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    Mit Volleyball-Catenaccio ins Halbfinale

    Träumen verboten! Kapitän Björn Andrae hält vor dem olympischen Viertelfinale der deutschen Volleyballer den Ball flach. "Es wäre fast frech, von einer Medaille zu sprechen", betonte der Routinier vor dem Viertelfinal-Duell in London gegen Dauer-Kontrahent Bulgarien. Frech, aber nicht unmöglich.

    Zwar haben die Bulgaren bisher ein starkes Turnier gespielt und sind favorisiert. Doch wie es geht, haben die deutschen Schmetterkünstler bei ihren drei Siegen gegen Bulgarien im Olympia-Sommer bereits bewiesen. "Wir müssen einen guten Tag erwischen und alles reinhauen", sagte Routinier Andrae.

    Erstmals seit 40 Jahren, als die DDR 1972 in München Silber geholt hatte, stehen wieder deutsche Volleyballer in der Runde der letzten Acht bei Olympia. "Es passiert nicht so oft, dass deutsche Volleyballer in einem Viertelfinale stehen", sagte Trainer Vital Heynen denn auch stolz. Das bedeutungslose 0:3 im letzten Vorrundenspiel gegen Brasilien ist abgehakt. Sein Matchplan steht.

    Pokerface und Psychospielchen

    Aus allein sechs Duellen mit Bulgarien im Olympia-Jahr kennt der Trainer-Fuchs den Dauer-Gegner gut. Heynen ist ein Pokerface, auch Psychospielchen gehören zu seinem Repertoire. "Wie die Bulgaren gegen Italien gewonnen haben, war unglaublich beeindruckend. Wenn sie am Mittwoch so spielen, verlieren wir", sagte der Belgier, um sofort nachzulegen: «"ber Mittwoch ist nicht Montag. Und vielleicht machen wir es besser als die Italiener."

    Helfen soll sein Volleyball-Catenaccio. Unter Heynen, der im Frühjahr die Nachfolge des glücklosen Raúl Lozano übernommen und die deutschen Männer doch noch zu Olympia geführt hatte, haben Andrae und Co. an Sicherheit gewonnen. Die Volleyball-Philosophie des deutschen Coaches setzt darauf, es dem Gegner möglichst schwer zu machen, den Ball auf den Boden zu bringen. Und weitgehend Eigenfehler zu vermeiden.

    Anders als beim Fußball

    "Wie beim Catenaccio", sagte Heynen. "Nur dass der Catenaccio im Volleyball attraktiv ist", hatte die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' den Trainer einmal zitiert. "Anders als im Fußball." Dies bekamen auch Brasiliens Ballzauberer zu spüren, die in den ersten beiden Sätzen ihre liebe Mühe hatten, zu Punkten zu kommen. Immer wieder stand der deutsche Block im Wege, immer wieder kratzte ein deutscher Spieler den Ball im letzten Moment doch noch vom Boden. Es ist mühsam geworden, gegen die deutschen Männer zu punkten.

    Selbst Top-Angreifer Georg Grozer, der bei seinen knallharten Aufschlägen und Angriffsbällen jede Menge Risiko geht, steht hinter dem System. "Das passt zur Mannschaft", sagte der 27-Jährige, der vor dem Viertelfinale eine Auszeit bekam. "Aber ich muss draufhauen. Wenn ich überlege, verliere ich diese Wucht. Heynen gibt mir die Freiheiten. Wenn er nicht einverstanden ist, wechselt er mich aus."

    Mit Emotion ist alles möglich

    Auch Libero Markus Steuerwald zeigte sich tief beeindruckt vom Auftreten der Bulgaren. "Wir sind der Außenseiter. Sie spielen ein sehr, sehr gutes Turnier." Dabei hatte der deutsche Dauer-Gegner, gegen den es im Sommer drei Niederlagen und drei Siege gab, lange mit Turbulenzen zu kämpfen. Cheftrainer Radostin Stoichew und Superstar Matei Kazyiski waren nach Differenzen mit dem Verband zurückgetreten. Aber nun läuft es: "Wenn wir mit Emotion spielen, können wir hier alles gewinnen", sagte Top-Angreifer Tswetan Sokolow.

    Ihn müssen die deutschen Männer am Mittwoch unter anderem in den Griff bekommen, dann ist alles möglich. Grozer hat sogar schon mal kurz den ganz großen Traum geträumt. "Klar kommen die ersten Wünsche und Gedanken, hier weiterzukommen", sagte er. "Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können. Diese Mannschaft wird darum kämpfen." Widersprochen hat keiner.

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