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    Werder droht der Ausverkauf

    Werder pokert weiter

    Von Petra Philippsen

    Die Kameras hatten ihn am Samstagnachmittag gesucht und gefunden. Ihn, Claudio Pizarro, Werders wichtigsten Mann, der gegen Augsburg noch seine Sperre absitzen musste. Und die Teleobjektive hatten auf der Bremer VIP-Tribüne nicht nur ihn ins Visier genommen, sondern auch seinen Sitznachbarn. Dass Carlos Delgado neben Pizarro saß, war im Grunde nichts Ungewöhnliches, schließlich ist der Freund und Landsmann des Peruaners oft in der Hansestadt zu Gast. Doch da Delgado auch und zuallererst Pizarros Berater ist, heizte diese Stippvisite nun die Spekulationen um den Bremer Stürmer-Star umso mehr an.

    "Ich glaube, wir haben gute Karten"

    "Ich will das nicht kommentieren", stellte Klubchef Klaus Allofs klar. Wie weit man in den Verhandlungen sei, wolle man nicht sagen. Und schon gar nicht, wann mit einer Entscheidung zu rechnen sei. "Warum sollten wir Hektik in die Sache reinbringen?", wehrte Allofs ab, doch die Bremer stehen immens unter Druck: Es sind derzeit heiße Tage an der Weser und das ist nicht dem milden Frühlingswetter geschuldet, sondern dem brenzligen Transferpoker, in dem sich Werder befindet. 13 Verträge laufen aus, darunter sind die Leistungsträger Tim Wiese, Clemens Fritz, Naldo und Sokratis – und Pizarro ist dabei so etwas wie die "Königspersonalie".

    Werder droht der Ausverkauf, ein Team ohne Stars. Doch nach einer Saison ohne Einnahmen aus dem europäischen Wettbewerb sind die Hanseaten klamm und können nicht nach Belieben um ihre Leistungsträger buhlen. Umso mehr ist Allofs seit Wochen bemüht, von den Vorzüge Werders zu schwärmen und seinen Spielern jegliche Rückendeckung zu geben. Selbst nach Pizarros Ohrfeige gegen Pogatetz wird nur der Schiedsrichter von Klubseite kritisiert. Werder braucht Pizarro und zwar mehr als jeden anderen Spieler. Daher haben diese Verhandlungen für Allofs oberste Priorität: "Ich glaube, wir haben gute Karten", betonte er gegenüber der "dpa", "wir haben ein sehr gutes Angebot vorgelegt. Da muss schon etwas sehr Interessantes kommen, damit er sich gegen Werder entscheidet."

    Wiese und Co. in der Warteschleife

    Doch Pizarro hat alle Trümpfe in der Hand: Es wird allgemein erwartet, dass er seinen Vertrag zum 31. März kündigt, damit ist er für jeden Klub ablösefrei zu haben, der ein Jahresgehalt von circa vier Millionen Euro bezahlen kann. Delgado soll bereits in London gewesen sein, die Queens Park Rangers sind zwar nur sportliches Mittelmaß, aber dafür steinreich. Auch Inter Mailand scheint zum Kreis der Interessenten zu gehören, wie auch die Bayern. Aber selbst nach der Kündigung kann Pizarro auch mit Werder über eine Vertragsverlängerung bis 2014 verhandeln.

    Dass sich Pizarros Entscheidung hinzieht, verbannt die übrigen Bremer Kandidaten in eine Warteschleife. Der Stürmerstar hat Vorrang, nicht nur, weil sich an seiner Personalie mit entscheiden dürfte, um wie viel das Gehalt der anderen Leistungsträger aufgestockt werden könnte. Obwohl Allofs betonte: "Ich muss mich nicht entscheiden: Den oder den. Ich sehe das eher so, dass mehr Geld für einen Ersatz da wäre, wenn Claudio nicht verlängern würde. Aber es wird nicht die Frage sein: Wiese oder Pizarro. Ganz sicher nicht."

    Allofs rechnet mit dem "worst case"

    Doch die Bremen müssen die Kosten reduzieren, das gibt der Klubchef auch offen zu. Lukrative Gehaltsaufstockungen sind da eigentlich nicht drin. Dass Werder derzeit um den Einzug ins internationale Geschäft bangen muss, macht die Lage nicht besser. Doch bei der Planung gehe man ohnehin vom "worst case" aus, sagte Allofs, also dem Verpassen der Europa League. Werder ist auf die Einnahmen aber dringend angewiesen, schließlich würden die Bremer auch bei Spielertransfers weitgehend leer ausgehen. Für Pizarro, Wiese und Fritz bekämen sie keine Ablöse und Naldo müssten sie im Sommer verkaufen, um noch einen Gewinn zu machen.

    Der Wert des dauerverletzten Abwehrmanns hat gelitten, dennoch kann Werder auf ihn eigentlich kaum verzichten. Der Brasilianer forciert aber schon seit dem Winter seine Rückkehr in die Heimat. "Wenn es ein gutes Angebot für Werder gibt, kann es sein, dass ich gehe", wird Naldo von der "Bild" zitiert. Momentan steht tatsächlich der "worst case" an der Weser zu befürchten – der entgültige Zerfall der Bremer Mannschaft. In den letzten Wochen sind die U23-Spieler bei Werder in die Bresche gesprungen und haben ihre Sache ordentlich gemacht. Dass die "Jugend forscht"-Abteilung aber noch zu internationalem Format reifen muss, sieht man nun, wo Werder im Kampf um Rang sechs immer weiter an Boden verliert. Gut möglich, dass die nächste Bremer Saison gezwungenermaßen ein Ausbildungsjahr für Nachwuchskräfte werden wird.

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