Die Lehren:
Tschechien hat sich mit einem umkämpften Erfolg nach der 1:4-Schlappe gegen Russland rehabilitiert, das frühzeitige Aus bei der EURO verhindert und mit drei Punkten gute Aussichten, ins Viertelfinale einzuziehen.
Das Team von Michal Bilek zeigte in Breslau aber zwei Gesichter. Angekurbelt vom Wolfsburger Jiracek zog Tschechien dem Gegner mit zwei frühen Toren nach wenigen Minuten den Zahn und begeisterte mit temporeichem Offensivfußball und konzentrierter Defensivarbeit.
In der zweiten Hälfte baute der Finalist von 1996 merklich ab und zitterte sich zum Punktgewinn. Eines hat die Partie in Breslau aber offenbart. Die Motivation in der tschechischen Mannschaft ist hoch, auch das macht sie unberechenbar.
Die Griechen werfen bei dieser EURO viele Fragen auf. Nach dem überraschend starken Auftritt gegen Polen, zeigten die Hellenen gegen Tschechien in der ersten Hälfte eine desolate Vorstellung und agierten erst im zweiten Durchgang mit Siegeswillen und Leidenschaft.
Im letzten Gruppenspiel gegen Russland (Samstag, ab 20:45 Uhr im Liveticker bei eurosport.yahoo.de) müssen die Hellenen gewinnen, um noch eine Chance aufs Viertelfinale zu haben.
Die Stimmen:
Fernando Santos (Trainer Griechenland): "Das Spiel hat sehr schlecht begonnen. So was kann gegen die Tschechen passieren, das wussten wir. Obwohl wir gewarnt waren, waren wir zu unaufmerksam. Die ersten zehn Minuten haben uns das Spiel gekostet. Wir haben immer noch Hoffnung. Es gibt immer noch eine Möglichkeit."
Michal Bilek (Trainer Tschechien): "Wir waren immer gefährlich. Die zweite Halbzeit war kompliziert, weil Rosicky nicht mehr weiterspielen konnte. Wir haben super begonnen, das haben wir auch gegen Russland gemacht, aber diesmal haben wir weiter standgehalten."
Tomas Rosicky (Tschechien): "Wir wollten uns für das Russland-Spiel rehabilitieren, das ist uns gelungen. Das war ein wichtiger Sieg für uns. Jetzt haben wir es selbst in der Hand."
Die Höhepunkte:
3. TOOOR für Tschechien. 1:0 durch Jiracek. Das geht aber schnell. Hübschmann steckt aus 25 Metern in zentraler Position durch auf Jiracek, der löst sich gegen Holebas und schiebt die Kugel aus 14 Metern ins Tor.
6. TOOOR für Tschechien. 2:0 durch Pilar. Sellasie tankt sich auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durch und passt quer in die Mitte. Keeper Chalkias und zwei griechische Verteidiger verpassen, Pilar stolpert die Kugel ins Tor.
29. Rosicky kommt aus knapp 20 Metern zum Schuss. Sifakis muss sich ganz lang machen, um den Ball aus der Ecke zu kratzen.
41. Der Ball zappelt im Tor von Czech, doch Lannoy entscheidet auf Abseits. Torossidis bringt den Ball von halbrechts in den 16er, Fotakis steigt am höchsten und nickt die Kugel ein. Doch der Mann aus Saloniki stand hauchdünn im Abseits.
53. TOOOR für Griechenland. 1:2 durch Gekas. Was für ein dicker Bock von Czech. Eine harmlose Samaras-Flanke von halblinks trudelt in den 16er, Czech kommt aus dem Tor, der Ball rutscht ihm durch die Finger. Gekas schiebt aus zehn Metern ins leere Tor.
62. Oh die Tschechen wackeln. Eine verunglückte Kopfballabwehr von Sivok landet vor den Füßen von Papadopoulos. Der Schalker zieht ohne zu zögern ab, im letzten Moment ist ein tschechisches Bein dazwischen und blockt die Kugel.
Der Kracher: Griechische Moral
Nach sechs Minuten lagen die Griechen bereits mit 0:2 zurück, Tschechien hatte die Partie im Griff und nichts deutete noch auf einen spannenden Spielverlauf hin. Doch wie gegen Polen, krempelten die Mannen von Fernando Santos im zweiten Durchgang die Ärmel hoch und kämpften letztendlich vergeblich um einen Punkt.
Im Abseits: Falscher Schiedsrichter
In der zweiten Hälfte sorgte ein Pfiff für Aufregung. Schiedsrichter Stephane Lennoy hatte allerdings keine Spielunterbrechung herbeigeführt, der Pfiff kam von den Rängen. Diese Unsportlichkeit hat bei der EURO nichts zu suchen.
Die Statistik: 9
In allen neun Länderspielen gegen Tschechien gelang es Griechenland nicht, mehr als ein Tor pro Partie zu erzielen.

TV-Tipp:
Die EURO 2012 Show - die EM-Expertenrunde mit Patrick Kluivert, Thomas Berthold, Fredi Bobic, Rafa Benitez und Arsène Wenger analysiert vom 7. Juni bis 2. Juli immer um 20:00 Uhr LIVE die Geschehnisse in Polen und der Ukraine.
