Di 02.Jun. 21:50
Spannend bis zum letzten Kilometer vor der grandiosen Kulisse des Colosseums war der Jubiläums-Giro. Fast wäre er sogar im Drama geendet, doch das hätte Denis Menchov nicht verdient gehabt. Schon ohne den Sturz war es ein packendes Duell mit Danilo di Luca gewesen: Die Angriffslust des Italieners und die Zähigkeit des Russen waren beeindruckend. Ihr Schlagabtausch hinauf zum Vesuv war einer der Höhepunkte der drei Wochen, die voller Highlights und Überraschungen steckten. Die Topfavoriten Basso und Leipheimer kommen nicht einmal aufs Podium, der sonst so konstante Sastre hat einen schwachen Tag, Supersprinter Cavendish muss sich zum Auftakt von Altmeister Petacchi abfertigen lassen, nur sieben Teams teilen sich die 21 Tagessiege.
Die größte Überraschung aber: Das Thema Doping verschwand fast völlig von der Bildfläche. Verdächtig ruhig waren die Wochen, nichts sollte wohl den 100. Geburtstag stören. Die fast schon zur Gewohnheit gewordenen Polizei-Razzien blieben aus, die angekündigte Veröffentlichung erster Sünder aus den Blutpass-Kontrollen der UCI verschob sich um Wochen, die Nachtests der Giro-Proben von 2008 lassen auf sich warten.
Wiener Blut bei Menchov?
Aber so richtig mag man dem Frieden nicht trauen. Aus gutem Grund und schmerzlicher Erfahrung. Die Podien der großen Rundfahrten sind ja in den letzten Jahren extrem unstabil geworden, permanent stürzen einzelne oder gleich mehrere Fahrer rückwirkend vom Podest.
Gerade Menchov weiß genau, wie der Sport leider inzwischen abläuft. Schließlich kam er erst verzögert zu seinem Vuelta-Titel 2005, nachdem Roberto Heras mit EPO erwischt worden war. Und ausgerechnet über dem Rabobank-Star ziehen sich die dunklen Wolken zusammen. Hartnäckig halten sich die Gerüchte, auch er habe sich einst in der Wiener Blutbank versorgt - wie etliche Teamkollegen.
Sein Rennstall hält zu ihm, sagt den Behörden aber Kooperation zu - trotz der Gefahr eines zweiten Falls Rasmussen. Menchov selbst bezeichnet das Ganze als „alte Geschichte", doch damit ist es nicht getan. Denn ob alt oder nicht, geklärt ist die Affäre noch nicht. Manchmal dauert es leider länger, bis die Betrüger ihren Preis zahlen müssen. Alejandro Valverde kann seinem Kollegen davon berichten. Damiano Cunego, einst Giro-Sieger und heute auf ein sauberes Image bedacht, zeigte sich überrascht bis frustriert vom Niveau der Konkurrenz. Er sprach von einem "Lebens-Klassement", auf das man blicken müsse. Will sagen: Manchmal ist eben Geduld gefragt, bis halbwegs endgültig feststeht, wer wirklich nach ganz vorne gehört.
Auch di Luca kennt das Spiel: Drei Jahre dauerte es, bis er endlich eine Kurzsperre für seine Verwicklung in einen Skandal aus dem Jahr 2004 erhielt. Seine bizarren Hormonwerte bei seinem Giro-Gewinn 2007 blieben noch ohne Folge für den 33-Jährigen. Die große Jubelfeier der Ausgabe 2009 bleibt unter diesen Vorzeichen ein Tanz auf dem Vulkan.
Alter und neuer Armstrong
Deshalb sollte man sich nicht zu sehr grämen, dass die Deutschen nur Nebenrollen spielten. Das muss nicht immer gleich ein schlechtes Zeichen sein, zumal den Angriffen von Voigt, Fothen, Schröder und Co. manchmal einfach das nötige Glück fehlte. Thomas Voeckler etwa kann ein Lied davon singen.
Und Armstrong? Vom umschwärmten Superstar und Charmeur der Italiener verfiel er bald wieder in alte Muster von Freund und Feind. Sein Presseboykott erinnerte an frühere Zeiten, sein leidendes Gesicht an den schweren Tagen hingegen war für viele neu. Dennoch: Er schlug sich achtbar und wird zur Tour noch weitaus stärker sein. Das gilt aber für seine Gegner wie Sastre oder Menchov auch, die schon jetzt im Mai eine Klasse besser waren.
Die beste Nachricht aber zum Schluss: Der einzige Fahrer aus Menchovs Giro-Team, der Rom nicht als jubelnder Sieger erreichte, hat dennoch großen Grund zur Freude: Der so schwer gestürzte Spanier Pedro Horrillo ist nach seinem fürchterlichen Sturz wieder soweit genesen, dass er begleitet von seiner Frau in seine Heimat verlegt werden konnte.
Gott sei Dank geht es Horrillo wieder besser. Und Lance: Na ja, 3 Jahre Pause waren sehr viel und es fehlte die gründliche Vorbereitung im Winter wie sonst mit Etappen-Abfahren...aber wir werden es ja sehen, wie weit er in 5 Wochen noch aufholen kann. Drücke ihm die Daumen.
Wer ist das auf dem Bild, also von wem war der Artikel jetzt? Von Herrn Leinhauser?
Der überaus brauchbare Artikel ist von Andreas Schulz geschrieben. Und ich befürchte wie er, dass dies nicht der Wahrheit letzter Schluss war. Es bleibt nur zu hoffen, dass man in Italien weiterhin versucht, ein wenig den Anschein zu wahren, dass man sich ein wenig um einen saubereren Radsport bemüht.
Es ist für mich auch nicht nachvollziehbar, dass man den Kampf gegen Doping beim Jubiläumsrennen einfach mal aussetzt, nur um den Schein zu wahren.
Schade, Ärgerlich und ähnliche Schlussfolgerungen treffen es leider nicht genau.
Es ist ein großer Fehler gewesen - und es bleibt nur zu hoffen dass der Boomerang nicht arg zu stark zurückschnellt, als es den Verantwortlichen lieb sein kann.
Di Luca mit CERA gedopt!
Amstrong war bei der Tour auch gedobt, nur konnte es ihm keiner Nachweißen.
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