Die kurze und anspruchsvolle Etappe wurde mit Höchsttempo gefahren und auf eine heiße Anfangsphase folgte am Ende ein dramatisches Finale. Am letzten und schwersten Anstieg des Tages holte Pinot den bis dahin führenden Schweden Fredrik Kessiakoff (Astana) ein und ging mit knappem Vorsprung in die Abfahrt zum Ziel.
"Es waren die längsten zehn Kilometer meines Lebens", so Pinot im Ziel, der von seinem Teamchef frenetisch nach vorne gepeitscht worden war, "aber es hat gereicht und ich kann es kaum fassen!" Der 22-Jährige war erst spät überhaupt ins Tour-Team gerutscht, nachdem sein Kapitän Arnold Jeannesson verzichtet hatte. Nun sorgte er für den ersten französischen Sieg in der 99. Auflage der Rundfahrt.
Am Ende rettete er eine halbe Minute ins Ziel - und dankte seinem Teamkollegen in der Ausreißerruppe: "Diesen Sieg habe ich Jérémy Roy zu verdanken, er hat eine monströse Arbeit gemacht und hat sich für mich bis zum letzten Anstieg aufgeopfert", so der Tour-Neuling.
Evans sucht seine Chance
Dahinter lieferten sich die Anwärter auf das Tour-Podium am Col de la Croix (1. Kategorie) ein Duell. Die steilsten Rampen kurz vor der Bergwertung nutzte Jurgen van den Broeck (Lotto) zu einer Tempoverschärfung, der nur wenige Fahrer folgen konnten. Neben dem Belgier waren allein Spitzenreiter Wiggins und sein Teamkollege Chris Froome, Titelverteidiger Evans, Vincenzo Nibali (Liquigas), Denis Menchov (Katusha) und das RadioShack-Trio Chris Horner, Haimar Zubeldia und Frank Schleck in der Lage zu folgen.
Die Lücke zu Pinot konnte sie aber nicht mehr schließen und auch alle Attacken auf Wiggins verpufften: Nibali und Evans versuchten es erst in der Abfahrt, van den Broeck und wieder Evans auf der Zielgeraden. Doch am Ende der 157,5 Kilometer blieben die Abstände der Asse in der Gesamtwertung unverändert.
Klöden rutscht ab, Voigt attackiert
Andreas Klöden verlor als bester Deutscher auf dem 30. Tagesrang rund zwei Minuten und fiel damit in der Gesamtwertung auf Platz 19 zurück. Zuvor hatte sich aus deutscher Sicht erst Jens Voigt mit einer tollen Attacke in der unheimlich schnellen Anfangsphase der Etappe lange in Szene gesetzt, später war Dominik Nerz (Liquigas) mit in der Ausreißergruppe um Pinot unterwegs, aus der sich der Franzose an er vorletzten Bergwertung auf den Weg Richtung Tagessieg machte.
Kessiakoff, dessen Astana-Team in der ersten Rennstunde mit extremem Einsatz alle Ausreißversuche beendete, blieb als Belohnung für seine Attacke das Bergtrikot, das er Froome um einen Punkt abnahm.
Fröhlinger & Sanchez raus
Nicht mehr in die Etappe starten konnte mit Johannes Fröhlinger einer der zwölf verbliebenen deutschen Fahrer. Ein Mittelhandbruch sorgte für den zweiten Ausfall nach Marcel Kittel im Argos-Team. Ein Sturz beendete auf den letzten Kilometern in Frankreich alle Hoffnungen von Olympiasieger Samuel Sanchez, der Gewinner der Bergwertung der Tour 2011 brach sich das Schlüsselbein.
Die verbliebenen Favoriten werden sich nun im Zeitfahren über 41,5 Kilometer ein Fernduell liefern, das die Gesamtwertung weiter in Schwung halten wird und große Abstände verspricht.
TV-Tipp:
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