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    Tag 9: Bolt-Show am Frust-Sonntag

    Der Superstar der Spiele lieferte die erwartete Show, auf deutscher Seite hingegen gab es (fast) nur Frust am neunten Olympia-Tag. Selbst die einzige Medaille war nur ein Trost für das Fecht-Team, das sich um seine Gold-Chance betrogen sah.

    Leichtathletik: Gold, wieder Gold! Olympiasieger Usain Bolt gab den "Bogenschützen", hüpfte mit der Jamaika-Fahne über die Bahn seiner Träume und schlug dann übermütig einen Purzelbaum. Was für eine Nacht, was für eine Zeit! Als der schnellste Mann der Welt im 100-Meter-Finale durchs Ziel schoss und von tausenden Kameras geblitzt wurde, hatte der Orkan im Londoner Olympiastadion seinen Höhepunkt erreicht.

    Bei 9,63 Sekunden blieben die elektronischen Uhren stehen. Nur fünf Hundertstel fehlten dem 25-Jährigen am Sonntagabend, dann wäre auch noch sein Weltrekord (9,58 Sekunden) gefallen. Es war aber die zweitbeste je gelaufene Zeit. "Ich fühlte mich extrem gut - und jetzt bin ich glücklich", sagte der Held des Tages. "Wenn es um Titel geht, dann bin ich da. Das habe ich gezeigt. Ich wusste, was ich kann", sagte Bolt.

    Fechten: Peter Joppich hingegen steckte voller Frust. Fassungslos und mit starrer Mimik saß der Fechtstar neben der Planche. Die tröstenden Streicheleinheiten von Bundestrainer Ulrich Schreck verpufften, weil Joppichs olympische Goldhoffnungen nach dem mit 40:41 verlorenen Halbfinal-Krimi gegen Japan unvollendet blieben. Dass es später beim 45:27 gegen die USA Bronze wurde und Joppich bei seinen dritten Spielen die Medaillenpremiere erlebte, war für ihn fast banal.

    Turnen: Keiner konnte Janine Berger trösten. Die jüngste Athletin des deutschen Olympia-Teams war nach dem besten Wettkampf ihrer Karriere untröstlich und verteilte heftige Schelte in Richtung der Referees. "Wie soll man sich da freuen, wenn die Kampfrichter die Russin so bevorteilen? Sie ist deutlich aus der Bahn getreten und erhält 15,40 Punkte. Das darf doch nicht wahr sein", wetterte die 16-jährige Schülerin aus Ulm nach ihrem grandiosen vierten Platz in der Sprung-Konkurrenz.

    Tennis: Untröstlich waren auch Sabine Lisicki und Christopher Kas, nachdem sie Bronze im kleinen Finale des Mixed-Wettbewerbs knapp verpasst hatten. "Wir sind total enttäuscht. Das war das wichtigste Turnier meiner Karriere. Wir waren so nah dran an der Medaille", sagte die Berlinerin Lisicki mit feuchten Augen. "Im Moment tut es einfach nur weh. Wir haben bis zum Schluss alles gegeben", sagte Kas.

    Radsport: Einen weiteren vierten Platz gab es an diesem Sonntag im Velodrom. Bei der Olympia-Premiere des Bahn-Mehrkampfes Omnium musste sich Roger Kluge mit dem undankbaren Rang direkt hinter den Medaillen begnügen. "Ich hätte gerne eine Medaille gehabt, dafür bin ich hierher gefahren. Ich habe Schwächen im Zeitfahren - man kann nicht in allem gut sein", sagte der enttäuschte Cottbuser.

    Springreiten: Frühes Aus statt sicherer Medaille - bereits nach der Hälfte des Teamwettbewerbs sind die deutschen Springreiter in London völlig überraschend aus dem Medaillenkampf ausgeschieden. Fassungslosigkeit und Entsetzen spiegelte sich nach dem völlig unerwarteten Aus in den Augen der deutschen Springreiter wider. "Das ist eine Riesen-Riesen-Enttäuschung", sagte mit belegter Stimme Christian Ahlmann.

    Hockey: Unnötig spannend machten es die Hockey-Herren. Schon ein Punkt gegen die Niederlande hätte schon fürs Halbfinale gereicht, doch es gab eine Pleite. "Bei uns haben einige nicht mitgewirkt", kritisierte der nach außen gelassen wirkende Bundestrainer Markus Weise. In ihm dürfte es aber gebrodelt haben. Er sprach von "tonnenweisen Fehlern" und einer "unfassbaren Fehlerquote". Nun muss der fehlende Zähler gegen Neuseeland geholt werden.

    Beachvolleyball: Es war schon weit nach Mitternacht, als die deutschen Damen ihre heimlichen Hoffnungen aufs Halbfinale im Sand begraben mussten. Sara Goller und Laura Ludwig unterlagen den favorisierten Juliana Silva/Larissa Franca (Brasilien) trotz großem Kampf und einem im zweiten Satz engen Duell.

    Tischtennis: Doch es gab auch Lichtblicke aus deutscher Sicht. Jamaika hat Bolt, der DTTB immerhin Boll: Timo Boll ist zurück in der Spur. Nach zwei Pleiten gewann der Tischtennis-Star beim 3:0 der Herren-Auswahl gegen Österreich sein Einzel. Nun wartet Top-Favorit China im Halbfinale auf das deutsche Europameister-Team.

    Surfen: Auch wenn es diesmal nicht optimal lief - die Medaillenchance ist noch da. Toni Wilhelm startet als Gesamt-Dritter in die Finalläufe, danach will Moana Delle als Vierte angreifen. "Ich glaube fest an meine Chance auf eine Medaille. Sie ist mein großer Traum", sagte Wilhelm, "die Devise ist klar: Ich werde Vollgas geben."

    Grenzenlosen Jubel gab es hingegen mal wieder bei den Gastgebern: Dass Andy Murray tatsächlich im Wimbledon trotz seiner Mixed-Doppelbelastung am Vortag gewinnen würde, hatten sie kaum zu hoffen gewagt. Dass er dabei Roger Federer auch noch klar dominierte, war noch überraschender. Und ganz nebenbei wurde Ben Ainslie noch um erfolgreichsten Segler aller Zeiten. In einem packenden Finale holte er sich sein viertes Gold in Serie seit 1996.

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