Do 15.Okt. 22:28
Das Geheimnis um die Tour-Strecke für 2010 ist gelüftet. Höchste Zeit, die einzelnen Teilstücke mal unter die Lupe zu nehmen - und auch gleich die Etappensieger zu präsentieren:
Prolog: In Rotterdam kehrt der klassische Prolog zurück: Auf den 8 Kilometern mit langen Geraden und zwei Brücken über die Maas als größte Schwierigkeiten sind keine größeren Abstände zu erwarten. Zur Freude der Fans gibt's einen umjubelten Heimsieg von Kenny van Hummel: Der Sprinter vom einheimischen Skil-Team geht als Erster von der Rampe - und ist als einziger Fahrer vor dem Wolkenbruch im Ziel.
1. Etappe: Auf den Kilometern am Meer entlang versucht Alberto Contador vergeblich, Lance Armstrong auf der Windkante abzuhängen. Den Sprint in Brüssel gewinnt Tyler Farrar dank seiner Ortskenntnis am Stadion "Roi Baudouin", wo er schon im August 08 bei der Eneco-Tour siegte.
2. Etappe: Welliges Terrain auf dem Weg nach Spa. Auf den letzen Kilometern warten einige der Anstiege der Ardennen-Klassiker, an denen die Favoriten sich dezent antesten. Auf der Zielgeraden aber überlassen sie den Spezialisten das Feld, Philippe Gilbert gewinnt nach seinen Siegen im Frühjahr erstmals auch bei der Tour.
3. Etappe: Große Nervosität wegen der 13 Kilometer Kopfsteinpflaster vor der Ankunft am Wald von Arenberg. Das Feld zerreißt in mehrere Gruppen, abgehängt werden u.a. Christophe Moreau und Juan Mauricio Soler. Im Duell um den Tagessieg hat George Hincapie gegen Fabian Cancellara das Rad vorn und rechtfertigt die Wildcard für sein BMC-Team.
4. Etappe: Kurz und meist flach - in Reims kommt es wie erwartet zum Massensprint. Topfavorit Mark Cavendish muss sich aber hauchdünn Alessandro Petacchi geschlagen geben, der sieben Jahre nach seinem Viererpack wieder bei der Tour jubelt.
5. Etappe: Neuer Tag für die Sprinter, die sich die wenigen Chancen in diesem Jahr nicht entgehen lassen wollen. Das Zusammenspiel zwischen Cavendish und André Greipel bei Columbia ist aber noch nicht absolut perfekt: Profiteur ist Routinier Jan Kirsipuu, der sein Tour-Comeback für ag2r nach fünf Jahren Abwesenheit krönt und mit 41 Jahren fast zum ältesten Etappensieger aller Zeiten wird.
6. Etappe: Mit 225 Kilometern der längste Abschnitt, doch trotz aller Ausreißversuche bringen die Sprinterteams das Feld geschlossen auf die Zielgerade. Endlich scheint alles nach Plan zu laufen für Cavendish, doch dann überlegt er einen Sekundenbruchteil zu lang, welche Jubelpose er einnehmen soll. Humorlos schiebt Jimmy Casper sein Vorderrad noch vorbei.
7. Etappe: Nach einer Woche wird es ernst für die Anwärter aufs Podium. Die 161 Kilometer in den Jura führen über fünf Berge an den 13,5 Kilometer langen Schlussanstieg zur "Station des Rousses". Leider belauern sich die Asse am Tag vor den Alpen und kommen zeitgleich ins Ziel. Nutznießer sind sieben Ausreißer, die über eine Viertelstunde Vorsprung herausfahren. Während Jussi Veikkanen für den ersten finnischen Etappensieg bei der Tour sorgt, übernimmt Johannes Fröhlinger das Gelbe Trikot.
8. Etappe: Auftakt zu drei Alpen-Abschnitten, über den Col de la Ramaz geht's zur Bergankunft in Morzine-Avoriaz. Schwer, aber nicht vorentscheidend. Außer für Cadel Evans: Er büßt alle Chancen ein, als er nach Reifenschaden kurz vor dem ersten Gipfel zwei Minuten auf ein neues Laufrad warten muss. Fluch des Weltmeister-Trikots? Buhrufe im Ziel für den Tagessieger, Armstrong-Helfer Floyd Landis.
9. Etappe: Nach dem ersten Ruhetag ein harter Brocken, über 200 Kilometer mit vier schweren Pässen: Colombière, Aravis, Saisies und 30 Kilometer vor dem Ziel der Col de la Madeleine. Vom Start weg attackiert Thor Hushovd, um unterwegs Punkte für das Grüne Trikot zu sammeln. Am letzten Gipfel wird er gestellt, aus der Gruppe um die Favoriten löst sich in der Abfahrt Youri Trofimov und siegt als Solist.
10. Etappe: Tour-Halbzeit und erster Unmut wird laut: Noch immer liegen die Stars allesamt innerhalb von 90 Sekunden. Am Nationalfeiertag wird sich das nicht ändern, denn die 179km sind hart, aber nicht schwer genug. Alexander Winokurow versucht, sich wie 2003 auf der Route nach Gap abzusetzen, denn es sei auch "Tag der kasachischen Blutspender". Das Feld riecht den Braten und bleibt dran. Ovationen sichert sich Dimitri Champion, der den prestigeträchtigen Sieg für Frankreich holt.
11. Etappe: Raus aus den Alpen und rein ins Vergnügen für die Ausreißer. Nach dem Ausstieg von Petacchi, Casper und Kirsipuu haben zu wenig Teams Interesse daran, die Fluchtgruppen zu jagen. Aus einer großen Gruppe heraus sprinten die Weißrussen Hutarovich, Kuschynski und Sivtsov zu einem Dreifachsieg für ihr Land in Bourg-lès-Valence.
12. Etappe: Ankunft am Aerodrom von Mende, wo einst Laurent Jalabert die Franzosen verzückte und Miguel Indurain kurz ins Wanken brachte. Doch 2010 belauern sich die Favoriten weiter, sie sind komplett auf die schwere Schlusswoche fixiert. Allein Evans geht zum Angriff über und kann als Tagessieger einen Teil seines Rückstandes aufholen. Fröhlinger verteidigt weiter tapfer sein "maillot jaune".
13. Etappe: Knapp 200 Kilometer flaches Terrain nach Revel, das aber im Finale noch einige Schwierigkeiten bereit hält. Die Ausreißer halten das Feld erfolgreich auf Distanz, am letzten Anstieg fünf Kilometer vor dem Ziel löst sich dann ein Solist erfolgreich: U23-Weltmeister Romain Sicard zeigt seine Klasse und ist das neue, saubere Gesicht von Euskaltel.
14. Etappe: Endlich wird es ernst: Die vier Pyrenäen-Tage beginnen mit einer Bergankunft - und zumindest die eher als Außenseiter gehandelten Kletterspezialisten werfen den Fehdehandschuh. Am Port de Pailhères setzt sich Robert Gesink ab und fährt zwei Minuten Vorsprung auf die Gegner heraus, wo keiner die Verfolgungsarbeit machen will. Der Niederländer übernimmt Gelb, als Etappensieger rettet sich aber wie 2005 ein Österreicher ins Ziel nach 184km in Ax-3 Domaines: Thomas Rohregger macht eine Traum-Tour für Milram perfekt.
15. Etappe: Das "leichteste" dieser Teilstücke, nur der Porte d'Aspet, Ares und Port de Balès stehen auf dem Menü. Vor der Königsetappe sind die Favoriten wachsam, eine Gruppe von fast 50 Fahrern bleibt bis zum letzen Gipfel, 21km vor dem Ziel im Tal, zusammen. Auf der Abfahrt aber löst sich Fabian Cancellara und feiert den Coup mit einem "burnout" hinter der Ziellinie.
16. Etappe: Die "Mutter aller Etappen" zum Jubiläum der ersten Pyrenäen-Querung vor 100 Jahren. Fast 200km über Peyresourde, Aspin, Tourmalet und Aubisque. Allerdings sind es vom letzen Gipfel noch fast 60km ins Ziel. Saxo Bank wagt einen taktischen Coup und schmuggelt drei Fahrer in eine erste große Ausreißergruppe um Thor Hushovd. Zu spät merken die Konkurrenten, dass einer davon Andy Schleck ist. Sie haben ihn mit seinem Bruder Frank verwechselt, da in diesem Jahr keiner der beiden das Trikot des luxemburgischen Meisters trägt. Astana und RadioShack weigern sich, Tempoarbeit zu machen, Armstrong und Contador wollen einander keinesfalls irgendwie unterstützen. Erst ein Mannschaftszeitfahren von Garmin schließt die Lücke bis auf eine Minute. Aus der Spitzengruppe holt Thomas Lövkvist den ersten Tour-Erfolg für Team Sky.
17. Etappe: Nach einem Ruhetag voller geheimer Strategietreffen bei den Topteams kommt es zum Showdown bei der letzten Bergankunft am Tourmalet nach 174km. An den beiden Bergen zuvor sorgt Astana für ein irrwitziges Tempo, doch alle abgehängten Topfahrer kommen in den langen Flachstücken wieder heran. Eine kurze Atempause nutzt eine kleine Gruppe zur Attacke, mit dabei auch Tony Martin. Er holt den Sieg mit einem cleveren Sprint im Duell mit Juan Manuel Garate. Dahinter tobt der Kampf der Giganten: Am Fuß des Tourmalet fasst Contador dann Armstrong von hinten über den Rücken und tippt ihm auf die linke Schulter. Gleichzeitig tritt er an und zieht rechts am Texaner vorbei. Fast drei Minuten holt der Titelverteidiger bis zum Gipfel auf alle Gegner heraus. Er löst Gesink in Gelb ab.
18. Etappe: Die Tour ist entschieden, doch das lange Zeitfahren steht noch aus. Zuvor will Columbia endlich Cavendish oben auf das Podium bringen. Die Ankunft im Sprinter-Mekka Bordeaux kommt wie gerufen, aber beim Briten ist der Wurm drin. Zu viel Kraft hat er in den Bergen gelassen, der Slowene Borut Bozic zieht noch an ihm vorbei.
19. Etappe: Stunde der Wahrheit im Kampf gegen die Uhr. Von Bordeaux nach Pauillac sind 51 Kilometer auf welligem Terrain vorbei an den edlen Reben zu absolvieren. Contador will die Tour nicht ohne Tagessieg gewinnen, liegt aber im Ziel nur drei Sekunden vor Cancellara. Trotz des Coups ärgert sich der Spanier noch lange über seine drei Reifenschäden auf den letzten Kilometern. Die ereilten ihn just in dem Teil der Strecke, wo er den vor ihm gestarteten Armstrong einzuholen drohte. Maliziös lächelnd spricht jener danach von "Erfahrung" und spielt gedankenverloren mit einem Reißnagel.
20. Etappe: Triumphfahrt nach Paris. Contador posiert, eingerahmt von Evans und Andy Schleck, für die Fotografen. Armstrong erklärt, sein vierter Platz sei eine gute Vorbereitung für den Ironman auf Hawaii gewesen, das sei echter Sport und nicht so eine "Nichtschwimmer-Veranstaltung" wie die Tour. Wortlos reist Cavendish aus Paris ab, auch sein Grünes Trikot kann ihn nicht trösten: So engagiert hatte ihm Greipel den Sprint auf den Champs Elysées angezogen, dass er am Deutschen gar nicht mehr vorbeikam. Hushovd nimmt seinen dritten Platz gelassen und freut sich über sein Bergtrikot.
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Köstlich!
Vor allem Hushovd im Bergtrikot, das trau ich dem sogar zu 
Aber schlecht für eurosport, guck die Tour nicht mehr, kenn ja jetzte das Ergebnis :P
Am ANfang fand ichs nicht so gtu aber es sind doche einige schöne Sachen drinn!
Am besten finde ich:
Dahinter tobt der Kampf der Giganten: Am Fuß des Tourmalet fasst Contador dann Armstrong über den Rücken und tippt ihm auf die linke Schulter, tritt an und zieht rechts am Texaner vorbei.
Trotz des Coups ärgert sich der Spanier noch lange über seine drei Reifenschäden auf den letzten Kilometern. Die ereilten ihn just in dem Teil der Strecke, als er den vor ihm gestarteten Armstrong einzuholen drohte. Maliziös lächelnd spricht jener danach von "Erfahrung" und spielt gedankenverloren mit einem Reißnagel.
und die gesamte 20. Etappe.
heho, nette sache mitten in dem ganzen neativ-alltagskram der radsportgemeinde.
mein highlight: cancelaras burnout - bis die felge glüht...
Tolle Tour immer-der Giro ist vom taktisch-geprägten Profil die wesentlich interessantere Rundfahrt
Tour ist schön,da es da sonst eh nix gibt-aber dennoch,mehr Flexibilität ist angesagt
ok,hab jetzt erst den Etappenplan gelesen-scheint tatsächlich endlich mal was gutes Neues zu werden-endlich!!!!!!!!!!!!!!
Wunderbarer Artikel, tausend Dank!
1. Etappe: Auf den Kilometern am Meer entlang versucht Alberto Contador vergeblich, Lance Armstrong auf der Windkante abzuhängen.
Auf so was muss man erst mal kommen^^
Ein sehr schöner Artikel, danke dafür 
schöne idee
etwas unrealistisch
vor allem cavendish ohne etappensieg
hoffe petachi macht erst gar nicht mit
er gehört nicht in den radsport
schöne idee
etwas unrealistisch
vor allem cavendish ohne etappensieg
hoffe petachi macht erst gar nicht mit
er gehört nicht in den radsport
sehr fein! Wirklich lustig. Bitte mehr davon!
Wie immer klasse, vor allem Kirsipuu mit Etappensieg
. Cavendish ohne Etappensieg ist so wahrscheinlich wie Hushovd im Bergtrikot ;).
Wenn es so käme wäre es Wahnsinn für Milram. Hofentlich kommt es nicht so, denn Landis und Petacchi sind nun wirklich keine Leute, die man vorne sehen will. Habe mich aber wieder köstlich amüsiert, toll zu lesen, auch wenn manches von der diesjährigen Tour geklaut wurde ;).
Wo fährt denn Landis, wird der wirklich bei der Tour am Start sein?
@harry.morgan
Landis ist bislang beim kleinen US-Team OUCH unter Vertrag, doch es gab und gibt tatsächlich Gerüchte, er könne zu RadioShack kommen. Armstrong zumindest hat das ausdrücklich "nicht ausgeschlossen".
Ob er aber je wieder das Niveau einstiger Jahre ereicht, ist fraglich, 2009 war an Resultaten eher dünn.
Ich ganz persönlich würde mir ja wünschen, dass die Tour bei Leuten wie Landis, Winokurow und Rasmussen ihr Veto einlegt, gleich was die UCI oder die jeweiligen Teams sagen. Das Trio hat einfach zu viel Negativschlagzeilen gemacht - die würde ich zu meiner Party echt nicht mehr einladen.
Geil, dieser Bericht!! Auch Brägel holt sich mit Köpfchen den Gesamtsieg 2010. Nette, lustige Zeilen, die anregen - weiter so...
sehr schön 
ich hoffe sie wird wirklich so spannend 
mal etwas anders 
SUPER! Der Artikel ging bestimmt runter wie Öl, ich schätze 59sek?
Aber wo bleibt Voigt, der fährt doch nochmal, weil er dies Jahr gestürzt ist. Für Fröhlinger seh ich eher Martin in Gelb, gegen den bin ich mal bei einem Rennen gestartet *stolz*
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