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    Superstars meckern: "Eine Schande"

    FIFA-Generalsekretär Valcke musste für seine Kritik am Stand der Vorbereitungen zur WM in Brasilien viel Prügel einstecken. Dabei hatte er nur ungeschickt den Finger in eine Wunde gelegt, die in Brasilien Sorge bereitet. Ex-Star Romário spricht von "Schande". Noch sind es zwei Jahre bis zum Anpfiff.

    Unmittelbar vor dem Besuch von FIFA-Präsident Joseph Blatter zum Krisentreffen bei Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat der WM-Gastgeber 2014 die nächste Baustelle. Die längst fällige Entscheidung im Abgeordnetenhaus über das wichtige WM-Gesetz wurde nicht nur erneut vertagt.

    Die regierenden Koalitionsparteien kippten in dem Entwurf auch die von der FIFA vehement geforderte Aufhebung des Alkoholverbotes in den Stadien während der Weltmeisterschaft. Das dürfte auch die FIFA-Führung um Blatter, dem es bei seiner Reise vor allem um Schadensbegrenzung in den diplomatischen Verstimmungen gehen dürfte, nicht erfreuen.

    Kritik korrekt, aber undiplomatisch

    Die Eiszeit war durch den in Brasilien inzwischen ungern gesehenen FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke ausgelöst worden. Dieser hatte die schleppenden Vorbereitungen im Land des Rekordweltmeisters kritisierte und die unglückliche Wortwahl vom "Tritt in den Hintern" für die Organisatoren gewählt.

    Inhaltlich bekam er allerdings selbst in Brasilien Recht. "Es gibt noch viele Verzögerungen", räumte Ex-Fußballstar Ronaldo ein, der mit dem früheren Nationalspieler Bebeto im Aufsichtsrat des WM-Organisationskomitees sitzt.

    Knackpunkt Infrastruktur

    Dabei meinten weder Ronaldo noch Valcke in erster Linie die Stadien in den zwölf Ausrichterstädten. Es geht um Hotels, um den öffentlichen Nahverkehr und um Flughäfen. Die großen Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro, aber auch die WM-Stadt Manaus im Amazonas versinken im täglichen Verkehrschaos. Die Metro-Netze sind zu klein oder wie in Manaus nicht vorhanden. Die häufig hoffnungslos überfüllten Busse sind stecken zu Stoßzeiten selbst auf eigenen Spuren im endlosen Stau.

    3,7 Millionen Touristen, davon 600.000 aus dem Ausland, werden zur Weltmeisterschaft vom 12. Juni bis 13. Juli 2014 erwartet. Hinzu kommen 18.000 Medienvertreter, die mitunter stundenlange Flüge von einer WM-Stadt in die nächste einplanen müssen. So liegt etwa Manaus 2.500 Kilometer und rund vier Flugstunden von São Paulo entfernt. "Wir müssen sicherstellen, dass jeder Fan die Möglichkeit hat, seiner Mannschaft zu folgen (...), ohne dabei logistische Albträume erdulden zu müssen - das gilt sowohl für brasilianische wie auch für internationale Gäste", schrieb Valcke Brasilien schon im November 2011 ins Stammbuch.

    Doch beim öffentlichen Nahverkehr hapert es gewaltig, wie auch der Ex-Fußballstar Romário bemängelte. Der heutige Bundesabgeordnete flog in alle WM-Städte, um sich über das Programm "Urbane Mobilität" zu informieren, das die Transportwege in den WM-Städten verbessern soll.

    2011 sei aber davon nahezu nichts umgesetzt worden. "Weniger als 30 Prozent der Arbeiten wurden begonnen", schrieb Romário in einem Zeitungsartikel, "von den 650 Millionen Reais wurden nur 0,02 Prozent ausgegeben." Nur wenige Flughäfen hätten zudem mit Erweiterungsarbeiten begonnen. "Eine besorgniserregende Situation. Eine Schande", bilanzierte der Weltmeister von 1994.

    Kein personeller Neuanfang

    Erschwert werden die Vorbereitungen auch durch personelle Veränderungen. Erst nahm Sportminister Orlando Silva Ende Oktober 2011 wegen Korruptionsvorwürfen seinen Hut. Diese Woche warf dann der seit Jahren unter Korruptionsverdacht stehende mächtige Präsident des Nationalen Fußballverbandes CBF, Ricardo Teixeira (64), aus "gesundheitlichen Gründen" das Handtuch.

    Ein Generationswechsel blieb aus. Teixeiras Nachfolger, José Maria Marin, ist 79 Jahre. Ein Neuaufbruch sieht anders aus. Dieses Signal bleibt Präsidentin Rousseff und FIFA-Präsident Blatter vorbehalten, die zu ihrem Krisengipfel auch Brasiliens Fußball-Legende Pelé einluden. Die WM 2014 dürfte am Freitag, 818 Tage vor ihrem Anpfiff, endgültig zur Chefsache werden.

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