Die Lehren:
Beide Mannschaften gaben sich in der zweiten Halbzeit scheinbar mit dem Unentschieden zufrieden. Gegen die übrigen Gegner in dieser Gruppe, Schweden und Ukraine, rechnen sich sowohl England als auch Frankreich wohl gute Chancen aus.
Frankreich hatte in der ersten Hälfte mehr Spielanteile, konnte die tief stehenden Vierer-Ketten der Engländer aber zu selten knacken. Das Spiel der Equipe Tricolore war zumeist zu statisch, die Außenverteidiger rückten nicht nach und so waren für die Offensivspieler keine Räume vorhanden. Am kommenden Freitag spielen die Franzosen gegen den Co-Gastgeber Ukraine.
England, das noch nie ein Auftaktspiel einer EM gewinnen konnte, legte das Augenmerk auf die eigene Defensive. Ohne den verletzten Frank Lampard und den noch gesperrten Wayne Rooney blieb die Offensive blass. Nur viermal schossen die Engländer aufs französische Tor, keine Mannschaft bei dieser EM schoss seltener aufs gegnerische Gehäuse.
Im zweiten Spiel gegen Schweden sollten es die "Three Lions" dann besser machen, ehe gegen die Ukraine die Rückkehr des Superstars Rooney sehnlichst erwartet wird.
Die übrigen Mannschaften dieser EM werden in diesem Spiel registriert haben, dass zwei große Mannschaften Probleme hatten, ins Turnier zu finden. Erzaudern muss vor Frankreich und England in dieser Form bei der EM niemand.
Die Stimmen:
Laurent Blanc (Nationaltrainer Frankreich): "Wir müssen zufrieden sein. Wir haben ängstlich begonnen und paradoxerweise ein Gegentor gebraucht, um aktiv zu werden. Das 1:1 ist ok für uns. Der Auftakt ist immer schwer."
Steven Gerrard (England): "Wir wären über einen Sieg froh gewesen, das Unentschieden passt uns aber gut. Wir haben den vielen starken Spielern der Franzosen viele Probleme bereitet. Das nächste Spiel müssen wir jetzt gewinnen."
Die Höhepunkte:
15. Milner hat die riesen Chance: Nach einem guten Pass von Welbeck ist Milner allein vor Lloris, umdribbelt den Keeper in hohem Tempo, kommt dann aber ins Straucheln. So bringt er den Ball nicht unter Kontrolle und schießt am leeren Tor vorbei.
30. TOOOR für England! Lescott köpft England in Führung. Gerrard flankt einen Freistoß von der rechten Seite scharf vors Tor. Diarra kommt gegen Lescott zu spät und der Innenverteidiger köpft aus vier Metern ein - 1:0 für England.
35. Fast der Ausgleich: Diarra köpft einen Freistoß von Nasri aufs Tor, Hart wehrt zur Seite ab. Dort steht Ribery und legt per Kopf zurück in den Fünfmeterraum, wieder ist Diarra da, köpft diesmal aber am Tor vorbei.
39. TOOOR für Frankreich! Nasri erzielt den Ausgleich mit einem sehenswerten Fernschuss. Die Franzosen können vor dem englischen Strafraum kombinieren. Ribery legt ab auf Nasri, der die Kugel aus 18 Metern knallhart und platziert ins kurze Eck knallt. Hart sieht den Ball spät und hat daher keine Chance.
65. Benzema lässt die aufkommenden Pfiffe verstummen und prüft Hart mit einem Fernschuss aus 27 Metern. Der Torhüter wehrt locker ab.
81. Starker Schuss von Cabaye aus 25 Metern. Welbeck bringt den Fuß dran und wehrt zur Ecke ab. Gut für England, der Ball hätte genau ins Eck gepasst.
Der Kracher: Die englischen Fans
Die rund 8.000 Engländer im Stadion feierten das Ergebnis und sich selbst. Sie intonierten wie üblich bei Länderspielen die Nationalhymne und ließen sich die Stimmung auch vom schlechten Spiel nicht vermiesen.
Im Abseits: Nicht-Angriffs-Pakt in der zweiten Hälfte
In der zweiten Halbzeit wirkte es gerade so, als ob sich beide Mannschaften mit dem Unentschieden zufrieden geben. Die Zuschauer waren die Verlierer des Nicht-Angriffs-Pakt, sahen eine höhepunktarme zweite Hälfte und quittierten die Vorstellung auf dem Rasen mit einem Pfeifkonzert.
Die Statistik: 2168
Frankreich wartet seit 2168 Tagen auf einen Sieg bei einem Turnier. Der letzte gelang bei der WM 2006 im Halbfinale gegen Portugal. Auch heute konnte die sechsjährige Durststrecke nicht beendet werden.

VIDEO - EURO 2012: Randale bei Kroatien-Sieg
TV-Tipp:
Die EURO 2012 Show - die EM-Expertenrunde mit Patrick Kluivert, Thomas Berthold, Fredi Bobic, Rafa Benitez und Arsène Wenger analysiert vom 7. Juni bis 2. Juli immer um 20:00 Uhr LIVE die Geschehnisse in Polen und der Ukraine.
