprechenden Etappen „bedeutend gefährlicher werden. Gerdemann hingegen weist darauf hin, wie sehr sich dieser Streit verselbstständigt habe, „die Rennfahrer haben andere Probleme, da ist das ein Nebenthema".
„Schläfer" und Propagandaminister
Und der Gesamtsieg? Ist der schon vergeben und es geht nur noch um den Namen des entsprechenden Astana-Fahrers? Das sieht Gerdemann anders: „Die Tour ist noch längst nicht entschieden." Und er warnt dabei besonders vor einem Spanier. „Contador ist mein Topfavorit. Aber es gibt noch den ‚Schläfer' Sastre, der wenig beachtet wird - den ich aber noch auf der Rechnung habe."
Drei Stunden später bei Alberto Contador. Vor einer dichten Presse-Traube mit einem Dutzend TV-Kameras gibt er seine Pressekonferenz und müht sich rund 40 Minuten lang mit allen Kräften, das Bild völliger Harmonie bei Astana zu zeichnen. Rivalitäten? Zweifel?? Spannungen??? „Alle im Team sind sehr professionell, jeder arbeitet für jeden, ich habe volles Vertrauen in alle, wichtig ist nur, dass Astana den Sieg holt, ich war und werde loyal sein." Aha.
Irgendwie erinnert er einen dabei in seinem Bemühen, eine offensichtlich völlig anders geartete Situation zu negieren, die ganze Zeit an jemanden. Nach einer Weile fällt es mir dann ein: Mohammed Saeed Sahaf. Erinnern Sie sich? Richtig, das war der irakische Informationsminister, der den Sieg von Saddams Truppen noch als unmittelbar bevorstehend ankündigte, als hinter ihm schon fast die US-Panzer durch Bagdad rollten.
Schöne Grüße aus Limoges,
Andreas Schulz
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guter text obwohl ich gerdemanns meinung in bezug auf den gesamtsieger sastre nicht teile^^
Ihre Texte sind extrem Lesenswert, mein Kompliment.
Kein schlechter Artikel, der geneigte Leser fragt sich nur, warum ES erst am ersten Ruhetag entdeckt, dass auch ein paar gute Deutsche mitfahren. Da hat wohl Astana am Ruhetag das Mannschaftshotel für Presse gesperrt, sonst...
Auch ich geben mein Kompliment an sie Andreas Schulz, ich habe selten so zutreffende und gute Berichte gelesen. Respekt und weiter so
gebe muss es heißen ;)
Die Fahrer sollen sich lieber freuen dass überhaupt Zuschauer da sind. Es gibt doch kaum schlimmeres als die menschenleere Strecken (auch bei Bergankünften) etwa bei der Vuelta.
Die Atmosphäre am Tourmalet war mal wieder ganz grosses Kino. Trotz Doping.
zur erinnerung herr schulz, ein gewisser herr @#$% hatte ähnliche schwierigkeiten, dinge ins rechte licht zu rücken, hässliche sache diese kriege, nicht ?
da ich denke, dass es hier um sport geht, lassen wir also besser das - verzeihung - dumme geschwätz über sh usw...
dennoch bin ich der meinung, dass contador aufpassen sollte, was er zu sich nimmt, und vor allem von wem er es annimmt, JB und seinen handlangern ist alles zuzutrauen.
was die einschätzung von gerdemann angeht, muss ich sagen, dass ich mit ihm konform gehe, allerdings fehlt mir der name evans, denn das war bisher der einzigste, ausser contador, der sich deutlich gezeigt hat.
ich bin mal gespannt, was ein herr martin noch zu bieten hat, es wäre schön zu wissen, dass ein einheimischer fahrer großes potential hat, wenn nicht dieses jahr, so doch für die zukunft.
mfg
zur kenntnis: bei dem verschlüsselten wort handelt es sich um den namen eines deutschen politikers österreichischer herkunft.
mfg
was seh ich da auf den frühstücktisch!!!??!! der hauptsponsor gar nicht anwesend
@pippoperko
kann Entwarnung geben, es waren auf dem Tisch auch ne ganze Menge der Produkte mit dem weißen Schriftzug auf blauem Grund - haben uns selbst davon überzeugt.
Schöne Grüße aus Issoudun,
Andreas Schulz
Habt ihr mehr Informationen zum neuen Team das Formel 1 Fahrer Fernndo Alonso mit Alberto Contador auf die Beine stellen möchte?
Grüsse aus der Schweiz
Marco Gerber
Hallo Andreas, Hallo Karsten, Hallo Ulli,
das Büffet sieht ja schon ziemlich geplündert aus. Aber waren wohl lauter leckere Sachen dabei.
Ich bin froh, dass ich wieder zuhause bin und von hier aus die TdF schauen und hören kann. Ihr seid ein tolles Team. Ich freue mich immer auf die TdF mit Eurosport, wenn ich nicht gerade live dabei bin. Die Blogs sind 'ne tolle Sache. Echt stark.
Grüßt mir die Teams und auch an Euch viele Grüße aus MG
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