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    VfB: Friede, Freude, Krisenende?

    Der erste Sieg ist eingefahren, der Abstiegsplatz wurde verlassen. Als VfB-Fan könnte man beim Blick auf die offensichtlichsten Zahlen mit stark verbessertem Bauchgefühl in den Oktober starten. Doch der 2:0-Sieg in Nürnberg täuscht über die Realität hinweg. In Stuttgart hat sich nur wenig verändert.

    "Die Mannschaft hat viel investiert und sich dafür belohnt", lobte Trainer Bruno Labbadia nach der Partie und hatte Recht: Rund 128 Kilometer sind die Stuttgarter während der 90 Minuten gelaufen - sechs mehr als der 1. FC Nürnberg.

    Allein Flügelspieler und Torschütze Martin Harnik absolvierte 35 Sprints und war mit 13,4 Kilometern der Laufstärkste auf dem Platz. "Wir haben bedingungslos gearbeitet", hielt er fest. "Und das war super."

    Außer der Aufopferungsbereitschaft verbreitete der VfB auch gegen Nürnberg nicht viel Glanz. Nur 39 Prozent Ballbesitz, lediglich 45 Prozent gewonnene Zweikämpfe und, das ist wohl am erschreckendsten, gerade einmal 65 Prozent der Pässe kamen beim Mitspieler an.

    Die Schwaben konnten von Glück reden, dass ihnen nicht nur durch den haarsträubenden Fehler von Marcos Antonio bereits nach 24 Sekunden ein geschenktes Tor in den Schoß fiel, sondern neun Minuten später auch noch ein regulärer Treffer des besten Nürnbergers, Timm Klose, aberkannt wurde.

    "Wir haben Abstiegskampf gezeigt"

    Mit der Führung im Rücken wog es weniger schwer, dass die Schwaben weiterhin große Schwierigkeiten haben, ihr Offensivspiel aufzuziehen. Doch immer dann, wenn genau das nötig gewesen wäre, um sich aus der Umklammerung der anstürmenden Nürnberger zu befreien, wurde die Behäbigkeit im Vorwärtsgang deutlich.

    "Ich habe gehofft, dass das frühe Tor mehr Sicherheit gibt, aber das hat es nicht. Wir waren trotzdem sehr ängstlich mit dem Ball", bilanzierte Harnik und sprach ungewohnt früh in der Saison an, was dem VfB drohen könnte: Überlebenskampf. "Grundsätzlich haben wir heute Abstiegskampf gezeigt. Das war alles andere als attraktiv", so der Österreicher.

    "Wir sind eingespielt, kennen uns und die Laufwege vom letzten Jahr. Das ist natürlich ein Vorteil", sagte Kapitän Serdar Tasci vor der Saison im Interview mit eurosport.yahoo.de beim Blick auf den kaum verstärkten Kader. Von diesem Vorteil aber ist momentan wenig zu sehen.

    Schwierige Wochen warten

    Um Schlagzeilen wie "Verein für Blamagen" (Stuttgarter Zeitung) oder "Wir können alles, außer Fußball" (Süddeutsche Zeitung), die nach der 0:3-Klatsche gegen Hoffenheim zu lesen waren, werden die Stuttgarter nach dem ersten Sieg der Saison selbstverständlich herumkommen.

    Doch mit derart vielen kleinen Fehlern - Nürnberg bekam neun Ecken, Stuttgart hatte nur deren drei - und unnötigen Fouls in der Nähe des eigenen Strafraums, wäre es auch falsch, euphorisch von Aufwind und Befreiungsschlag zu sprechen.

    Einzig die Kaltschnäuzigkeit von Vedad Ibisevic und Martin Harnik vor dem gegnerischen Tor sowie die groben Fehler in der Nürnberger Deckung und deren Nachlässigkeit in der Offensive bescherten drei Punkte, die gegen erstarkte Leverkusener, Hamburger, Frankfurter, Dortmunder und Hannoveraner in den kommenden fünf Spielen nur schwer zu erreichen sind.

    Bloß nicht wie vor zwei Jahren

    "Bei mir werden Erinnerungen an die Saison vor zwei Jahren wach, und so eine Situation möchte ich nicht wieder erleben", sagte Cacau nach dem Hoffenheim-Spiel. Stuttgart tut gut daran, sich das trotz des Sieges weiter vor Augen zu führen: Damals glaubte man nach einem fulminanten 7:0 über Mönchengladbach, dass es nun bergauf ginge. Was folgte, waren drei Niederlagen in Folge und die Entlassung von Trainer Christian Gross sowie der Sturz auf Rang 18.

    Zuversichtlich stimmt, dass die Stuttgarter Protagonisten die Situation zumindest an den Mikrofonen richtig einzuschätzen scheinen.

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