Nüchtern betrachtet war das Spiel gegen die Niederländer nämlich das eine, welches der Deutsche Meister gewinnen musste. Ajax ist die schwächste Mannschaft der Gruppe. Um den dritten Platz abzusichern, mussten die drei Punkte im Revier bleiben. Das taten sie.
Dass der Sieg durch ein erzwungenes Tor drei Minuten vor Schluss festgezurrt wurde, ist ein willkommener Nebeneffekt - für Selbstvertrauen und Stimmung. Doch - Achtung Floskel - mit drei Punkten hat noch kein Team das Achtelfinale erreicht. Die Prüfsteine kommen erst noch. Schon heute der erste. In Form des englischen Meisters. Der Millionen-Truppe Manchester City (ab 20.45 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de).
"Sie gelten als Underdog"
Die öffentliche Wahrnehmung hat sich im Vergleich zu 2011 kaum geändert. Dortmund gibt, trotz der beeindruckenden nationalen Erfolge, im europäischen Konzert die zweite Geige. "In England gelten sie als absoluter Underdog", verrät Tom Adams, Fußball-Redakteur von Eurosport UK. "Das liegt zum einen daran, dass die Bundesliga hier wenig Publicity erhält. Andererseits hat der BVB im vergangenen Jahr auf europäischer Bühne wenig für eine Veränderung dieses Status getan."
Schon vor zwölf Monaten hatte es die Borussia in der Gruppe mit einem englischen Schwergewicht zu tun. Arsenal London trotzte man gleich im ersten Match des Wettbewerbs einen viel umjubelten Punkt ab. Durch ein Tor in der zweiten Minute der Nachspielzeit durch Ivan Perisic auf heimischer Wiese. Das daraus resultierende Selbstvertrauen, die Zuversicht, nahm man mit auf zwei Auswärtsfahrten nach Marseille und Piräus.
Als Dortmund diese mit 0 Punkten und 1:6 Toren abschloss, hatte sich das große Abenteuer "Königsklasse" in einen schwer verdaulichen Albtraum verwandelt. Naiv und lässig warf das junge Team sein Spiel über Bord, getrieben von dem Wunsch, auf der großen Bühne eine besonders extravagante Show hinlegen zu wollen. Das Ende ist bekannt: Eine machbare Gruppe beendete der deutsche Meister als Letzter.
Furchtlos in der Offensive
Dass man im schwarz-gelben Lager daraus gelernt hat, scheint angesichts des hochtalentierten Personals neben und auf dem Platz logisch. Schon gegen Amsterdam war ein Fortschritt erkennbar. Gegen die Niederländer erwischte Dortmund bei Weitem keinen Sahnetag. Das Spiel stand mehrfach auf der Kippe, Ajax vor der Führung.
Der BVB jedoch bewahrte Ruhe, stabilisierte sich defensiv und brachte vorne schließlich einen der 14 Torschüsse in den letzten 30 Minuten unter. Keine Spur von blindem Anrennen. Das wird auch in Manchester gefordert sein, auch wenn Dortmund das Spiel nicht wird machen müssen.
"Citys Trainer Roberto Mancini macht sich Sorgen um die eigene Defensive. Die agiert in dieser Saison etwas sorglos. Das könnte eine Chance für Dortmund sein", meint Eurosport-Redakteur Adams. "Die Schnittstellen sind hier und da offen. Das ist wie gemacht für Borussias talentierte Sturmreihe." Bei aller Klasse Manchesters sind die Namen Mario Götze und Marco Reus den Fußballfans auf der Insel durchaus ein Begriff.
"Intelligente, junge Spieler", beschreibt Adams, "aufgewachsen in der neuen deutschen Fußballtradition: Technisch stark und furchtlos in der Offensive." Eben diese Furcht - auch vor der eigenen Courage - abzulegen, dürfte der Schlüssel sein. Besinnt sich Borussia auf die eigenen Stärken, ist auch in Manchester was drin.
Ob es schließlich zum Weiterkommen in einer Gruppe mit dem englischen, spanischen und niederländischen Meister reicht, wird hier und da auch das Glück entscheiden. Die Chancen, 2011 vergessen zu machen, stehen seit dem Amsterdam-Spiel aber günstig.

VIDEO - ManCity hat Riesen-Respekt vor dem BVB
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