Mi 17.Jun. 23:03
Na endlich. Nicht weniger als 18 Monate hat's gedauert, jetzt haben fünf Profis unrühmlich Geschichte geschrieben. Als erste Sportler müssen sie sich wegen Dopings verantworten, verraten von ihrem Pass. Kein fehlendes Visum oder gefälschter Stempel wurden ihnen zum Verhängnis, sondern ihr eigenes Blut.
Geduldig sammelten die Jäger Probe um Probe, bei Rennen, im Training und in Ruhephasen. Die neun Experten brüteten über den Kurven, suchten Gründe für auffällige Schwankungen. Schließlich waren die Juristen am Zug, als in einigen Fällen nur noch eine Erklärung für das Gesamtbild der Blutwerte blieb: Betrug.
Schon vor dem Giro sollten die Namen verkündet werden, jetzt hat es wenigstens zur Tour gereicht. Manche werden enttäuscht sein. Anstelle großer, immer wieder verdächtigter Stars blieben im Netz nur kleine Fische und ein abgehalfterter Ex-Weltmeister. Dennoch, jeder Fang hilft und der Abschreckungseffekt des biologischen Passes dürfte wachsen.
Rad-Lotto: 5 aus 840
Für Euphorie besteht aber kein Anlass. Fünf Fälle bei 840 Fahrern im Test-Pool, das ist sicher nicht der aktuelle Anteil der schwarzen Schafe im Feld. Zur Premiere haben die Fachleute des Weltverbandes UCI intern sicher extrem strenge Maßstäbe angelegt, um nicht in den zu erwartenden juristischen Auseinandersetzungen Schiffbruch zu erleiden. Die nächsten Fälle dürften nicht lange auf sich warten lassen, ließ die UCI bereits wissen. Wöchentlich würden auffällige Blutprofile untersucht.
Der Pass ist kein starres Instrument, sondern ein flexibles Werkzeug: Je strenger die Grenzen gezogen werden, desto größer das Risiko, einen Fahrer fälschlich an den Pranger zu stellen. In der nächsten Runde dürften schärfere Werte gelten - und eine Ausweitung der überwachten Bereiche ist geplant. Neben Manipulationen am Blut soll dann auch der Einsatz von Steroiden und Wachstumshormonen durch die gesammelten individuellen Profile der Athleten möglich sein.
Vorfreude bleibt erlaubt
Noch ist längst nicht alles im grünen Bereich, der Pass ist kein Allheilmittel. Wer mit den passenden Substanzen clever hantiert und von Profis beraten die Mechanismen der indirekten Nachweise angreift, fällt vorerst weiter durchs Raster. Aber der Aufwand wird größer und die Ungewissheit steigt: Was können die Fahnder schon, wie weit darf man noch gehen? Einfach nur ein Mittel nehmen, für das noch kein direkter Nachweis im Test da ist, reicht nicht mehr. Die Fahrer werden sich anpassen, klar. Aber etliche werden es vielleicht auch ganz lassen.
Eines muss dem Radsport und seinem vielfach mit Recht kritisierten Weltverband deshalb zugestanden werden: Er hat wieder einmal Pionierarbeit betrieben. Vielleicht zu spät, vielleicht zu vorsichtig. Aber er bewegt sich in die richtige Richtung.
Dabei sei vor dem Saisonhöhepunkt in Frankreich nochmals an die klaren Aussagen profilierter Doping-Jäger erinnert: Schon 2007 bezifferten die Experten des Labors in Lausanne die Zahl der Doper bei der Tour auf etwa 25% - und zwar exakt durch den Einsatz jener Bewertungen, die die Grundlage für den Pass waren. In diese Kerbe schlug im Winter auch Frankreichs Chef-Kontrolleur Pierre Bordry, der Ricco, Schumacher, Kohl und Co. erwischte. "Die meisten sind sauber", so damals seine verspätete Tour-Bilanz.
Auch deshalb ist Vorfreude auf die "grande boucle" nichts, wofür man sich schämen müsste.
Doping-Jäger: "Die meisten sind sauber"
Wie an anderer Stelle bereits geschrieben, das sind Bauernopfer. Die UCI und die ASO wollen nur schnell in die Tour ohne großes Opfer. Wenn ein großer Name aufgetaucht wäre, dass wäre Wasser auf die Mühle der Kritiker. Es stellt sich bei den genannten halt die Frage, warum sollten sie Dopen, wenn sie trotzdem immer noch hinterher fahren? Sind die anderen trotz Mittelchen besser, oder sind deren Mittel besser? Aber lassen wir das. Interessant wird sein, wie das Rennen um die Nachweisbarkeit in Zukunft weitergeht. Wer sich in der Szene ( in dem Fall Triathlon ) auskennt, der weiss, das einige neue Sachen in den Startlöchern stehen oder schon losgelaufen sind. Und die können leider noch nicht, auch wenn das von den Experten immer wieder behauptet wird, reflektiv nachgewiesen werden, da die amerikanische Zulassungsbehörde die Daten erst freigibt, wenn das Patentverfahren weltweit abgeschlossen ist. Da kann auch eine ALFD nachfragen, da wird niemand auch nur eine Studie rausgeben. Da geht es erst einmal um Geld, da ist der Dopingnachweis sekundär. Und leider werden bei Substanzen wie Albupoetin oder MOD-7023 Haarproben nichts nutzten, da die Wirkstoffabgabe ähnlich wie bei einem Pflaster mit einer Vergabezeit berechnet werden kann.
stimmt schon, aber zumindest teilweise helfen die pharma-multis ja auch schon mit, siehe CERA im letzten jahr, um an nachweisen zu arbeiten. gegen schwachköpfe, die sich alles reinpfeifen, was gerade erst in der ersten klinischen testphase ist, kann wohl nie etwas ausgerichtet werden. wer unbedingt versuchskaninchen spielen will - na viel spaß. mir würde laurent fignon da zu denken geben. insgesamt seh ichs ähnlich wie der artikel, jeder erwischte doper, ob groß oder klein, ist ne gute sache und wunderdinge darf ma von ner neuen sache wie dem blutpas nicht sofort erwarten. der wird auch noch besser...
kristinkolb
Das mit den Bauernopfern im Radsport ist eine unhaltbare Unterstellung. Schon wenn wir auf die letzen 3 Jahr schauen, dann wurden "geopfert": Hamilton, Ullrich, Basso, Heras, Winokurov etc. pp. Das sollen Bauern sein? Mit Ausnahme von Armstrong (vor drei Jahren zurückgetreten) ist oder war das die Spitze des Radsports und augenscheinlich auch des Dopings. Es sind zweifelhafte Sieger der TdF, des Giro, der Vuelta, Weltmeister, Olympiasieger, National"helden". Sie kommen aus Deutschland, den USA, Italien, Spanien, Kasachstan, Belgien und und ... Komische Bauern. Wenn das die Bauern sind, dann bin ich für die "Bauernopfer". Nein, man hat augenscheinlich die Spitze des Dopingrankings bestraft. Und das ohne Frage mit besten Gründen. Wer sich nicht an die Regeln des Sports hält, insbesondere wer ständig und über eine lange Zeit mit nicht erlaubten Mitteln arbeitet, der gehört ausgeschlossen. Es wurden die Richtigen ausgeschlossen - vielleicht aber nicht alle. Das aber müsste erst bewiesen werden. Das ist beim strafrechtlichen Betrug genauso wie beim sportrechtlichen.
zum glueck gibt es immer mehr moeglichkeiten doping zu erkennen. aber genau das ist doch auch das problem, weil die jaeger immer einen schritt hinterher sind. ich bin inzwischen der meinung, sollen sie doch nehmen was sie wollen, tot vom rad fallen, krebs bekommen oder eben einen herzstillstand. die sind doch alle ueber 18!!! in ALLEN sportarten wird bis zum umfallen gedopt. warum werden die anderen fuentes kunden nicht veroeffentlicht? weil es politische und finanzielle interessen (siehe festina, tekom...) gibt. mich nerven immer mehr die firmen,z. b.: tekekom, CA, G.steiner etc, die das mit unterstuetzt haben. mir kann keiner auf der welt erzaehlen, dass ein ullrich und all die andern "freunde" die sich im wartezimmer bei fuentes getroffen haben, ihre teamleitung nicht darueber invormiert haben, wo sie sind. ein ullrich faehrt mal schnell nach spaniern fuer einige tage und bei den teamleitungen weiss dass keiner. und genau so laeuft es immer noch, alle an der spitze dopen weiter und alle wissen es.
fragt doch mal die tour d. f. leitung wieviel gelt die mit dem ullrich vs amstrong duell gemacht haben...!?!
und warum hat eigentlich amstrong krebs? die krankenakte moechte ich mal lesen!?! das ist die groesste ente die je die sportgeschichte geschrieben hat. aber die hauptsache tour gewinnen, gelt verdienen und alle verarschen, super amstrong!!! du bist der beste doper und du hattest nie krebs (wieviel kinder hat der inzwischen?) £$£$£$$
bock.roger
subjektive Übezeugungen mögen richtig sein. Aber Doping (oder Beihilfe dazu) muss bewiesen werden. Mitwisser sind auch noch keine Täter. Gegen Telekom/t-online und Gerolsteiner als Team bzw. Sponsoren liegt praktisch nichts vor. Glauben alleine kann aber nicht für eine Strafe reichen. Da müssten dann die Doper unisono mal Tacheles reden. Davon hört man nichts. Laut Kohl hat Holczer/ Gerolsteiner von seinem Doping nichts gewusst. Weiss Du mehr?
s.sam
natuerlich hast du auch recht...! deswegen kann ich nicht verstehen, dass ein jan ullrich und auch die anderen "freunde" von fuentes entweder die karriere beenden, sperren in kauf nehmen und nicht den mund aufmachen!
@s.sam17
Ich spreche hier nur von den aktuell erwischten. Ich stelle nicht in Abrede, dass auch schon große Namen gefallen sind,, Rasmussen und Ricco während einer Tour, Landis kurz danach. Aber ich stelle doch fest, dass andere Namen erwartet wurden, als die jetzt genannten. Ich nehme hier mal als Beispiel einen Teil der Aussage von Kohl, der sich nur auf seine Dopingvergehen bezieht. Er gibt an, dass er bei über 800 Kontrollen zweimal erwischt wurde. ( A- und B- Probe der gleichen Abgabe von Urin ) Und nun überleg ich mir, wie groß wohl die Grauzone noch ist, denn die UCI spricht in dem Bulletin selber von einer Spitze des Eisbergs. Und wenn du von Sportgerichtsbarkeit sprichst, dann gehört die als aller erstes einmal internationalisiert. Wie kann es sein, dass Piti in Italien vom Rad genommen würde, in Spanien und Frankreich aber lustig weiterfahren kann. Was ist daran noch klar? Das versteht noch nicht einmal der treueste Fan.
genau richtig, die grauzone ist viel zu gross. da radeln kranke leute mit krebs und asthma; und wer weiss, was sonst noch so alles in den aerztlichen attests drin steht..! soll die UCI doch mal alles offen legen.
bald duerfen die sich auch noch auf anordnung der aerzte einen formel 1 motor neben dem herz implantieren lassen
(eigentlich keine schlechte idee LOL)
unglaublich wie hier diskutiert wird. gefällt mir gut, klasse. sehr kompetente leserschaft hier im radsport blog unterwegs.
solange es Länder wie Spanien gibt, wo Doper geschützt werden, statt verfolgt, solange es Länder gibt, wo es keine Trainingskontrollen gibt (Jamaika), solange wird man Probleme haben, richtig aufzuräumen.
Das keiner von den Erwischten den Mund so wirklich aufmacht, könnte an 2 Gründen liegen:
- es gibt Länder, die daraus auch Jahre später noch ein Strafverfahren wegen Betruges machen können, und keiner wird Lust haben, nach dem Karriereende noch in den Knast zu gehen.
- Möglicherweise fließen da noch Gelder an die Erwischten, es ist für ein Unternehmen als Sponsor allemal billiger, seinen Ex-Angestellten eine heimliche Rente zu bezahlen, als den Imageverlust hinzunehmen (wenn die TL wirklich etwas gewußt hat) und jahrelang gegen sinkende Umsätze anzukämpfen.
Doping ist in fast allen Radsportländern Europas strafbar (Italien, Spanien, Frankreich, Belgien ...). In Deutschland und Österrich nicht direkt, aber als Medikamentenmißbrauch. Wer redet, der beschuldigt sich selbst.
Italien ist in der Dopingfrage gespalten. CONI ist recht streng. Basso wurde auch wegen der Blutbeutel gesperrt (Ullrich trotz entschieden besserer Beweise von den Schweizern noch nicht!). Auch di Luca wurde gesperrt. Die Spanier haben auch schon zahlreiche Radsporthelden gesperrt (z.B. Rdondo, Colom, Iban Mayo und Heras, dreifacher Vuelta-Sieger, beim vierten Versuch mit EPO erwischt).
Natürlich gehen nicht alle gleich streng vor. Das gilt für Länder und für Sportarten. Es ist aber richtig, einen Betrüger zu überführen und zu verurteilen, auch wenn im Nachbardorf Betrüger laufen gelassen werden. Man lässt doch nicht einen Täter entkommen, nur weil man einen anderen nicht überführen konnte ...
Was die erlaubte Medikamentation angeht, da bin ich auch der Meinung, dass das verboten werden sollte. Immerhin fährt weit mehr als die Hälfte der Radprofis mit ansonsten unerlaubten Mitteln - insbesondere Asthma-Sprays. Radsport ist die Sportart der Asthmatiker. Auch mal wieder unser peinlicher Ullrich: der litt nicht nur einfach unter Asthma sondern an Pinienpollenallergie - als einziger bekannter Fall in der ganzen Welt. Hurra! So einen Arzt braucht man. Was Armstrong nach seiner Krebserkrankung nehmen durfte bleibt sein Geheimnis.
[at]kristinkolb
ja, dieSportgerichtsbarkeit sollte bei international Spitzensportlern weder von den Fachverbänden noch von den Nationalverbänden durchgeführt werden.
Im Endeffekt gibt es das schon: CAS (Lausanne/Schweiz) ist der internationale Sportgerichtshof der höchsten Instanz, an die man sich wenden kann. Der hat gerade festgestellt, dass Winokurov (Blutdoper, früher Telekom), obwohl von seinem kasachischen Verband nur für ein Jahr gesperrt, trotz damaligen Rücktritts doch effektiv zwei Jahre Sperre hat und bei der TdF 2009 kein Comeback starten kann. Gut gelaufen.
@ s.sam17
Was die "Krankengeschichten" so mancher Sportler betrifft, da stimm ich dir zu. Manche Wettbewerbe erinnern beim Einschreiben an einen Medizinerkongress. Jeder zweiter hat eine Ausnahmegenehmigung oder ein Attest dabei, was er so nehmen darf. Die aufgeführten Diagnosen hauen einen um. Das geht von Astma über Herzrhytmusstörungen ( wg. der Zufuhr von Antikoagulantien ) bis zur - Festhalten - Arteriosklerose. ( Selbst erlebt, ich hatte das Vergnügen bei einem Amateurwettbewerb im Triathlon diese Listen zu führen.) Ich hab den angeschaut und nur noch gestaunt ob der Chuzpe. Der Bursche war mitte 20, das blühende Leben. Die meisten der "Freibriefe" waren übrg. nicht, wie man es vermuten sollte, von Fachärzten der jeweiligen Krankheit ausgefüllt, sondern von Haus- oder Frauenärzten. Die Frage, was diese "Athleten" bei einem Wettkampf zu suchen haben, erübrigt sich wohl.
@s.sam
genau richtig was du schreibst. wenn man alles wüßt, wären alle, die fans etc schockiert. da erinnere ich mich immer gerne an olympia, als ulle gewonnen hat: einige wochen war er von der bildfläche verschwunden, kam zu olympia und die beinmuskeln waren um ein Drittel gewachsen...! wie soll das denn mit wasser und nudeln möglich sein? und weiter bin ich davon überzeugt das alle teamleitungen immer bestens informiert sind wo sich ihre starsportler aufhalten. es muss mir mal einer erklären wie fuentes und die anderen ärzte die termine mit den ganzen sportlern als ein mann show organisiert haben. die müssen sich doch alle im wartezimmer getroffen haben? glaubt hier einer das sich ulle morgens ins auto gesetzt hat und zu seiner frau, trainer etc sagt, ich bin mal eben weg und füer einige tage so einfach verschwinden kann und keiner weiß was der macht..!!! das sind alles mitwisser (bsz. kriminelle), tl, team, familie, sponsor, betreuer etc!!!
[at] bock.roger
Zumindest bei den Großereignissen (TdF, Giro, Vuelta, WM) waren die Ärzte bzw. ihre Abgesandten sicher vor Ort oder in der Nähe. Es ist beaknnt, dass Fuentes eine "Filiale" in Deutschland hatte. Auch gab es da Querbeziehungen: die zwischen dem Preparatore Cecchini (ganz viele Dopingrezepte! - Kunden unter anderem die Radgrößen Jan Ullrich, Bjarne Riis, Tyler Hamilton, Michele Bartoli und Mario Cipollini) und Fuentes ist z.B. belegt. Fuentes musste die Transfusion doch nicht selbst durchführen - bei den Preisen war der Vor-Ort-Service sicher inbegriffen. Ullrich hat sicher sechsstellige Beträge überwiesen - zur Höhe der Dopingkosten läuft noch ein Verfahren.
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