Um Reifenbreite

Andreas Schulz

Schmerzfrei zum Nobelpreis?

Mi 20.Mai. 11:58

Valverde Rasmussen Tour de France 2005 Seit zehn Tagen läuft der Giro - und allein in dieser kurzen Zeit hat der unverdrossene Rad-Fan schon wieder alles erlebt, was seinen Sport so grandios, aber auch so schwer erträglich macht. Denn nicht nur die Fahrer müssen da eine Menge ertragen können.

Großes Kino in Italien

Einerseits der Jubiläums-Giro: Die erste Rennhälfte zeigt, weshalb einen dieser Sport so faszinieren kann: Wo sonst gibt es körperliche Höchstleistung vor derart herrlicher Kulisse, sind die Zuschauer hautnah am Straßenrand dabei und ständig Überraschungen möglich aus einem Kreis von fast 200 Darstellern? Der wiederum steckt voller Typen zum lieben oder hassen. Alte Recken und neue Gesichter, Schurken und Helden, Schüchterne und Showmänner.

Sie alle duellieren sich nicht irgendwo im Industriegebiet oder auf der „grünen Wiese", sondern an der Lagune von Venedig, in den Tälern (Süd-)Tirols oder zuletzt der Alpen: Da kann keine noch so moderne Arena mithalten. Halbleere Stadien wie in der Serie A bei König Fußball sind Fehlanzeige: Die Tifosi bleiben ihren Idolen trotz aller Enttäuschungen weiter treu, bilden dichte Spaliere beim kostenlosen Spektakel an den Anstiegen und Zielgeraden.

Und sie bekommen ein buntes Programm: Packende Sprints, verzweifelt kämpfende Ausreißer, kleine Dramen bei Stürzen oder Defekten, alte Bekannte und junge Talente auf dem Siegerpodest, überraschende Triumphe und unerwartete Einbrüche. Die Dynamik und Eleganz eines Mannschaftszeitfahrens, die Hektik und schiere Kraft der Sprints oder die Großaufnahme der Anstrengung eines müden Ausreißers im Anstieg: Der Radsport bringt alles mit, um seine Anhänger zu begeistern und neue hinzu zu gewinnen.

Duell der Dreistigkeiten

Gleichzeitig aber gelingt es dem Radsport, auf eine fast schon wieder faszinierende Weise sich und seine Anhänger ins Abseits zu stellen. „Schlimmer kann's nicht mehr kommen?" Diesen Satz gewöhnt man sich hier schnell ab. Allein die Nachrichten seit dem Start in Venedig haben für neue Tiefpunkte gesorgt, die selbst hartgesottene Begleiter bald nur noch gedopt wegstecken.

Schwer zu sagen, was die dreisteste Nummer dabei war, Sie können ja Ihren Favoriten wählen. Zwei Jahre Sperre für Alejandro Valverde in Italien? Na und, sagt sein Team. Warum denn der Sache auf den Grund gehen, wir haben uns doch schon drei Jahre erfolgreich trotz aller Indizien taub gestellt. Lieber schweres Geschütz auffahren und auf Schadenersatz klagen wollen.

Genauso im Fall Tom Boonen: Ob jetzt zum zweiten oder dritten Mal mit Kokain erwischt ist doch wurscht: Hauptsache bei der Tour dabei. Warum wieder zusehen wie im Vorjahr? Da zerren wir die Organisatoren vor Gericht, sagt der Anwalt und spricht vom Recht auf Arbeit für seinen Mandanten.

Rückkehr der Tour-Schrecken

Im Angebot daneben noch: Ein Magenta-Rennstall, in dem offensichtlich ein Jahrzehnt noch organisierter betrogen wurde als bei den „Vorbildern" von Festina; zwei einstige Kletterkönige, die sich gemeinsam mit einem Langläufer wohl eine Blutzentrifuge gekauft haben (wie, Sie haben keine?) und ein kasachisches Unschuldslamm, das einst viel von Ehre sprach - aber zur Reinwaschung seines Namens kein Geld in die Hand nehmen mochte.

Jetzt hat Alexander Winokurow allen Ernstes vor, im Herbst Weltmeister zu werden. Und bei der Tour, die er 2007 mit Rasmussen (der auch seine Rückkehr plant) in den Schockzustand stürzte, möchte er auch gerne noch einmal glänzen. Na klar, vielleicht gibt's ja den Friedensnobelpreis noch obendrauf.

Radfahrer müssen sich unheimlich quälen können, sind extrem leidensfähig - manche aber auch im übertragenen Sinne unfassbar schmerzfrei.

Unser Gegenmittel: Jeder Betrüger weniger ist ein Etappensieg, über den man sich durchaus manchmal mehr freuen kann als über einige sportliche Erfolge, auf dem langen Weg zu einem halbwegs fairen Sport. Der wartet nicht um die nächste Ecke, keine Frage. Aber frustriert denen das Feld überlassen, die sich die ach so guten alten Zeiten zurücksehnen? Nein, dazu ist dieser Sport zu schön - und er verliert bei größerer Sauberkeit eben gar nichts von seiner Faszination. Ganz im Gegenteil.

 

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  • Bemerkung1 - 18 von 18
  1. haha, der abschnitt mit der blutzentrifuge gefällt mir am besten.

    oskar.valentinVon oskar.valentin, am Mi 20.Mai. 14:10

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  2. Sehr schün geschrieben. Wobei ich absolut kein Radsport-Fan bin....
    Und das mit den beschrioebenen "Etappensiegen" kann ich nur unterscvhreiben!

    monkishbuddhaVon monkishbuddha, am Mi 20.Mai. 15:14

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  3. Daumen Hoch! Ein sehr schöner Artikel. Vor allem die aufgezählten Gründe, warum Radsport so schön sein kann, kann man nur unterstreichen. Mir war manchmal ehrlich gesagt selbst nicht mehr klar, warum ich viele Übertragungen förmlich verschlungen habe.

    ottmarvallerVon ottmarvaller, am Mi 20.Mai. 15:59

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  4. Schulz behauptete zudem, dass ein 2007 positiv auf das Hormon hCG getesteter Radsportler von einem Mitarbeiter der BDR-Geschäftsstelle aufgefordert worden sei, "sich einen Befund über Hodenkrebs zu besorgen". Dies bestätigt auch ein weiterer Zeuge, dessen Eidesstattliche Versicherung der ARD vorliegt. Das Attest habe ein mit dem betreffenden Fahrer befreundeter Arzt ausgestellt, so Schulz weiter. Eine Sanktion sei nicht erfolgt. Auch diese Aussagen lägen dem BKA bereits vor.

    Auf Anfrage erklärte der BDR, an einen Fahrer lediglich "die Empfehlung ausgesprochen zu haben, weitere Untersuchungen zu veranlassen, um eine Tumorerkrankung auszuschließen".

    schleck_dein_handyVon schleck_dein_handy, am Mi 20.Mai. 16:11

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  5. Auch bei Amateuren sind Dopingmittel wie EPO, Testosteron oder Anabolika weit verbreitet. Ärzte berichten von zahlreichen Nachfragen ihrer Patienten.

    Illegale Leistungssteigerung via Spritze
    Nach Schätzung des Sportmediziners Klaus Gerlach dopen weitaus mehr als 200 000 Hobby-Athleten. „Manche geben bis zu 3500 Euro pro Monat für Sechs-Wochen-Kuren aus“, sagte der Mannschaftsarzt der Fußballer des FSV Mainz 05 zu FOCUS. „Doping im Amateursport ist gang und gäbe“, bestätigte der Geschäftsführer des Zentrums für präventive Dopingforschung der Sporthochschule in Köln, Hans Geyer.

    schleck_dein_handyVon schleck_dein_handy, am Mi 20.Mai. 16:19

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  6. Absoluter Schwachsinn !! Und das veröffentlicht Eurosport - eine Schande !

    verzaubernVon verzaubern, am Mi 20.Mai. 18:56

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  7. das thema langweilt mich schon, bitte was neues!

    lexej81Von lexej81, am Mi 20.Mai. 19:13

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  8. hmm, fasst eigentlich das dilemma gut zusammen. könnt auch imer schier kotzen, wenn wieder einer erwischt wird und auf doof macht. und es bleibt aber ganz egal ein geiler sport.

    napfkarl80Von napfkarl80, am Mi 20.Mai. 20:45

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  9. ...drueber reden hilft trotzdem nicht!!!

    nowosurfVon nowosurf, am Mi 20.Mai. 21:53

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  10. Das ist ein schöner und richtiger Artikel.
    Drüber Reden hilft, denn es setzt die Betrüger unter Druck. Wer möchte schon als enttarnter Falschspieler in der Zeitung stehen. Den Teppich, um den Schmutz darunter zu verstecken, gibt es nicht mehr. Zu verschweigen ist da nichts mehr: es gibt tausend wahrheitsliebende Menschen in den Medien und anderswo, die die Gaunereien aufecken wollen. Sie werden das meiste finden. Ich wünsche Prof. W. Franke einen langen Atem bei seinem Prozess gegen den Betrüger Ullrich.
    Wer sich systematisch und über einen längeren Zeitraum gegen die Regeln Sports vergeht, so wie die Doper, der ist ein Betrüger. Jeder Betrüger weniger ist ein Erfolg. Das Risiko für die Doper steigt. Gut so.
    Eine Zukunft hat der Radsport nur ohne die Doper, Betrüger, Kriminellen.

    s.sam17Von s.sam17, am Do 21.Mai. 09:55

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  11. Sehr schön geschrieben, Herr Schulz. Ich lese Ihre Berichte und Beiträge bei Eurosport immer gerne, und auch der Blog gefällt mir sehr. Ihre Meinung teile ich voll und ganz, dass Vinokurov und Rasmussen zurückkehren wollen in den Radsport ist ein absolutes Unding und sollte verhindert werden!
    Weiter so!

    luki992Von luki992, am Do 21.Mai. 17:39

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  12. Mhh.also langsam kotzt mich dieses Thema langsam an,Radsport ist nicht die Enzigste Sportart wo gedopt aber anscheinend die Sportart die alles ausbaden muss!!!Heilige Kühe wie der Fussball zb bleiben weitgehenst unbehelligt(es gibt ja den Radsport der für alles herhalten muss)weil sonnst eine ganze Sportwelt zusammen brechen würde.Ich kann es auch langsam nicht mehr hören das sich so mancher von Radsportlern betrogen fühlt,weil sie gedopt haben,bitte doch mal selber sich auf ein Rad setzen und diese Leistung bringen.Übrigens kann ich mich erinnern wenn früher die Fussballer 2-3 Englische Wochen hatten wurde sich beklagt wie anstrengend das war,heute stecken sie 8-10 Wochen ohne Probleme weg,ohne das einer fragt:wie kann das sein?Ich bin auch dafür Sportler die nach einer verbüsten Dopingsperre nochmal erwischt werden Lebenslang zu sperren,aber Dopingsünder die ihre Strafe verbüsst haben aber bitte ihre chance lassen.Übrigens Kriminell heisst für mich jemanden einen Schaden zufügen der diesen nicht abwenden kann(oder sind Schüler zb wenn sei bei einer Arbeit schummeln auch schon Kriminel,oder Arbeitnehmer die um ihre Arbeit zu schaffen auch zu Leistungssteigernden Mitteln greifen)so wie es immer öffters in der heutigen Leistungsgesellschaft passiert.!?!

    radfreakVon radfreak, am Do 21.Mai. 20:02

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  13. Schöner Text, da alle Seiten des Radsports beleuchtet werden.

    vaultingaddyVon vaultingaddy, am Do 21.Mai. 20:34

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  14. @radfreak
    ohne Zweifel wird auch andernorts gedopt und getestet und gesperrt. Von Ben Johnson (LA) über Johann Mühlegg (Skilanglauf) bis zu Ahlmann (Reiten) - die Liste ist sehr lang. Ausserdem ist es ziemlich egal, ob bei den Fußballern und den Tennisspielern (Mariano Puerta) gedopt wird. Es kommt darauf an, den Radsport aus den negativen Schlagzeieln zu bekommen und das entsetzlich schlechte Image wieder etwas zu verbessern. Das geht mit Dopern und den im Radsport leider zahlreichen Dopingsympathisanten nicht. Natürlich sind Sportbetrüger Kriminelle, da sie die Sportwetten indirekt manipulieren und damit Schaden bei den Wettern und den Wettanbietern anrichten. Sinkewitz muss z.B. Schadenersatz zahlen, weil seine Doperei dem Sponsor geschadet hat. Jan Ullrich hat sich mit einer wohl sechsstelligen Zahlung von der Anklage wegen Betrugs zu Lasten seines ehemaligen Arbeitgebers losgekauft. Radprofis sind doch keine mit Nachsicht zu behandeltenden Kinder / Schüler mehr! Wer bei der Doktorarbeit betrügt ist natürlich ein Betrüger - was denn sonst? Das ist aber auch nicht wichtig. Doper halten sich nicht an die Regeln des Sports. Sie sind nach den Regeln zu bestrafen - also zu sperren. Sport ohne Regeln kann es nicht geben, sonst fahren die den Giro demächst nicht nur mit Amphetaminen und Blutdoping sondern Mutanten mit Hilfsmotor. Ich bin auch für die zweite Chance nach einer Sperre - dann aber (z.B. bei Jan Ullrich!) keine weitere mehr!

    s.sam17Von s.sam17, am Do 21.Mai. 20:56

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  15. Ich kann diesem Artikel nur beipflichten, es ist eine Unverschämtheit den anderen Rennfahrern gegenüber, dass Doping-Sünder an der Tour wieder teilnehmen.

    uli.kienVon uli.kien, am Sa 23.Mai. 12:00

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  16. Wenn jemand keine Ahnung vom Radsport hat, der sollte es schon mal ganz bleiben lassen darüber zu schreiben!

    Und das wird auch noch veröffentlicht- lächerlich !!!

    verzaubernVon verzaubern, am Di 26.Mai. 00:33

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  17. verzaubern
    Wie steht es um Deine Kenntnisse des Radsports? Kennst Du die Regeln? Nach den Regeln ist es z.B. verboten Abkürzungen zu fahren, Hilfsmotoren einzusetzen oder Blutdoping zu betreiben. Wer das tut ist auszuschließen. So sind Regeln des Radsports. Es kann doch nicht jeder seine eigenen Regeln beschließen. Ansonsten gilt auch: wer erwischt wird, der wird bestraft. Das gilt im Straßenverkehrsrecht, im Steuerrecht und im Sportrecht. Ob andere (Sportler, Sportarten) das Gleiche tun ist doch völlig egal.

    s.sam17Von s.sam17, am Di 26.Mai. 07:28

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  18. tz.. Also wenn Herr Armstrong schon beim Giro mitfahren darf, sollte es mich auch nicht wundern wenn Vino und Rassmussen nächstes Jahr dabei sind... Dann können sich die Doping-Überlebenden ein ins Fäustchen lachen und der Zuschauer weiter für dumm verkauft werden.
    Und jetzt bitte kein "Armstrong wurde nie überführt" ... doch wurde er... leider nachträglich und somit unwirksam und für das Regelwerk irrelevant. .... 2 Jahre gewartet - neues Zeug entwickelt - weiter gehts. so long

    kempstar1984Von kempstar1984, am Di 26.Mai. 15:33

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