Jürgen Klopp wirkt angeknockt in diesen Tagen. Der Trainer von Borussia Dortmund hat seine Meisterlaune verloren und ist genervt.
Nach außen bemüht er sich um Sachlichkeit.
"Wir werden das nicht überbewerten, aber wir werden auch nicht so tun, als wäre nichts passiert", sagte der 45-Jährige mit zwei Nächten Abstand auf die nicht einkalkulierte 2:3-Pleite beim Hamburger SV.
Schon am Dienstag (ab 20:00 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de) bekommt sein Team bei Rekordaufsteiger Eintracht Frankfurt die Gelegenheit zur Wiedergutmachung.
Bereits fünf Punkte Differenz weist der BVB auf Tabellenführer Bayern München und die erstaunlich gut gestartete Eintracht auf. Nur ein Sieg gegen die Hessen lindert den Schmerz, den die erste Niederlage seit 31 Liga-Spielen verursacht hat.
"Unsere Serie ist gerissen", stellte Klopp fest. "Bei 26:6 Torschüssen müssen wir das Spiel gewinnen. Diese Niederlage ist beschissen", ergänzte er. Auch trotz eines Powerplay in den letzten 30 Minuten gelang es den Dortmundern nicht, zumindest einen Punkt aus dem Volkspark mitzunehmen.
"Mussten sehr viel falsch machen"
"Wir dominieren das Spiel komplett und spielen fast allein", regte sich Sebastian Kehl. Für Nationalspieler Mats Hummels, der nicht seinen besten Tag erwischt hatte, stand fest: "Wir mussten sehr viel falsch machen, um das Spiel zu verlieren."
Tatsächlich drängt sich nun der Eindruck auf, dass irgendetwas nicht mehr ganz so passend ist wie noch in der vergangenen Saison. Die Wucht der Euphoriewelle, auf der die Schwarz-Gelben so lange surften, scheint geringer zu werden. Es wirkt, als habe die Borussia plötzlich den eigenen Stil verloren.
"Wir sind in den ersten 20 Minuten dem eigenen Fußball hinterhergerannt. Wir haben versucht, ihn zu finden, aber das hat nicht geklappt", analysierte Linksverteidiger Marcel Schmelzer treffend.
Die mannschaftliche Geschlossenheit, die Dortmund zuletzt auszeichnete, blitzte in dieser Saison bislang nur beim 3:0 gegen Leverkusen auf. Der 2:1-Erfolg gegen Werder Bremen war eher glücklich. Oft präsentieren sich die BVB-Jungs fahrig. Egal ob in Abwehr, Mittelfeld oder Sturm - es fehlt die vollkommene Fokussierung.
Klopp hat die Mängel erkannt und intern angesprochen, die aktuellen Probleme hält er für normal. "Ich habe noch nie eine Mannschaft trainiert, die ihre beste Phase in den ersten fünf Spielen hatte", winkt er kritische Fragen ab. Und auch die gute Form der Bayern beschäftigt ihn nicht. "Das ist mir relativ wurscht und auch das kleinste Problem, das ich habe", schnaubte er. Von "Doppelbelastung" wegen der Champions League will er ebenfalls nichts wissen: "Mit so einem Mist braucht man erst gar nicht anzufangen."
Reus sucht noch seinen Platz
Die Qualität in seinem Kader ist unbestritten hoch und Spiele wie in Hamburg werden deshalb voraussichtlich Ausrutscher bleiben. Und schließlich hatte der BVB in der vergangenen Saison nach sechs Spielen sogar drei Niederlagen auf dem Konto und wurde trotzdem Meister.
Aktuell drückt der Schuh vor allem aber in der Offensive, wo Star-Neuzugang Marco Reus noch immer seinen Platz sucht. Noch zieht er zu oft ins Zentrum, wo er dann die Räume für Mario Götze eng macht. In Hamburg stellte Klopp die Dreier-Reihe hinter Stürmer Robert Lewandowski mehrmals um, weil es nie ganz passte. Reus blieb blass.
Sportdirektor Michael Zorc fordert Geduld. "Unser Spiel ist anders als das von Mönchengladbach. Es braucht einfach Zeit, das zu verinnerlichen."
Er und Klopp setzen schon in Frankfurt auf den Lerneffekt. "Wenn wir aus Hamburg die richtigen Schlüsse ziehen, dürfte es die letzte Niederlage für eine Weile gewesen sein", prognostiziert der Trainer.
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